DOA - Dead ob alive… So lautete der Titel eines Beat‘em up-Games, das hauptsächlich dazu zu dienen schien die Fähigkeiten der seiner Zeit neu herausgekommenen Playstation 2 zu demonstrieren. - Entsprechend gestaltet ist das Spiel auch. Die Gewichtung lag offenkundig auf optischen Reizen. Die Graphik war für damalige Verhältnisse fulminant, die Arenen so detailverliebt wie episch weitläufig und eine in diesem Genre nie gekannte Anzahl an wohlgeformten Amazonen eiferten um die Gunst des Gamers. Alles gut und schön. - Ihrem Produkt eine Seele zu verleihen vergaßen die Machen dabei allerdings bedauerlicherweise. Die Charaktere und ihre mit schon wenigen Zeilen beendeten Lebensgeschichten motivierten nur marginal, zumal die Chars durchweg blaße Stereotypen vom Reißbrett waren, die ohne jedes individuelle Charisma daherkamen. Nichtsdestotrotz war die Spielereihe durchaus erfolgreich, und so sehen wir uns folgerichtig auch nun mit der Hollywoodversion dieser “Graphikgags- und Tittenshow” konfrontiert.
Und es handelt sich, schon wie beim Game als Solchem, wieder um ein Kunstprodukt, nicht geschaffen weil man eine gute Idee hatte, die man umsetzen wollte, sondern schlicht um die Fließbandmäßige Vermarktung eines Titels. Regisseur, Akteure, Storywriter… Der gesammten Cast merkt man an, dass das hier für sie nur ein Job von vielen war und die daraus resultierende Geistlosigkeit dieses Streifens wirkt auf mich fast erstickend. Man muß den Machern immerhin zugute halten, das sie eine maue Vorlage hatten. Visionäre Menschen vom Schlage eines Tarrantino hätte das aber wohl beflügelt, denn wo die Vorlage dünn ist, da bleibt Raum für kreativen Ausbau. Den Machern dieses Werkes war solches aber offensichtlich nicht gegeben. Sie halten sich fast schon sklavísch an die dünnen Plots der Spielcharaktere, bauen diese nicht auch nur um eine Nuance aus, und halten sich auch sonst mit so abgelutschten Stlelementen des Genres schadlos, das es eine Schande ist.
Exzessiver Wire-Einsatz gehört hier natürlich genauso zum Grundinventar wie die dieser Tage schon obligatorischen, streichholzarmigen Kampfhennen (Die zwar optisch was hergeben aber die Glaubwürdigkeit und Kampfkraft bewegt sich durchweg auf dem Niveau eines Florian Silbereeisen). Einfallsloseste Kampfchoreographie vom Charakter “Aus dem Reiche jenseits der Gravitation und jedweder Logik sowie Realitätsnähe” beleidigen das Auge, zudem in 90% der Fälle performed von Menschen, die offensichtlich nicht mehr als ein paar Stunden ihres Lebens mit Kampfsport verbracht haben. Ja, es wird schlicht alles getan, um möglichst comichaft zu erscheinen und jeden Anflug von Glaubwürdigkeit schon im bloßen Keim radikalst zu ersticken: Keine Stäubchen trübt die Antlitze und Kleidung der Recken, egal wie heftig und in welcher Umgebung der Kampf auch tobt. Unnötig zu erwähnen, dass dem Rating zu liebe die gebotene "Action" zudem so brutal ausfällt wie ein Sonntagskaffeekränzchen bei Omma. Fast scheint es, als wolle der Regisseur uns mit der Nase darauf stoßen, dass er in diesem Sektor so fehl am Platze ist wie Uli Hoeneß auf einem Intellektuellenkongress.
Die Storyline folgt dann lediglich noch passend dem bereits beschriebenen Gesamtbild, an Einfallslosigkeit kaum zu überbieten. Aber was ist angesichts der sich uns hier darbietenden Tragödie schon noch groß kaputtzumachen. Die ganze Sache geht also (Oh, Überraschung!) folgendermaßen ab: Böser Tunichtgut richtet Kampfturnier aus. So weit, so gebräuchlich in diesem Genre. Reichlich unglaubwürdig wirkt jedoch, dass der Bösewicht dabei darauf besteht, die Kämpfe zu jeder Zeit, in jeder Situation anzusetzen. Will heißen, egal ob der Kämpe gerade an der Matratze horcht oder den Lokus besucht: Jederzeit kann im ein herbeizitierter Opponent die Faust in die Kauleiste ballern. - Somit wird das Turnier abseits jeder Konvention zu einer Exklusive-Entertainment-Show für den bitterbösiglichen Endboss. Ohne jegliches Publikum, was der Stimmung zusätzlich abträglich ist.
FAZIT:
DOA präsentiert sich als Fließbandprodukt ohne Seele und Verstand sowie Gefühl für das Genre, dass selbst bei wohlwollendstem Herangehen derart konstruiert und künstlich wirkt wie ein Stück Plastik. Die Storyline ist eine schiere Beleidigung gegen den menschlichen Intellekt, die Choreographie selbst für Actionfans soweit ab jedweder Realität, dass jedem Martial-Arts-Fan konstant abwechselnd die Lach- und Wuttränen in die Augen treten. Selbst als “einfaches Popcornkino” kann man diesen Murks ohnegleichen nicht mehr entschuldigen. Denn er unterhält nicht, er dauert… - Im finalen Schluß eine unsagbare Verschwendung von Zelluloid und Lebenszeit an der nicht einmal der hartgesottendste Trashfan Gefallen finden kann...