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Manchmal ist es wirklich amüsant, wenn man sieht, was die Emanzipation alles hervorgebracht bzw. möglich gemacht hat. Man nehme die Videospielwelt. "Dead or Alive". Da wären unter anderem mit dicken Titten und wohl geformten Ärschen ausgestattete Frauen, die Männer aufs übelste verpflügen und kräftig am Klischee des überlegenen Y-Chromosoms rütteln. Das war noch die Zeit bevor die virtuelle Lara Croft manchen pubertierenden Jungs feuchte Träume bescherte. Die Vermenschlichung der computeranimierten Adventure-Sexbombe durch Angelina Jolie war dann der Höhepunkt, im wahrsten Sinne des Wortes. Die Welt ist schon irgendwie verrückt und wenn es um die Umsetzung von Videospielen ins Filmformat geht, ist in der Regel Dr. Boll nicht fern. Ein klarer Fall - der nächste Bollshit. So kann man sich irren, sich selbst zu ernst nehmende Grütze bleibt der Welt erspart, stattdessen führt Corey Yuen bei "Dead or Alive" Regie. Lange Rede kurzer Sinn: ready….fight!

Die Story darf man dabei getrost vernachlässigen, schließlich geht es um Schauwerte und pure Action - den Fights in Reinform. Überall, auf der ganzen Welt. Erfreulicherweise macht man auch keinen Hehl, dass Nonstop Nonsense folgen wird. Rasant geht es zum Kampf. Prinzessin Kasumis (Devon Aoki) Trauer um den vermeintlich toten Bruder hält sich in Grenzen, voller Tatendrang nimmt sie am Turnier teil, in der Hoffnung ihn dort zu finden - "DOA" ruft - you are invitided. Da hebt sie schnell ab, futuristisch, alles andere als real wirkend über eine Horde von Leibwächter am gigantischen Tempel, der so knallbunt steril aussieht, dass man förmlich das demonstrative CGI-Etikett sucht. Danach der Schnitt zur amerikanischen Pro-Wrestlerin Tina (Jaime Pressly), die plakativ lässig eine Horde Piraten vermöbelt und dabei ganz cool ihre weiblichen Reize zur Schau stellt. Die Ami-Tussi im landesfarbenen Bikini und den Namen Armstrong tragend. Herrlich. Dafür gibt es zehn Emanzipations- und Klischeepunkte, es fehlt eigentlich nur noch, dass sie im Überdruss die "Baustelle Mann" erklärt, wie es ja heutzutage manch eine Moderatorin, die sie sich Kraus nennt, verallgemeinernd mit Überlegenheits-Gehabe versucht. So dumm das ist, darauf lässt sich nicht einmal "Dead or Alive" ein. Stattdessen wird die dritte im Bund vorgestellt. Christie (Holly Valance), eine schmucke Meisterdiebin, die, wie könnte es anders sein, gleich am Anfang halbnackt zeigt, wie cool-sexy man am Arsch klebende Cops reihenweise verprügelt. "DOA" ruft. Das Turnier, bei dem die besten Kämpfer aller Disziplinen aufeinander treffen. Der Sieger ist der Herr - wie konnte ich nur - die Frau der Welt. Zehn Millionen Dollar Preisgeld winken obendrauf.

Nun geht es los, alle Teilnehmer sitzen im Flugzeug und fliegen dem großen Showdown auf einer mysteriösen Insel entgegen. Der Betrachter fliegt gerne mit, denn Trash vermittelt doch auch irgendwie so einen herrlich unbeschwerten Eindruck. Turniertechnisch geht es um viel, aber filmisch um sehr wenig - aber das Minimale ist unterhaltsam komprimiert in nicht einmal eineinhalb Stunden Laufzeit.

Genau genommen ist der zentrale Punkt eine Prügelorgie, die man(n) schlucken muss, wenn die Ladys auftrumpfen. Das nimmt man(n) aber gerne in Kauf, denn die Hauptdarstellerinnen samt Kampfkünste sind nett anzusehen. Da wird gewirbelt, geflogen, geklotzt, naiv-dumm geprotzt und nicht mit Reizen gegeizt. Das ist doch was, falls die Lust am Nachdenken fehlt und das sanfte Berieseln Vorrang hat.

Störende Nebenaspekte, wie eine langweilige Verschwörung kann man problemlos ignorieren. Styles makes fights. Eine gewisse Stilsicherheit darf man "DOA" zweifelsohne bescheinigen, denn Yuen bleibt im Prinzip seiner von Anfang an eingeschlagnen Richtung treu. Stumpfsinn bleibt Stumpfsinn, man gibt dem Ganzen keinen besonderen Wert. Die Kämpfe sind überzeichnet in Videospielmanier, die Frauenpower ist plakativ aufgesetzt und die Klischees sind eben Klischees. "Dead or Alive" ist eine aufrichtig dumme Videospielumsetzung - dafür erhält man natürlich keinen Preis, aber Trash kann mitunter auch bis zu einem gewissen Grad unterhaltsam sein. (5/10)

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