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Ich schätze, ich muss noch lernen, die Klappe zu halten. Wie machen Sie das, Sie reden doch auch drauf los.“ - "Ich entscheide mich vorher, ob es sich lohnt, dafür geschlagen zu werden.

Die Vorgeschichte ist bekannt: Back-to-back mit Missing in Action (1984) von Produzent Lance Cool gedrehte Produktion, im Fahrwasser natürlich der durch nicht bloß durch Rambo (1982) ausgelösten Vietnamkriegswelle (allerdings vor Rambo II - Der Auftrag, 1985), nach dessen Fertigstellung die Produzenten um Golan und Globus das Sequel von Joseph Zito für würdiger, sprich kommerzieller als den eigentlichen Erstling hielten und die Reihenfolge einfach vertauschten, dieses Werk hier (Hool war am Skript zum Sequel mit tätig ist) wurde dann als Prequel, als The Beginning oder auch Missing In Action 2: Rage and Revenge (und mit 'nur' hab so viel Einspielergebnis) veröffentlicht. Aus finanzieller Sicht auch die richtige Entscheidung, der andere, leichtfüßigere, mehr auf Action und Abenteuer schielende Film gilt als die zumindest auf dem amerikanischen Markt vor Cusack - Der Schweigsame (1985) erfolgreichste Produktion von Chuck Norris, welcher im Übrigen schon um 1980 herum stattliche, nahezu gleiche Einspiele mit heutzutage nahezu vergessene Arbeiten wie Octagon, Good Guys Wears Black oder A Force of One einfuhr, bei wesentlich geringeren Budget auch; Norris war auch der Geldbringer der Cannon Group, vor seinen Kollegen um Bronson und Dudikoff, die eher auf dem Videomarkt dann zogen als die Leute ins Kino holten, der Film als Teil eines 6-Werke umfassenden Vertrages:

Zehn Jahre, bevor er die US-Kriegsgefangenen von einem brutalen General befreite, wurde Oberst James Braddock [ Chuck Norris ] in einem nordvietnamesischen Kriegsgefangenenlager festgehalten, das vom sadistischen Oberst Yin [ Soon-Tek Oh ] geleitet wird, der die Kriegsgefangenen zwingt, Opium für einen französischen Drogenschmuggler namens François [ Pierre Issot ] anzubauen, und versucht, Braddock dazu zu bringen, eine lange Liste von Kriegsverbrechen zuzugeben und zu unterschreiben. Einer seiner Kameraden, Hauptmann David Nester [ Steven Williams ], ist einer von Yins Handlangern geworden, weshalb seine Kameraden ihn als Verräter verurteilen.

1972 in Vietnam beginnt man hier, mit einem Hubschrauberrundflug, eigentlich nach Kambodscha geplant, mit Colonel Braddock an Bord, es wird salutiert, dem Passagier Ehre erwiesen, eine Feuergefecht am Boden als unerwartete Ablenkung, die Maschinengewehre rattern, die Lage ist brenzlig, die Luftverstärkung willkommen, der amerikanische Raketenbeschuss; Stuntmen, die durch die Gegend geschleudert werden. Schwere Artillerie wird hier geboten, eine fatale Situation, ein Absprung kurz vor dem Absturz der Maschine, Missing in Action, ein halbes Dutzend Soldaten, danach die geschichtlichen Folgen, der Rückblick, der Salut an die Gefallenen, eine Ehrenparade, vom heimischen Fernsehen aus übertragen, zehn Jahre nach dem Ende des Vietnamkrieges. Eine amerikanische Sicht, Reagan spricht zum Volk, er tröstet es ebenso wie der Film und noch mehr die anderen Teile, dann ein Blick in das Lager der Kriegsgefangenen, mitten im Dschungel, umgeben von Fallen. “Blutgierige Botschafter des Bösen“ sind die Amerikaner hier für die Vietnamesen, geschwitzt wird in der Sonne, in der Glut mitten im Freien, dazu ein erster Fluchtversuch, aufgehalten durch Tellereisen und angespitzte, den Leib durchbohrende Bambusstäbe als Fallen und einen Flammenwerfer, überall Elend und Grausamkeiten. Effektiv ist das durchaus gehalten, auch mit Williams als zweite feste darstellerische Figur, dazu Oh als Antagonist, als “Möchtegern-Diktator“, plus eine moralische Ansprache, ein Standpunkt über Ehre und Verrat, über Stolz und Feigheit, zwischen Kriegs- und Horrorfilm, als Drama mit Explosionen und Action allgemein angelegt.

