DOA – Dresche ohne Anspruch
Eigentlich immer, wenn ein Prügelspiel von der Konsole auf die Landwand gebracht wird, darf man nichts anderes als puren Trash erwarten. Das war bei „Mortal Kombat“ so, bei „Streetfighter“ noch schlimmer und findet mit „Dead or Alive“ die neue Untergrenze einer hirnlosen Story. Es geht einzig um Schauwerte und die finden sich mit einigen halbnackten Kampf-Amazonen und schnellen Fights in Hochglanz-Optik.
Eigentlich geht es ja nur um das Kampfturnier auf einer Südseeinsel, zu dem Eric Roberts (wir ahnen bereits den Plot Twist) die jeweils Besten ihres Stils eingeladen hat.
Damit man aber die drei Heldinnen zuordnen kann, werden diese hübsch nacheinander in Videoclipästhetik vorgestellt.
Prinzessin Kasumis Bruder soll tot sein, sie glaubt´s nicht, will ihn suchen, Flucht vor der Wache, - Einladung zum Turnier.
Tina auf ihrer Yacht, Fieslinge wollen sie ihr wegnehmen, sie kickt alle über Bord, - Einladung zum Turnier.
Christie wird nach ihrem letzten Raub von Cops aufgesucht, sie kickt alle weg, - Einladung zum Turnier. Die Einladung erfolgt jeweils durch eine Art Wurfstern mit Inschrift, die Heldinnen wissen jedenfalls Bescheid.
Damit haben wir unsere Herzteilnehmerinnen mit all ihren Emotionen, Sehnsüchten und Ängsten kennen gelernt, damit man im Verlauf mitbibbern, heulen oder tiefe Betroffenheit äußern kann.
Ups, vergessen, es ist ein Computerspiel und die Figuren bleiben als solche lediglich nett ausgestattete, für die Leinwand überstilisierte Fighter ohne Seele. Schade auch.
Da ich mich diesem Trash jedoch sehr bewusst mit kompletter Reduzierung sämtlicher Hirnaktivitäten genähert habe, funktioniert er auf visueller „Gib mir mehr“ – Ebene recht gut.
Im Prinzip wirkt das Ganze wie ein Dauerwerbespot für eine Creme gegen Zellulitis und überzeugt insofern mit hübsch anzusehenden Damen. Ist doch nett, wenn Holly Valance während einer körperlichen Auseinandersetzung mit den Cops noch Gelegenheit findet, sich gut getimt ihren BH überzustreifen. Oder wenn diese sich später mit Sarah Carter im Wasser prügelt, während Tropfen in Zeitlupe von ihren makellosen Gesichtern fallen. Hochglanz-Ästhetik pur.
Na, und wenn Kampfszenen zur Präsentation halbnackter Körper eben nicht ausreichen, streckt man die Laufzeit mit Beachvolleyball, - in noch knapperer Bekleidung.
Dazu ist die Ausstattung richtig quitschbunt, das Reich der Prinzessin wirkt so surrealistisch steril wie Barbie-Wunderland und bei den zahlreichen Fights fließt nicht ein Tropfen Blut. Nicht einmal, als sich Sarah Carter mit dem Schwert gegen etwa 50 Wächter des Bösewichtes erfolgreich zur Wehr setzt. Die Kulisse in Form einer langen Treppe bleibt unbefleckt, wie frisch gebohnert.
Aber die Kämpfe an sich bieten ordentliches Tempo und visuell alles, was Regisseur Corey Yuen in seiner (Computer)Kiste finden konnte. Variable Kameraeinstellungen, Slow- Motion en masse, Zoom In mit den bekannten Whoosh-Sounds unterlegt, zudem schnelle Schnitte innerhalb des Wirework Spektakels. Denn, auch das muss man leider feststellen, so wirklich spektakulär choreographiert wurden die Kämpfe nicht. Die Moves bleiben recht eindimensional, es mangelt gänzlich an Härte und lediglich die Auseinandersetzung während des Showdowns bietet ein wenig Einfallsreichtum, wenn man sich über einem Abgrund befindet und mit Leitern, Ketten und Seilen hantiert, während nur drei Minuten bleiben, bis die ganze Insel explodiert.
Mal gut, dass diverse Kämpfe die Situation dominieren, denn alles außerhalb ist hundertprozentiger Schwachsinn. Die nicht wirklich talentierten Darsteller seiern sich um Kopf und Kragen, diverse Love Interests der Damen interessieren überhaupt nicht und die Story mündet in der Phantasie eines Computerbenutzers auf Grundschulniveau.
Durch implantierte Nanoroboter soll Kampfwissen für zahlungsfähige Kunden zum Download bereit stehen. Ja sicher, in den nächsten Tagen mülle ich meine Festplatten mit dem Wissen von Einstein zu und wer nicht soviel Kapazitäten frei hat, wählt Paris Hilton. Das ist dann ein JPG mit 500 KB, auf dem nur „Scandal“ steht.
Aber so funktioniert Trash, bloß nicht nachdenken und sich immer schön berieseln lassen.
Naive Unterhaltung fürs Auge.
Das macht allerdings auch nur Freude, wenn man sich in der angemessenen Stimmung dafür befindet. Denn dann wird einem kurzweiliger Blödsinn präsentiert, der zügig in die Pötte kommt und mit einer aalglatten Optik überzeugt.
Brauchbar für alle, die Trash, Action und eine hohle Story einigermaßen schadensfrei überstehen können,
6 von 10