Billy Costigan (Leonardo DiCaprio) knabbert hart an seiner Herkunft, denn seine Familie ist voll von kriminellen oder irgendwie verkommenen Individuen. Deshalb machen ihn Dignam (Mark Wahlberg) und Oliver Queenam (Martin Sheen) zum Undercover-Agenten. Jetzt liegt es an Billy, sich beim Gangsterboss Costello (Jack Nicholson) einzuschleichen, was er mit ruppigen Methoden erreicht. Doch auch Costello hat seine Schweinchen: Colin Sullivan (Matt Damon) kraxelt recht zügig die Karriereleiter bei den Cops empor und hält Costello dabei immer schön fleißig den Rücken frei. Natürlich bemerken sowohl die Gangster als auch die Cops, dass Maulwürfe in ihren Reihen sind und beginnen schon bald mit der Sucherei. Billy und Colin haben aber neben ihrem ähnlichen Auftrag noch eine andere Gemeinsamkeit: Beide stehen auf die Psychiaterin Madolyn (Vera Farmiga).
Erst 2002 kam das HK-Original "Infernal Affairs " raus und konnte selbst schon mit bekannten HK-Stars wie Andy Lau, Tony Leung, Eric Tsang und Anthony Wong aufwarten. Diese machten ihren Job auch ziemlich gut; dazu war auch in visueller Hinsicht alles einwandfrei. Wozu also ein Remake? Warum kann man im Land der unbegrenzten Möglichkeiten nicht auch mal was ausländisches annehmen? Man könnte diese Unart ja schon fast als Rassismus deuten. Andererseits ist es vielleicht die Art der Amerikaner, guten, ausländischen Produktionen Tribut zu zollen. Und immerhin hat sich Martin Scorsese dem Stoff angenommen, was ja irgendwie für gewisse Qualität bürgt. Und mit "Departed" beweist er auch tatsächlich, das die superbe Geschichte auch im Remake noch nicht vollständig ausgelutscht ist.
Damals, im entfernten Jahre 2002, war der Stil noch sehr kühl und trocken, fast schon steril, so dass die Tiefsinnigkeit der Protagonisten schon fast als Kontrast zur Optik herausstach. Diesmal sind die Protagonisten (namens Billy und Colin) natürlich immer noch super tiefsinnig und so, doch der gesamte Stil ist heruntergekommener und dreckiger. Es ist halt keine asiatische Großstadt mehr wie Hong Kong, sondern ein irisches Viertel in Boston, in dem die Gangstermär stattfindet. Irgendwie wirkt das Ganze auch etwas unspektakulärer; gerade als der Big Boss Costello am Anfang in ein kleines Restaurant an der Ecke spatziert und persönlich (!) abkassiert, muss man doch ein bisschen an seinem Status Zweifeln. Später machen aber Transaktionen mit hektischen Chinesen klar, das Nicholson doch einen großen Fisch spielt. Das Setting geht also soweit in Ordnung, auch wenn es nicht so superwichtig wie beim Original daher kommt.
Auffällig ist aber, dass Scorsese sich verdammt viel Zeit zur Charakterentwicklung und -Darstellung lässt. Alleine der Anfang ist erstaunlich detailliert, während in Hong Kong einem die Vorgeschichte im Eiltempo reingeprügelt wurde. So wird zum Beispiel der Aufbau der Beziehungen zwischen Colin und Costello hübsch nachvollziehbar gestaltet. Ob Colins Verhalten später dadurch aber an Glaubwürdigkeit gewinnt, will ich anzweifeln. Denn wer bringt schon seine Vaterfigur um? Ups, das war wohl ein Spoiler... naja. Im weiteren Verlauf erscheint die hochambitionierte Charakterdarstellung sowohl Billys als auch Colins beinahe schon zu plakativ und nimmt dem Film ab und an das Tempo bzw. die Dramatik. Was der Story auch dezent auf den Fuß fällt, ist die Tatsache, dass die Sympathien zu den beiden Protagonisten nicht gleich gewichtet sind. Colin verkommt zu häufig zur Hassfigur; die Dramatik, die aus dem Druck Costellos auf ihn und seiner Situation als Spitzel resultiert, rüttelt zu keiner Zeit an dem schlechten Bild, das der Zuschauer sich im Laufe des Films zusammenbastelt. Man ist emotional viel stärker in Billys Lage integriert, der an seinem "Verdeckter Ermittler"-Dasein zu ersticken droht. Da er als Good Guy dasteht, kommt das Geschehen irgendwie einseitig daher. Die Tatsache, dass beide Knilche um dieselbe Frau buhlen, ist da durchaus ein probates Mittel, der Story mehr Pepp zu geben. Insgesamt leidet die Spannungskurve trotzdem an der zu ausufernden Charakterdarstellung; im Endeffekt profitiert sowieso nur Billys Figur von dieser Tatsache.
