Review

Es entspricht mittlerweile zum guten Ton in Hollywood, asiatische Filme zu remaken. Üblicherweise handelt es sich hierbei um Horrorfilme aus Japan (Ring) oder schwungvollen Komödien für Erwachsene (Shall we dance).
Gangsterfilme bilden da eher die Ausnahme.

Infernal Affairs jedoch ist ein derart gelungenes Exemplar des asiatischen Gangsterfilmes, der derart grandios in Szene gesetzt wurde, dass er sogar beim westlichen Publikum ohne irgendwelche Beanstandungen grandios ankam.
So verwundert es denn auch nicht, dass Hollywood unbedingt diesen Erfolg auf dem westlichen Planetenteil für sich beanspruchen wollte. Es gibt ja nach wie vor nicht wenige Menschen eurasischer Abstammung, die kein Bock haben, sich einen Film mit Schlitzaugen anzuschauen, weil sie denken, es wäre ein popeliger Kung-Fu-Film mit Herrz-raus-reißen und so....

Nun, es ist nicht gerade einfach einen solchen Film wie Infernal Affairs zu remaken, wenn man Hollywood ist. Denn Hollywood neigt nun mal dazu, vieles was nicht massenkonform ist, für seine Zwecke zu biegen. Diese Gefahr ist vor allem beim äußerst fiesen Finale von Infernal Affairs mehr als nur vorhanden.
Doch wie ist nun die Umsetzung?

Zumindest von der Papierform her durfte man sich aber auf ein richtig großes Kaliber freuen: Martin Scorsese führt Regie, Michael Ballhaus steht hinter der Kamera, Jack Nicholson, Leonardo DiCaprio, Matt Damon, Alec Baldwin, Martin Sheen und Mark Wahlberg vor der Kamera.
Und um es vorweg zu nehmen: Das ist der seit Jahren beste Film von Scorsese, richtig großes Kino, ganz große Schauspielkunst und großes Remake.

Eins nach dem anderen:
Die Story ist einfach nur grandios, da kann man mit der richtigen Crew eigentlich nichts falsch machen (d.h. es niemals völlig in den Sand setzen), und bei diesen Namen kann man davon ausgehen, dass es sich um die richtige Crew handelt.
Die Grundstory wird beibehalten, von Hong Kong nach Boston verlagert, die Handlung wird von etwa 90 Minuten auf knappe 2-1/2 Stunden gestreckt, mehr wert auf Charakterentwicklung gelegt und vor allem Jack Nicholson hat mehr als nur einmal die Chance völlig zu glänzen.
Auch DiCaprio spielt einmal mehr richtig gut, selbst der von mir als absolut überschätzt angesehene Matt Damon weiß zu überzeugen.
Die Regie von Scorsese ist natürlich wie immer großartig, wobei er sich diesmal was seinen Soundtrack angeht, teilweise angenehm zurück nimmt.
Und nun zum Finale des Films:
Die Befürchtung des geneigten Zuschauers, ein allzu konventionelles abgeändertes Ende vorgesetzt zu kriegen, löst sich in Luft auf. Ähnlich kompromißlos und hart wie im Original findet auch Departed sein Ende.
Dazu später mehr....

Um es auf den Punkt zu bringen: Kennt man das Original nicht, ist dies ein fast perfekter Gangsterfilm, der ganz oben in der Gangsterfilmliga mitspielen kann.
Leidergottes kenne ich ja das Original, daher hier mal ein Vergleich der beiden Filme:

1. Die Darsteller:
DiCaprio ist die Idealbesetzung für seine Rolle, Damon spielt seine Rolle ähnlich unterkühlt wie der Originaldarsteller, und Jack Nicholson ist einfach nur genial. Eigentlich gibt es an der Gesamtbesetzung rein gar nichts auszusetzen.

