Review

Fast jeder Horror-Fan, der etwas auf sich hält, kennt die Universal-Klassiker: Dracula, Frankenstein, der Unsichtbare, der Wolfsmensch. Viele kennen Dr.Moreau, die Freaks und natürlich King Kong!
Und obwohl einige dieser Klassiker praktisch bis zur Mittelmäßigkeit entschärft worden sind, werden sie mehr und häufiger gefeiert als bspw. „Murders in the Zoo“, der dringend der Wiederentdeckung bedarf.

Gedreht unter der Ägide von Paramount, später dann aber über Universal vermarktet, ist der Film in unseren Breiten leider ziemlich in Vergessenheit geraten, sollte aber eigentlich jedem gefallen, der sonst den zahnlosen „Graf Zaroff/The Most Dangerous Game“ abfeiert.

Allein die Eröffnungsszene gibt all den anderen Filmen ordentlich Zucker, denn irgendwo im malaysischen Dschungel scheint Großwildjäger Eric Gorman (Lionel Atwill at his most evil…) einen Begleiter zu verarzten. Dann aber deutet der Monolog an, dass er dem Betreffenden (den man nur liegen sieht) offenbar aus Eifersucht ziemlich gram ist. Und schließlich lässt er ihn mit gefesselten Händen in Dschungel frei. Erst jetzt offenbart die Kamera, was er getan hat: er hat dem Rivalen die Lippen zusammengenäht…

Jaaa, hier ist gleich Stimmung in der Bude und obwohl nicht alles an diesem Film so grimmig ist wie der Auftakt, wundert mich doch, wie manches davon durch die harsche Zensur der 30er gekommen ist.

Dreh- und Angelpunkt des Plots sind also Gorman und seine Frau Evelyn (Kathleen Burke), die in einem leidenschaftlichen Hass-Verhältnis zueinander stehen. Sie kann nicht anders, als sich immer mal wieder Trost bei Bekannten zu finden, er verfällt daraufhin regelmäßig in den Stalker-Terror mit mutagenen Besitzansprüchen, die Mord nicht ausschließen.

Als Gorman seine wilden Tiere zu einem amerikanischen Zoo verschifft, ist schon die nächste Bekanntschaft da und nach Ankunft ist sie auch bald fällig.
Um den Tonfall aufzuheitern, sieht es daheim etwas sonniger aus. Im Zoo-Labor arbeit Gail Patrick und ein sehr junger Randolph Scott an Anti-Toxinen von Schlangen und planen schon den nächsten Schritt und als Presse-Agenten engagiert die Direktion den gern mal leicht angesüffelten Peter Yates, der leider Angst vor so ziemlich jedem Tier hat, das der Zoo auffährt.
Dargestellt von dem damals sehr populären Entertainer und Komiker Charlie Ruggles, sorgt der tapsige Kerl nicht nur für einige erheiternde Momente, er führt auch die Besetzungsliste noch vor Atwill an.

Aber natürlich ziehen bald dunkle Wolken auf, denn schon bei einem öffentlichkeitswirksamen Fundraising-Dinner mit geladenen Gästen im Löwen- und Tigerhaus geht der Nächste über den Jordan. Das wird dann Gattin Evelyn zu bunt, die fortan die Scheidung will, sich aber recht patent zeigt, zumindest die Mordmethoden ihres Gatten zu entlarven. Später hat sie dann weniger Glück und der Zoo kommt alsbald richtig in die Bredouille…

Mit nur 66 Minuten Spielzeit ist „Murders in the Zoo“ eine bemerkenswerte Leistung: ein Suspenser mit Horrormotiven und Humor, praktisch ohne eine verschwendete Szene. Als sich die Darstellerränge lichten, spitzt sich der Plot folgerichtig und für 1933 sehr temporeich zu und mündet in ein echt zoologisches Finale, bei dem die Augenbrauen mal wieder auf Wanderschaft gehen dürften, denn der Film hat schon so manchen WTF-Moment.

Visuell von Edward Sutherland schön in seiner Zoo-Umgebung in Szene gesetzt, hat der Film den nötigen Drive, um für Horrorfans der alten Schule zu einem Must-See zu werden und wenigstens zwei Abgänge (abseits der Eingangsszene) sind von bemerkenswert drastischer Natur und teilweise beeindruckenden Bildern. Mit Ruggles mag man zuerst etwas fremdeln, aber er wächst nach und nach von „comedy relief“-Rolle in einen organischen Bestandteil des Plots und agiert nicht nur neben ihm.
Für mich eindeutig der bessere Zaroff: starke 8/10!

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