Review

"The War is not over, until the last man comes home!" (DVD Werbetext)

Nur ein Jahr nach "Missing in Action" schickt Regisseur Lance Hool Col. Braddock (Chuck Norris) erneut auf einen bleihaltigen Feldzug nach Vietnam. Genauer gesagt wird diesmal die Vorgeschichte des ersten Teils erzählt, womit auf inhaltlicher Ebene die langjährige, höllische Gefangenschaft mitsamt Ausbruch in den Fokus des Interesses rückt.

Gleich zu Beginn des Streifens wird mit dem qualitativ eher missglückten Billig-Auftakt deutlich, dass die Qualität des Erstlings wohl nicht erreicht werden wird. Ob schon deshalb in den alten deutschen Fassungen das Intro, in welchem Braddock und sein Team in die Hände des Feindes fallen, fehlte?
Wie dem auch sei, der Rest von "Missing in Action 2" gibt sich unterm Strich eher unspektakulär. Bis zum finalen Ausbruch gibts nur kleinere Scharmützel mit den Wachen und einige Strafaktionen des sadistischen Lagerkommandanten (Soon-Tek Oh) zu vermelden. Ansonsten recht viel Leerlauf, kaum Spannung oder Abwechslung und auch interessante Charaktere sucht man im Sumpf der Klischees vergebens. Stattdessen gibts im Zeichen des großen amerikanischen Traumas jede Menge Durchhaltepathos und ein klar umrissenes Feindbild, mit dem natürlich schlussendlich gnadenlos abgerechnet wird.

Im durchaus sehenswerten Shodown gibts dann auch knackige Oldschool-Action zu bewundern. Blutige Einschüsse, handgemachte Explosionen und auch ein Flammenwerfer gehören zum ruppigen Programm, in dessen Folge das Gefangenenlager ganz klassisch in Schutt und Asche gelegt wird. Der Bodycount könnte zwar höher sein, unterm Strich stellt das Gebotene aber zufrieden, ohne dass in Sachen Kreativität und Inszenierungsqualität sonderlich geglänzt werden kann. Gerade weil vieles eher unspektakulär bleibt, verwundert heute das Zensurtheater, das den Film sowohl im Kino als auch auf VHS und im TV beständig verfolgte und noch im neuen Jahrtausend verfolgt, um so mehr. Heute wohl mit Augen-zu-drücken ein 16er-Kandidat, damals war selbst "ungeprüft" noch zu heikel...

In schauspielerischer Hinscht kann man sich, freilich unter Berücksichtigung der Möglichkeiten, nicht groß beklagen. Chuck Norris spielt die einzige Reißbrett-Rolle, die er zu verkörpern in der Lage ist, mit aller mimiklosen Routine, Steven Williams gibt den typischen (schwarzen) Klischee-Verräter, der sich aber letztlich (natürlich) in einem patriotischen Akt doch noch opfert. Immer wieder nett anzusehen auch Professor Toru Tanaka als Kampfwalross in Uniform und mit Soon-Tek Oh im Part des abgrundtief bösen und hinterhältigen Lagerkommandanten schliesst sich der Darstellerkreis sehr stimmig.

Fazit: Ein propagandistisches, menschenverachtendes Relikt aus den 80ern. Für Fans des Genres immer wieder passable, aber nicht wirklich spektakuläre Unterhaltung, die natürlich mit der stetig wachsenden zeitlichen Distanz zum Vietnamkrieg immer mehr an Zugkraft verliert.

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