Es gibt Filme, die in Würde altern - man sieht ihnen genau an, daß sie nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit sind, aber ihr Thema bleibt aktuell. So wie in "Ich denke oft an Piroschka", der eine Sehnsucht beschreibt, die niemand ehrlich von sich weisen wird, die Sehnsucht nach einer romantischen Liebesgeschichte.
Im Mittelpunkt steht Andreas (Gunnar Möller), der sich bei einer Zugfahrt im Jahr 1955 an einen Sommer im Jahr 1925 zurück erinnert und besonders an das Mädchen Piroschka (Lieselotte Pulver). Zwar lagen auch schon damals 30 Jahre zwischen Neuzeit und dem geschilderten Geschehen, aber das hatte 1955 nur wenig Bedeutung, denn die moralischen Haltungen, gerade bezüglich der Beziehung zwischen Mann und Frau, hatten sich in den 30 Jahren zuvor kaum verändert - die moralische Erneuerung der Bundesrepublik stand noch bevor...
Verändert hatten sich aber die politischen Verhältnisse, so daß es 1925 noch deutlich leichter war nach Ungarn zu reisen, kurz nach dem Ende der KuK Monarchie Österreich-Ungarn. 1955 dagegen lag Ungarn hinter dem sogenannten eisernen Vorhang und so ist es wahrscheinlich auch zu erklären, warum der Film so viel wert legt auf ungarische Tänze und Lieder - und warum das Mitte der 50er Jahre so gut in Deutschland ankam.
Diese Teile des Films sind aus der heutigen Sicht die gewöhnungsbedürftigsten Szenen - nicht weil sie schlecht oder übertrieben lang wären, sondern weil man ihnen den inszenatorischen Stil so deutlich anmerkt. Sie erinnern an folkloristische Veranstaltungen, die man in der Regel Touristen im Sommer vorführt. Dadurch stören sie das sonst so natürliche und unkitschige Geschehen, weil der Film behauptet, so gehe es bei jedem ungarischen Volksfest in der Puszta zu - dabei ist offensichtlich, daß hier ausgebildete Tänzer und Sänger am Werk sind.
Dazu kommt noch das sonst so bekannte ungarische ("Paprika") Temperament hinzu, verkörpert besonders durch die "ur-ungarischen" Volksschauspieler Gustav Knuth und Rudolf Vogel, die hier in tragenden Nebenrollen zu sehen sind. Abgesehen davon das es 1925 in Ungarn nicht ungewöhnlich war, deutsch zu können, so wird kaum ein Ungar miteinander in dieser Sprache kommuniziert haben - was hier aber immer wieder geschieht.
Diese Details des Films sind eindeutig der Zeit geschuldet, in der der Film entstand. Doch darüber sollte man hinwegsehen, denn die eigentliche Geschichte ist völlig zeitlos und das ist vor allen Dingen dem Spiel von Lieselotte Pulver zu verdanken.
Im Gegensatz zu den obengenannten Details, gelingt es ihr, ihre Rolle als 17-jährige junge Frau völlig natürlich und unübertrieben anzulegen. Ihr Temperament, ihre Sehnsüchte und ihre Gefühle wirken jederzeit authentisch , so daß ihre Herkunft (die ja eigentlich schweizerisch ist) überhaupt keine Rolle spielt - sie ist eine junge verliebte Frau und wirkt in ihrer Art völlig modern. Andreas dagegen wirkt aus heutiger Sicht erfrischend altmodísch, ist aber in seiner eher etwas schusseligen (nicht zu verwechseln mit ungeschickten oder gar unfähigen) Art auch heute noch bestens geeignet, als Alter Ego durchzugehen.
Es wirkt aus heutiger Sicht fast unwirklich, daß ein solch anständiger, wohlerzogener, aber gebildeter und keineswegs langweiliger Typ von zwei Frauen begehrt wird. Und um etwas Anderes geht es in dem Film nicht, der gar keine richtige Geschichte erzählt.
Andreas begegnet auf der Hinreise zu seinem Ferienaufenthalt in der ungarischen Puszta Greta mit der er einen romantischen, aber nicht wirklich erfolgreichen Abend in Budapest verlebt. Am Ziel seiner Reise endlich angekommen, begegnet er der Tochter des Bahnhofvorstehers und verbringt mit ihr ein paar schöne Wochen bis er Post von Greta bekommt. Heimlich reist er zu ihr an den Plattensee, aber Piroschka reist hinterher...
Der Film verzichtet völlig auf irgendwelche lustspielartigen Verwechslungen und Szenen, sondern bleibt sehr ernst in der Darstellung eines völlig unbeschwerten Sommers. Gerade bei diesem schwierigen Thema ,daß ständig Fallen stellt in Richtung Lächerlichkeit oder Kitsch, gelingt traumwandlerisch etwas Ungewöhnliches für einen deutschen (oder besser den allgemeinen) Film - eine wirklich schöne romantische Liebesgeschichte.(8/10).