Statt der amerikanischen Fahne der Freiheit wird hier die vietnamesische Flagge gehisst, das Camp als einziger Schauplatz, viele Hütten, viele Bunker, viele Brücken, die im halbstündigen Finale zu Kleinholz zerbersten und in aufflammende Druckwellen übergehen; vorher Exekution und Folter an der Tagesordnung, dazu Russisches Roulette als Art Gauditum, eine ständige Quälerei, viel Leid und Zwiegespräch. Es geht um ein (falsches) Geständnis, dass nicht unterschrieben werden will, darum dreht sich die ganze Handlung, um den Versuch des Brechens eines Mannes, der nicht zu Brechen ist; es ist schließlich Chuck Norris in der Hauptrolle, nicht irgendein Wicht. In Kampflaune ist man hier trotzdem, es geht um Abmachungen und Täuschung, um Versprechen, Verständnis und Drohungen, um Respekt und Achtung, um Geben und Nehmen, um Kameradschaft und Gottvertrauen, um Menschlichkeit und Soldaten- und Heldentum. Der Krieg hier als Eingepfercht Sein, als ungleiche Verteilung und brutale Behandlung, der Kampf erst zum Schluss, vorher ist Aushalten und Raushalten das beste und einzige Mittel, das Duckmäuser- oder Mitläufertum die Ansage, jeder Widerstand zwecklos, Hool inszeniert das dreckig und rau, nicht wie Zito als standhafter Angriff oder wie folgend der hiesige Stunt Koordinator) Aaron Norris als actionreiches Spektakel; der Mittelteil der Trilogie höchstwahrscheinlich der mit dem geringsten Unterhaltungs- und Wiedersehenswert, für die Kritiker war das Echo ordentlich, für die Kassen, das zahlende Publikum nicht erstrebenswert.

Visuell gleichen sich die Filme natürlich, hier (gedreht für sechs Wochen im Frühjahr '84 in Jalapa, Mexiko und auf Sankt Kitts in der Karibik) auch kräftiges Grün, prächtige Farben, das überschaubare Budget gut genutzt, der Anstieg vom permanenten Druck zur Eruption der Gegenwehr und Gewalt höchst umstritten, aber genauso effektvoll, bald wird mit den gleichen Waffen reagiert und Rache und Vergeltung ausgeübt. Der begrenzte Schauplatz und die nicht wirklich nachvollziehbare Zeit, die einerseits vorhandene Begrenzung und die andererseits nachvollziehbare Ewigkeit und Unendlichkeit, das Drehen im Kreise ist dramaturgisch nicht ohne Wirkung, aber insgesamt wenig unterhaltsam, nicht erfreulich; ab und zu wird scheinbar ein Hoffnungsschimmer am Horizont erleuchtet, ein Holzscheit ins glimmende Feuer geworfen. Ein Duell des Willens, ein wenig primitiv und spekulativ gehalten, auf das Einfachste und Niederste reduziert, ein Spiel mit dem Geist, mit Belohnung und Demütigung und Erniedrigung, die Geschichte zieht sich, trotz vieler Ereignisse und Entwicklungen und Wendungen; ein derber Kopfschuss nicht wirklich als Erleuchtung. Ein Film wie eine andauernde Erpressung, ein Konflikt zwischen Gut und Böse, “Irgendwas ist faul.“ ein Zwei-Personen-Stück fast auch, mit Vergiften durch Überdosis Opium und dem Anzünden von noch lebenden Menschen. Die Antwort folgt dann auf dem Fuße, der Konzentration auf die Befreiung, erst mit Karateschlägen und Würgegriffen, bald mit dem gesamten vorhandenen Waffenarsenal, kistenweise wird es herangekarrt und auf die Vietnamesen losgelassen, Sprengladungen und Handgranaten gezündet und das MG an sich gerissen, Braddock lebt, er gewinnt im Nachhinein den Krieg.











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