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Die Schulkameraden Min und Taesoo verbindet eine innige Freundschaft, die auf die Probe gestellt wird, als Min dem Wunsch seiner Mutter nachkommt und die Schule wechselt, um dadurch seine Chancen zu verbessern an einem guten College angenommen zu werden.
Während Taesoo konsequent sein Talent als Kämpfer nutzt, um sich einen Namen in der Unterwelt zu erarbeiten, hat der wankelmütige Min keine wirklich eigenen Ziele oder Träume, sondern lässt sich eher durchs Leben treiben oder von Anderen beeinflussen.
Nachdem sich Min und Taesoo einige Zeit nicht gesehen haben, nähern sie sich auf Taesoos Initiative hin langsam wieder an. Taesoo drängt Min, ebenfalls in seine Organisation einzusteigen. Doch Min gibt ihm immer wieder zu verstehen, dass er Taesoos kriminellen Lebenswandel nicht gutheißt. Mit seinem eigenen Leben überfordert, ist Min jedoch ein ums andere Mal auf Taesoos Hilfe angewiesen, die dieser aus tief empfundener Freundschaft heraus jedes Mal wieder gewährt, obwohl ihn Min häufig mit seiner dickköpfigen und eigensinnigen Art brüskiert. Schließlich verliert Min wegen seiner Unentschlossenheit und seinem Egoismus nicht nur den neu gewonnenen Freund Whan, sondern verschuldet sogar indirekt auch Taesoos Tod.
Zu spät erkennt Min den wahren Wert der Freundschaften, die ihn mit Whan und Taesoo verbunden haben und kann seinem sinnlosen Leben nur noch einen ebenso sinnlosen Tod folgen lassen, der für ihn die letzte Möglichkeit ist, seine Loyalität und Freundschaft zu zeigen...

Eine neue Story? Nicht wirklich. Sicherlich gibt es auch andere Filme zum Thema Freundschaft und die Frage, wie junge Menschen sich für einen Lebensweg entscheiden taucht bestimmt ebenfalls in anderen Filmen auf. Perspektivlosigkeit der Jugend haben wir in vielen Streifen gesehen, genauso wie die zarten Bande erster Liebe. Was also macht diesen Film aus? Was lässt die Geschichte dennoch neu und einzigartig wirken?

Mit vergleichsweise wenigen Worten kommt Regisseur Kim Sung-soo aus, um ein Bild wahrer Freundschaft zu zeichnen. Dabei gelingt es ihm nicht nur, derart viele Facetten aufzuzeigen, dass es nicht ganz leicht ist, diese alle in der Kürze der Zeit zu greifen, vielmehr haucht er seinen Charakteren einen derartigen Tiefgang ein, dass sie in ihrer jeweiligen Tragik der Lebensgeschichte wahre Empathie empfinden lassen.
Während die Erzählperspektive zunächst dazu führt, dass man sich unweigerlich mit Min und dessen Sichtweise identifiziert, mit ihm ob seiner immer wieder unerfüllt bleibenden Hoffnungen bangt, ändert sich im Laufe des Filmes zunehmend das Bild. Min selbst lässt immer mehr durchblicken, dass er niemandem in seinem Umfeld wirklich gut tut.
Seinen besten Freund lässt er ein ums andere Mal hängen, den neuen Freund verletzt er tief, indem er mit dessen großer Liebe schläft und seiner eigenen großen Liebe bringt er nur Unverständnis und Sprachlosigkeit entgegen.

Selten ist es einem Film gelungen, in mir derart viele verschiedene Emotionen zu wecken. Förmlich greifbar waren der innere Kampf Mins, die Enttäuschung Whans, die Hoffnungslosigkeit Romys und die verzweifelte Wut Taesoos. Unauffällige Schauplätze nutzend, standen in diesem Streifen eindeutig die Menschen im Vordergrund. Glücksgriff dann auch die Besetzung - alle Hauptcharaktere konnten überzeugen.
Die für mich wohl berührendste Szene war der Anblick Taesoos, der in höchster Not auf Mins Hilfe angewiesen vor dessen Tür stand und still wieder von dannen zog, als er von drinnen Min und Romy lachen hörte. Wie viel muss Taesoo für Min empfunden haben, dass er selbst als er den sicheren Tod vor Augen hatte, noch an Min und dessen Glück dachte und einfach wieder ging ohne Min um einen Freundschaftsdienst zu bitten?

Ein hohes Tempo an den Tag legend kam in 115 Filmminuten nicht eine Sekunde Langeweile auf - über den Inhalt nachzudenken blieb kaum ein Moment. Dafür bleibt nur die Zeit nach dem Film, der mich noch Stunden nach dem Anschauen nicht losgelassen hat - und das obwohl wenig später das erste deutsche EM-Spiel folgte...

Wahre Genies der Kampfkunst mögen die Akteure alle nicht gewesen sein, doch gut choreographiert konnten sich die Kampfszenen des Films durchaus sehen lassen, auch wenn sie entgegen der durch den Titel möglicherweise implizierten Annahme nur einen eher geringen Anteil des Filmes ausmachten.

Einziger Wertmutstropfen - die stellenweise merkwürdig anmutenden Untertitel der HK-DVD... womöglich täusche ich mich und die Koreaner müssen mehr sagen, um das zum Ausdruck zu bringen, was in englischer Sprache eine Zeile einnimmt, aber eigentlich hatte ich eher den Eindruck, die Untertitelschreiber waren unmotiviert und meinten, es reiche, nur den Großteil des Gesagten abzubilden. Naja, egal, glücklicherweise gelang es den Akteuren auch mit mangelhaften Untertiteln, die Aussage rüberzubringen.

Fazit: Wunderbar anrührender Film über Männerfreundschaft, Liebe, Träume - entgegen anderslautender Vermutungen sogar auch für Frauen verständlich ;-)

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