Und es war Sommer...
Auch wenn Peter Maffays Schlagerballade nicht gerade ein Ausbund an subtiler Songwriterkunst ist, so kann man ihm zumindest nicht vorwerfen, seine Botschaft verfehlt zu haben: Die erste große Liebe ist etwas ganz besonderes. Sie begleitet ein Leben lang. Egal, ob die Erinnerungen daran schön oder schrecklich sein mögen. Genau um diese magischen Momente geht es in Kurt Hoffmanns „Ich denke oft an Piroschka“.
Die Tatsache, dass der Film aus dem Deutschland des Jahres 1955 stammt, dürfte zunächst einmal jeden abschrecken, der einmal einen typischen cineastischen Erguss dieser Zeit begutachten durfte. Gemeint sind hier die bei der vornehmlich konservativ geprägten Bevölkerung der Adenauer-Ära beliebten Heimatfilme und Lustspiele, die ob ihrer Biederkeit allenfalls Nostalgiewert haben und heutzutage eher dem gesetzteren Publikum zugänglich sind. Von dieser Art Film ist der hier besprochene meilenweit entfernt, und dass, obwohl man ihm sein Alter und seine Herkunft in jeder Einstellung ansieht.
Die Story: Student Andreas verbringt einen Sommer in einem ungarischen Dorf und verliebt sich dort in Piroschka, die Tochter des Bahnvorstehers. Eine Liebesgeschichte mit unausweichlichem Ende, die aber ohne jeden Kitsch und unnötige Melodramatik auskommt. Ganz im Gegenteil wird die simpel gehaltene und schnörkellose Handlung angenehm zurückhaltend, in wunderschönen Bildern und großer Leichtigkeit erzählt. Auffällig ist höchstens die geradezu verklärende Darstellung der ungarischen Provinz, in der scheinbar jeden Tag gefeiert, getanzt und geherzt wird.
In diese sonnige Atmosphäre passt der Charakter der Piroschka aber perfekt hinein. Eine lebensfrohe junge Frau, dargestellt von einer umwerfend charmanten Lilo Pulver in einer ihrer ersten und im nachhinein bekanntesten Rollen. Der männliche Part (Gunnar Möller) kann dagegen nur verblassen. Die Tatsache, dass er sich wegen seiner gesellschaftlich eingeimpften, vernunftbegabten Haltung zunächst weigert, seine Gefühle für sich sprechen zu lassen, passt in dessen Charakterisierung perfekt hinein, was ihn natürlich zu keinem echten Sympathieträger macht. Auf der anderen Seite stellt dieser mit der aus heutiger Sicht klischeehaften Zurschaustellung deutscher Biederkeit einen unverkennbaren Kontrast zur ungarischen Herzlichkeit dar, der die Unwirtlichkeit des Erlebten noch deutlicher hervorhebt.
...das erste Mal im Leben
„Ich denke oft an Piroschka“ ist ein gekonnt zwischen Melancholie und Heiterkeit pendelndes Stück deutsche Kinogeschichte, das trotz des beschwingt-naiven Fünfziger-Jahre-Flairs niemals altbacken wirkt, sondern mit seiner zeitlosen Botschaft auch heute noch zu Tränen rühren kann. Die wichtigste Lektion des Films lernt Andreas in der denkwürdigen Schlussszene von Piroschka selbst, wenn sie ihm als Antwort auf die von ihm vorgebrachten magischen drei Worte entgegenhaucht:
Das darf man doch nicht sagen. Machen muss man das.
Ein Plädoyer, dass gleichermaßen wunderschön wie einprägsam ist. Ein besseres Schlusswort hätte man für einen Film über die erste große Liebe wohl kaum finden können.