Review

"Das Unternehmen Bernhard gilt als größte Geldfälschungsaktion aller Zeiten."

Das ist also ein weiterer europäischer Film, der sich mit dem Zweiten Weltkrieg auseinandersetzt. Schon oft wurde dieses Thema aufgegriffen und spätestens seit Schindlers Liste ist es eigentlich nicht mehr zu revolutionieren. Die Story basiert, wie einige der Kriegs-Dramen auf wahrer Begebenheit. Es geht um ein paar Juden, die im Auftrag der Nazis ausländisches Geld fälschen mussten. Doch gerade dieses Thema ist genial, da es bisher so noch nicht gewählt wurde und hier an einem ordentlichen und vor allem neuen Beispiel die Grausamkeiten der Nationalsozialisten genauer veranschaulicht. Die Charaktere sind gut gezeichnet und kommen im Film hervorragend zur Geltung. Außerdem verhalten sich die Charaktere in ihrer Situation sehr unterschiedlich, wodurch der Film abwechslungsreicher und vielschichtiger wird. Die Aufseher hingegen sind sehr klischeehaft konstruiert und wirken so, wie eine Karikatur aller Nazis, die man schon in diversen Filmen bewundern durfte. Die Wendungen sind teilweise überraschend, sind zum Ende hin aber ein wenig monoton. Das Wichtigste ist jedoch die Darstellung das Zwiespalts, in dem die Häftlinge die ganze Zeit über stecken. Entweder sie behalten ihren Lebensstandart bei, indem sie den Nazis gehorchen, oder sie tun es nicht und sorgen somit dafür, dass die Nazis den Krieg schneller verlieren, da sie ohne das Falschgeld weniger Waffen beschaffen können. Alles in allem eine gelungene und mitreißende Story auf wahrer Begebenheit.

"Es geht ums Prinzip." - "Keiner von uns ist bereit, für ein Prinzip zu
sterben." - "Genau deshalb funktioniert das System der Nazis."

Kriegsdramen laufen ja des Öfteren sehr langsam an, doch dieses kommt ziemlich schnell zur Sache. Bereits kurz nach der Eröffnungsszene sieht man, wie die Hauptfigur, gespielt von Karl Markovics, verhaftet wird und in das KZ kommt. Dann nimmt der Film schnell an Fahrt zu. Vor allem durch den schnellen Schnitt, der den Film von durchschnittlichen Kriegs-Dramen unterscheidet, kann der Film im Mittelteil seinen hohen Unterhaltungswert halten. Doch vor allem im letzten Drittel fährt der Film sich in diversen Konflikten fest und entwickelt damit eine hohe Monotonie, weswegen er an Fahrt verliert und der Unterhaltungswert stark abbaut. Von einem guten Kriegsfilm hätte ich mir wirklich ein emotionaleres oder ein spannenderes Ende erhofft. Alles in allem ist der Unterhaltungswert aber relativ hoch.
Die Filmmusik fällt nicht sonderlich ins Gewicht und ist wie bei vielen Filmen mit relativ geringem Budget nicht sonderlich auffällig und schafft es somit kaum die dramatische Handlung zu untermauern. Immerhin können die melancholischen Töne die traurige und bedrohliche Atmosphäre ein wenig betonen.
Die Kulisse, das KZ, ist grau und finster. Durch dieses Spiel mit den Farben und durch die monotone Darstellung der einzelnen Holzhütten kann Regisseur Stefan Ruzowitzky die traurige, bedrückte und bedrohliche Atmosphäre steigern. Dieser leistet im Übrigen hervorragende Arbeit und liefert den besten österreichischen Film seit langem.
Im Film wird die Gewalt der KZ-Wächter relativ unverblümt dargestellt. Doch die sadistische Gewalt der Aufseher wird überaus erschreckend und negativ dargestellt, wodurch diese Art der  Darstellung natürlich auf jeden Fall gerechtfertigt ist.

"Lieber morgen ins Gas als heute sinnlos erschossen werden. Ein Tag ist ein Tag."

Die Darsteller sind wirklich gut. Vor allem Hauptdarsteller Karl Markovics beweist sein Talent. Nachdem er hauptsächlich durch Fernsehserien und Fernsehfilme in Erscheinung treten konnte, ist er hier erstmals in einer Hauptrolle in einem Kinofilm zu sehen und meistert diese Aufgabe überraschend gut. Seine Darstellung ist kalt, gefühlsarm und brilliant. Allein optisch passt er hervorragend in die Rolle des Fälschers. August Diehl ist in der Rolle eines weiteren Fälschers zu sehen. Er spielt Adolf Burger, auf dessen Aufzeichnungen der Film basiert. Burger selbst war beim Dreh anwesend. Diehl spielt diesen im Übrigen sehr gut und stellt ebenfalls sein Talent unter Beweis. Er spielt den jungen Rebellen hervorragend und wird meiner Meinung nach schnell in die europäische Elite aufsteigen. Die übrigen Darsteller, vor allem die der Aufseher sind hervorragend.
Regisseur
Stefan Ruzowitzky bekam für "Die Fälscher" den Oscar und konnte damit in die europäische Elite einsteigen. Er kann den Film wirklich gut umsetzen, wobei mir vor allem der schnelle Schnitt und die Kulisse überaus gut gefällt. Nach dem überaus gelungenen "Anatomie" stellt er erneut sein Talent unter Beweis, vermutlich ist es nur eine Frage der Zeit, wann er in Hollywood mit seinem ersten Projekt betraut wird.

"Nur wenn wir überleben, haben wir sie besiegt."

Fazit:
"And the Oscar goes to ....Austria" hieß es erstmals in der Filmgeschichte. "Die Fälscher" machte dies möglich und der Film hält auch größtenteils, was er verspricht. Die Charaktere sind gut konstruiert und ihre Schicksale emotional dargestellt. Durch die Kulisse und die hervorragenden Darsteller ist die Atmosphäre sehr betrübt und durch den schnellen Schnitt ist sie darüber hinaus sehr gespannt. Der Unterhaltungswert ist hoch und vor allem gegen Anfang ist der Film sehr spannend. Zum Meisterwerk fehlt dem Film aber einfach die Größe, er ist nicht monumental und gewaltig genug, was nicht zuletzt auf die schwache Musik zurückzuführen ist, außerdem nimmt er zum Ende hin an Fahrt ab. Alles in allem ist der Streifen aber überaus sehenswert.

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