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"Die Gier des Menschen ist unermesslich."

Auf seinen Reisen wird der Erzmagier Ged, den viele unter dem Namen Sperber kennen, auf eine Wandlung seiner Welt aufmerksam. Drachen bekämpfen sich gegenseitig und eine mysteriöse Dunkelheit legt sich auf das Land, ausgelöst von der Magierin Cob, die nach dem ewigen Leben trachtet.
Der junge Prinz Arren ermordet seinen Vater, den König von Enland, und eignet sich dessen Schwert an. Auf seiner Flucht begegnet er dem Erzmagier. Gemeinsam reisen die beiden zur Stadt Hort, wo sich das Chaos bereits breit macht. Viele Einwohner sind abhängig von einer Droge und der Menschenhandel gehört zum Alltag. Verfolgt von Söldner finden der Erzmagier und Arren eine Unterkunft bei Ged's einstiger Weggefährtin Tenar, die das durch eine Brandnarbe gezeichnete Mädchen Therru aufgenommen hat.

Der Anime "Die Chroniken von Erdsee" basiert rundimentär auf der erfolgreichen Romanreihe der Autorin Ursula K. Le Guin. Von der komplexen und sehr philosophischen Vorlage nutzt Goro Miyazaki nur den Hauptcharakter sowie die epische Welt. Als Nachfolger seines Vaters Hayao Miyazaki ("Chihiro's Reise ins Zauberland", "Kiki's kleiner Lieferservice", "Das Schloss im Himmel") wandelt Goro auf dessen Fußstapfen, ohne das tiefgründige Niveau ähnlicher Ghibli Produktionen zu erreichen.

Von Beginn an hat der Anime etwas magisches. Die dargestellte Welt sieht wuchtig aus, die Atmosphäre ist episch. Die Charaktere entfalten sich nur langsam, funktionieren aber wunderbar als Sympathieträger.
Auch die Moral kann überzeugen. In vereinfachter Form thematisiert "Die Chroniken von Erdsee" den bewussten Umgang mit der Umwelt und dem Leben selbst. Der Anime enthält aber keine Elemente eines Ökodramas, wie es bei der Referenz "Prinzessin Mononoke" der Fall ist, obwohl Parallelen nicht von der Hand zu weisen sind.

Bis zum stimmungsvollen Finale hat "Die Chroniken von Erdsee" aber auch einige offensichtliche Mängel vorzuweisen. Gerade erzählerisch erreicht der Anime nicht das gewohnte Niveau einer Ghibli Produktion. An manchen Stellen ist die Handlung verkompliziert, an anderen wiederum oberflächlich. Hin und wieder wirkt der Film wie eine Aufzählung linearer Ereignisse und die Figuren folgen einer eindeutigen Gut- / Böse-Zeichnung. Auch ist der moderne, temporeiche Erzählstil anstatt eines eindringlichem etwas gewöhnungsbedürftig.

Der Zeichenstil ist beeindruckend. Die Animation ist flüssig. Belebte Stadtbilder wechseln sich mit eher kargen Landschaftsbilder ab. Die Charaktere wirken detailliert und haben einen erstaunlichen Wiedererkennungswert zu anderen Ghibli Filmen.

Der Wechsel im Studio Ghibli bringt offensichtliche Neuerungen mit sich. Goro Miyazaki ist sichtbar ambitioniert und orientiert sich an den Werken seines Vaters. "Die Chroniken von Erdsee" hat jedoch zu eindeutige Schwächen im erzählerischen Bereich, um an den gewohnten Ghibli Standard heran zu reichen. Dafür ist die Bildsprache eindrucksvoll und die Atmosphäre stimmig. Für eine klassische Fantasy-Geschichte mit Hang zum Märchen sowie überschaubarem Anspruch, ist der Anime durchaus unterhaltsam.

7 / 10

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