Er kann es also doch noch und wie. Altmeister Martin Scorsese liefert mit Departed hier mal einfach so den besten Film des Jahres ab und meldet sich eindrucksvoll zurück.
Meine Erwartungen waren dank den beinahe nur positiven Kritiken ( mal abgesehen von denen die Remakes aus Prinzip schlecht finden) sehr hoch und sie wurden erfüllt. Zuächst einmal kenne ich das Original nicht und werde mich diesbezüglich auch nicht äußern, aber ich kann mir nicht vorstellen das es mit Scorseses Film mithalten kann. Denn der Film wird in Martys Filmografie wohl nur noch von den persönlicheren Filmen Raging Bull und Taxi Driver übertroffen.
Schon großartig ist der Beginn, in der eine geniale Kamerafahrt in ein Lokal zu sehen ist, man Nicholsons Stimme hört und das tolle Lied " Gimme Shelter" von den Rolling Stones dazu gespielt wird. Doch das ist nur der Anfang. Über 150 Minuten gelingt es Scorsese den Zuschauer zu fesseln, dabei ist er absolut in Topform und überrascht sein Publikum immer wieder, wie in seinen besten Zeiten. Humorvolle Szenen wechseln sich im Sekundentakt mit Gewaltausbrüchen ab. Man fühlt sich im Kino genau wie die Charaktere im Film eben zu keiner Zeit sicher oder gar entspannt. Departed sollte auf jeden Fall im Kino gesehen werden, weil dort vor allem die wuchtigen Waffensounds erst so richtig wirken wie sie eigentlich sollen.
Dabei muss ich sagen das ich den Film an manchen stellen wirklich witzig fand, was ich vorher nicht gedacht hätte. Insachen Gewalt ist man bei Martin ja schon einiges gewohnt und in diesem Punkt stellt Departed auch keine Ausnahme dar.Im Mainstreamkino mit einer Freigabe ab 16 wird man heutzutage nicht viel vergleichbares im Kino finden.
Die formellen Qualitäten des Films sind wirklich ausgezeichnet. Egal ob Ballhaus Kamera, Schoonmakers Schnitt oder die ausgezeichnete Musik ( vor allem das Lied " I`m shipping up to Boston" ist der Hammer), alles ist beinahe perfekt. Doch der Film ist in erster Linie vor allem grandioses Schauspielkino. Mit ausnahme von Matt Damon hat Scorsese ein durchgehend überragendes Ensemble auf Lager. Di Caprio liefert hier wohl die beste Leistung seiner Karriere ab und hat mich endgültig von seinen Qualitäten überzeugt, verdammt gute Leistung seinerseits. Sheen und Baldwin sind ebenfalls ausgezeichnet besetzt und die unbekannte, einzig nennenswerte weibliche Darstellerin ist auch gut. Damon fällt wie gesagt für mich da doch aus der Reihe ist aber auch nicht gerade schlecht, ich werde ihn nur niemals mögen. Die beiden Highlights des Castes sind aber wie zu erwarten Jack Nicholson der wieder mal unglaublich genial agiert und Mark Wahlberg der die coolste Sau im ganzen Film verkörpert.
Fazit: Scorsese holt das Maximum aus der Story heraus und seine Regie pusht die Darsteller zu Höchstleistungen. Durchweg spannend, knallhart, realistisch und überraschend.
Ein echter Scorsese eben und wie schon erwähnt der für mich beste Filme des Jahres 2006.
9,5/10