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Scorsese hat also endlich seinen Oscar gekriegt. Verdient? Nein, garantiert nicht. Es gibt kaum einen Regisseur, der seit so vielen Jahren überschätzt wird und tatsächlich unfähig ist, einen vollständigen Film abzuliefern.

Immer wieder sieht man dasselbe: Es gibt gnadenlos auf die Fresse, mindestens einmal blutet die Nase des Hauptdarstellers und zum Schluss fehlt das Ende – also der Film hört einfach auf. Zack.
Genau so ist es auch dieses Mal. Zwar ist „Departed“ nicht so langweilig wie „Gangs of New York“ und auch nicht so sinnlos zusammengeklebt wie „Aviator“.

Aber vermutlich liegt das daran, dass es für „Departed“ bereits eine vorhandene Vorlage gab. „Internal Affairs“ - Scorsese hat diesen Ausnahmekrimi aus Hongkong einfach auf Englisch nachgedreht – welch reife Leistung.
Früher hat Roland Kaiser englische Musiktitel auf Deutsch nachgesungen. Amüsant war das auf jeden Fall. Aber internationale Preise hat er dafür nicht erhalten. Dass Scorsese jetzt für diese Masche den Oscar bekommt – das ist schon seltsam. Im Prinzip müsste man erwarten, dass endlich auch Ralph Siegel „seinen wohlverdienten“ Grammy bekommt.

Doch genug der Häme. Ganz so schlecht ist „Departed“ auch nicht und das hat zwei (wenn nicht drei Gründe). Nummer eins: Leonardo DiCaprio. Der spielt in dem Film so gut, authentisch und herausragend, dass man ihm dafür ohne weiteres den wichtigsten Filmpreis geben könnte.
Sein Spiel ist ohnehin grundsätzlich überdurchschnittlich gut (bis auf in „Blood Diamond“) – aber in Departed wächst er noch mal über sich hinaus. Deshalb hier eine kleine Anmerkung an die vielen Möchtegernschauspieler unter uns: Hier bekommt ihr eine Sternstunde der Schauspielkunst geboten! Genau so verleiht man einer Figur Leben!
Der zweite gute Grund sind die guten Bilder, Ballhaus hat mal wieder ganze Arbeit geleistet, der Film ist einfach schön anzuschauen – großes Kino für die Augen.
Als dritten Grund kann man noch die gute Geschichte anführen – aber wie gesagt stammt die Vorlage aus Hongkong und ist da keinesfalls schlechter (nur ganz minimal abgewandelt).

Es geht um zwei junge Polizisten (DiCaprio und Matt Damon) in New York, die denselben Lehrgang absolvieren. Der eine (Matt Damon) wirkt integer und sauber, macht entsprechend Karriere– aber in Wahrheit arbeitet er einem Gangsterboss ( Jack Nicholson) zu. Der Andere dagegen (Leonardo DiCaprio) wirkt schmutzig, ist aber ehrlich und wird von seinen Chefs als verdeckter Ermittler eingesetzt, um den Maulwurf zu enttarnen.
Das Spannende am Film: Die beiden wissen nichts voneinander, sollen sich jedoch gegenseitig ausfindig machen. Dabei spielt vor allem diCaprio seine Angst und Verzweiflung so real, dass man dem Film auch vermeintliche Fehler verzeiht.

Nach dem Lob die Schelte.

Gar nicht geht hier das Ende. Nach all der Komplexität ist so plötzlich und sinnlos Schluß - also genau das hätte man doch verbessern müssen! Weiterhin schlecht ist auch Jack Nicholson. Der geht einem fast die ganze Zeit nur auf die Nerven. Für seine Rolle ist er deutlich zu alt (seine Sexgeilheit wirkt aufgesetzt – der Mann ist schließlich 70(!) und dementsprechend frei von jeglicher Jugendlichkeit …) zu allem Überfluss versucht er dann noch seine fehlende Vitalität durch künstlich aufgesetzte Bösartigkeit zu kaschieren – Ne, das überzeugt gar nicht. Weniger wäre mehr.
Außerdem nervt die manchmal extrem überzogene Fäkalsprache. So viel Schwanz, lutsch, Arsch, etc. wirkt einfach nur bemüht. Dann sollte man es lieber sein lassen. Im Prinzip ist der Film doch intelligent aufgebaut – also was will man mit dieser Scheißhaus-Sprache beweisen?
Doch was soll's, der Film ist insgesamt ganz gut geworden und es lohnt sich, ihn anzusehen.

Der beste Film ist es jedoch nicht. Das waren im Jahr 2006 eindeutig: "Dreamgirls", "Pans Labyrinth" und "Little Miss Sunshine" sowie aus Deutschland: "Emmas Glück".

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