Arren, der Prinz eines Königreiches, tötet seinen seinen Vater und zieht in die weite Welt hinaus. Unterwegs trifft er auf den Magier Sperber, welchen er fortan begleitet. Während Arren dann noch das scheue Mädchen Theru kennenlernt, braut sich im Hintergrund Unheilvolles zusammen: Der böse Magier Cob (in Frauengestalt) will mit der Hilfe von Arren Unsterblichkeit erlangen.
Es ist gar nicht mal so leicht, die Story zusammenzufassen, den viel Substanz bieten Die Chroniken von Erdsee eigentlich nicht. In der ersten Hälfte passiert tatsächlch fast gar nichts: Sperber und Arren ziehen durch die Gegend, unterhalten sich ab und an, machen Bekanntschaft mit den zwielichtigen Ordnungshütern und hausen anschließend bei einer alten Bekannten Sperbers. Dafür geht schon etwas mehr als die erste Stunde drauf. Damit will ich nicht sagen, dass der Film nun besonders langweilig ist, denn die solide Fantasystimmung vermag zu gefallen.
Es wird ein angenehmes Gefühl von Freiheit vermittelt, wenn die üppigen Landschaften im Hintergrund vorbeiziehen und die Natur unberührt ist. Trotzdem verdirbt die Handlungsarmut jegliche Spannung. Dies führt auch dazu, dass der Schluss eigentlich nicht wirklich funktioniert: Der böse Magier Cob wird dazu viel zu spät richtig in die Geschichte eingebunden. Am Anfang fehlt dem Film somit ein Ziel. Überhaupt wirkt der Bösewicht wie die anderen Figuren auch reichlich Facetten-arm. Bei den guten Figuren ist das nicht weiter schlimm; denn die einschichtige Art vor allem von Arren und Theru erzeugt eine gewisse Melancholie.
Die Inszenierung hinkt bisweilen anderen Ghibli-Filmen hinterher: Die saftigen Wiesen und die große Stadt sind zwar nicht zu kritisieren, Flächen-colorierte Bllder wie anfangs das Meer oder die Wüste erreichen aber nicht die einstigen Qualitätsstandards. Auch die Charakterdarstellung ist nicht gerade detailliert (wobei die ausdruckslosen Mimiken der Melancholie durchaus zuträglich sind). Auch die Bildrate hätte höher sein müssen, denn die Animation von größeren Objekten wirkt nicht flüssig. Nichts zu meckern gibts hingegen am Score, der wirklich gut gelungen ist und dem Film einen epischen Fantasycharakter verleiht.
Insgesamt gestaltet sich Goro Miyazakis Debüt als gelunger Streifen in Ursula K. Le Guins Erdseekosmos, der erschreckend wenig Story besitzt, aber durchaus rund wirkt und eine schöne Fantasyatmosphäre bietet. Mit den anderen, großen Ghiblifilmen kann sich dieses Werk aber zu keiner Zeit messen.