Inszenatorisch kann man ansonsten nicht wirklich meckern: Boston wird toll eingefangen von gelungenen Kamerafahrten und stimmigen Ausleuchtungen bei Innenaufnahmen. Zu erwähnen ist hier zum Beispiel die stimmungsvolle Einführung Costellos, der erstmal stets im Schatten gezeigt wird. Der Moment, in dem er ins Licht tritt, erlangt durch dieses Stilmittel viel mehr Tiefe. Dazu trällern meisten noch bekannte Lieder aus den Boxen; Aushängeschild ist ein Stones-Song. Obwohl der sonstige Score nicht übermäßig einprägsam ist, stimmt die Harmonie von Ton und Bild.
Die Besetzung wird dem Remakestatus des Films gerecht: Die HK-Stars machen Platz für namenhafte Äquivalente aus den Vereinigten Staaten. Am beeindruckendsten ist hierbei der momentane Lieblingsdarsteller Scorseses DiCaprio, der seiner Figur eine derart überzeugende Tiefe und Brisanz verleiht, dass hierdurch durchaus die eine oder andere Schwäche im Script kompensiert wird. Daneben war auch Mark Wahlberg ganz toll. Er hat hier wirklich spritzige Dialoge abbekommen und entfaltet eine mehr als positive Dynamik. Nicholson spielt hingegen arg überdreht, vielleicht stellt er auch sich selbst dar oder so, insgesamt hat mir seine eigene Art, wie er Ratten nachmacht und Augenbrauen alternierend hochzeiht, doch gut gefallen. Er läuft Eric Tsang, der den Gangsterboss im Original darstellte natürlich auch locker den Rang ab. Ganz im Gegensatz zu Alec Baldwin, der anscheinend nur wegen seiner äußeren Ähnlichkeiten zu Anthony Wong ausgewählt wurde. Seine Leistung ist aber routiniert und stellt mich zufrieden. Auch Martin Sheen ist in Ordnung. Ansonsten kann ich mich nur etwas an Matt Damon stören. Wer "Team America" gesehen hat, weiß, was ich meine. Naja, sooo schlimm ist es auch nicht; irgendwie ist er aber schon etwas plump. Ab und zu. Zusammen mit Affleck oder Potente kommt er eindeutig besser rüber.
"Departed" ist durch und durch ein Remake, daran ändert auch Scorsese nichts. Es sind einfach zu viele Szenen direkt übernommen. Doch wie heißt es so schön: "Besser gut geklaut, als schlecht selbst gemacht!", oder so. Ist ja auch egal, wie dieses Sprichwort geht, denn worauf es ankommt, ist doch, dass dieser Streifen zwar anders, aber dennoch ziemlich gut ist. Scorseses Stil überzeugt, DiCaprio spielt toll und Wahlberg ist abartig cool. Ansonsten wird sich zu sehr an den tiefsinnigen Charakteren aufgegeilt, was einige flachbrüstige Längen aufkeimen lässt. Wer das Original nicht kennt, wird von der spannenden Story geblendet über diese Mankos hinwegsehen können.