2. Die Charakterliche Entwicklung
Auch hier steht das Remake dem Original in nichts nach, ist sogar besser, da man wirklich eine Entwicklung aller Figuren ausmachen kann.
Einziger Makel hier, den ich ausmachen kann: Matt Damons Charakter hat ja offensichtlich auch genug von seinem Maulwurfsjob und möchte sich endlich auf der richtigen Seite wiederfinden, je läönger der Film dauert, desto zögerlicher wird er, was üble taten betrifft. Im Original wird diese Entwicklung richtig forciert, im Remake stagniert Damons Charakter und verübt skrupellos eine Übeltat nach der anderen, um seine Haut zu retten, während im Original diese Zweifel zumindest immer sichtbarer werden.

3. Die Dreiecksbeziehung
Gibt es im Original nicht!!!
Mehr noch: Mehr als andeuten gibt es im Original gar keine Beziehung zwischen Psychiater und Patient, und die paar Szenen, die es im Original gibt, prickeln nur so voller unterschwelliger erotischer Spannung.
Matt Damons Charakter kennt die Psychiaterin im Original beispielsweise gar nicht und ist mit einer völlig anderen Person zusammen.
Dies ändert am Gesamteindruck des Films eigentlich nicht viel, macht Departed aber in gewisser Hinsicht doch wieder etwas gewöhnlicher, dadurch, dass hier auf Teufel komm raus gezeigt werden will, dass beide Charaktere vielleicht die zwei seiten derselben Medaille sein könnten. Außerdem erhöht das so "anscheinend" den dramatischen Aspekt.

4. Das Original in drei Teilen
Departed braucht keine zwei Fortsetzungen, da es sich an allen drei Teilen von Infernal Affairs bedient und so in sich geschlossen bleibt. Infernal Affairs 1 ist an und für sich zwar auch in sich geschlossen, jede Fortsetzung von Infernal Affairs war aber von den Vorfilmen anhängig gewesen.
So ist Mark Wahlbergs Figur beispielsweise entfernt eine Figur aus dem dritten Teil, das erste Drittel von Departed deckt ungefähr den zweiten Teil von Infernal Affairs ab und der Rest ist fast 1:1 die amerikanische Umsetzung des ersten Teils.

5. Die 1:1 Umsetzung
Sehr viele Szenen haben eine fast 1:1-Umsetzung erfahren, mit leichten Variationen, manche gut gelungen, manche weniger gut. Was hierbei im Vergleich mit dem Original besonders positiv auffällt, ist die Quasi-Vater-Sohn-Beziehung zwischen Nicholson und Damon.
Viele Szenen versuchen allerdings das Original zu toppen, was jedoch letztendlich zum scheitern verurteilt ist, da die Latte einfach zu hoch hängt, das Original sehr stylisch ist und das Remake ja rauh und wuchtig sein will.
Im Allgemeinen jedoch bleibt festzuhalten, das dies mehr als nur annehmbar gelingt.

6. Das Ende
Natürlich steht und fällt ein Remake mit der Auflösung.
Und Departed steht. Aber das auch nur gerade so, denn er geht nicht soweit sich vom Original entfernen zu wollen und bleibt der Konsequenz des Originals doch schon recht treu, dabei aber einen etwas konventionelleren Abschluß bevorzugend.
Dies macht er jedoch so geschickt, dass man es ihm nicht wirklich übel nehmen kann, bis auf.....

7. Jedoch.... (vielleicht Spoiler???)
Irgendwie fehlt dem Film meines erachtens die Szene, in der die Psychiaterin ihren Umschalg öffnet, den Inhalt liest und dann zum Hörer greift.
Die nächste Szene kann ruhigen Gewissens Mark Wahlberg auftauchen....

Wäre der 7. Punkt so inszeniert worden, dann könnte man sagen: Fast perfektes Remake, fast genausogut -wenn auch leicht anders - wie das Original, so jedoch muß man sagen, dass das Remake zwar auch sehr gut ist, aber einen gewissen Makel hat, vor allem dadurch dass das Ende dann doch wieder ein kleines bißchen zu konventionell wird.
Schade eigentlich, hätte der ganz große Wurf sein können.

8 Punkte

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