kurz angerissen*
erstmals veröffentlicht: 17.04.2007
Gutes Remake zu einem um Welten komplexeren Hongkong-Thriller, das die Handlung enorm vereinfacht und auf das gegenseitige Katz- und Mausspiel reduziert.
William Monahans adaptiertes Drehbuch, das ebenso wie der Film merkwürdigerweise den Oscar erhielt, verlegt die Handlung ins Gangstermilieu Bostons - und selbstverständlich glückt dieser Griff, denn der ausführende Regisseur trägt ja immerhin den Namen Scorsese. Mit "Departed" kehrt er thematisch endlich wieder zu seinen Wurzeln zurück und die raffinierte Story um Gangsterbosse, Polizisten und Spitzel zwischen den Reihen geht dem Mann, der in Little Italy (NY) aufwuchs, natürlich wie Butter von der Hand.
Wieder mit seinem Musterschüler Leonardo Di Caprio im Aufgebot (eher zufällig, wie beide betonen) versammelt Scorsese eine Garde aus Weltklasse- oder zumindest populären Charakterdarstellern um sich, die dem hervorragenden Cast von "Infernal Affairs" Paroli bieten sollen. Eine ausnehmend starke Leistung legen dabei Di Caprio und vor allem (eher überraschend) Mark Wahlberg an den Tag, der nie so gut war wie hier. Jack Nicholsons manisches Spiel kennt man inzwischen (und liebt es), doch diesmal hat man das Gefühl, er spielt an der Sache vorbei, ist gerade in Hinblick auf eine spätere Handlungspfade fast schon fehlbesetzt. Austauschbar bleibt Matt Damon, der sich stabil, aber im direkten Vergleich mit seinen Kollegen geradezu blass aus der Affäre zieht.
Die Schauspieler scheinen auch Zentrum zu sein in einem charakterdominierten Schachspiel, ohne auch nur einmal die wahnsinnige Intensität im Zusammenspiel von Andy Lau und Tony Leung zu erreichen.
Schlussendlich gibt es genug Variation und dieses Remake spielt in einer ganz anderen Liga als andere Neuauflagen des Jahres 2006 - das war aber auch das Mindeste, was man von Scorsese erwarten konnte. Der erfindet sich nicht neu, hat aber den Stoff sehr gut ausgewählt und seiner eigenen Steppdecke souverän einen neuen Flicken hinzugefügt. Einen Oscar hatte er zweifellos schon lange verdient... aber zu jenen seligen Zeiten hießen die Gangster noch Liotta, de Niro, Pesci.
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