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Wie bringt man Abenteuer unserer Hörspielhelden angemessen auf die Leinwand?
Dass dies kein unmögliches Unterfangen ist, zeigte bereits Ende der 70er die britische Verfilmung von „Fünf Freunde“ und auch die TV-Serie „Ein Fall für TKKG“ konnte Mitte der 80er zumindest die Figuren treffend besetzen und ihre typischen Charaktermerkmale herausarbeiten.
Dabei wäre es gewiss von Vorteil gewesen, wenn man als Regisseur mit den Abenteuern von TKKG aufgewachsen wäre, doch hier ist leider wenig vom Charme der naiven Welt Stefan Wolfs übrig geblieben. Tomy Wigand mag zwar ein ambitionierter TV-Filmer sein, doch man spürt, dass er von der Materie bislang wenig mitbekommen hat.

Daraus ergibt sich dann auch eine ziemlich bekloppte Geschichte über eine Mind-Machine, die einst auch „Deine Lakaien“ besangen.
Um die Erfindung des Schülers Kevin auszutesten, entführen dunkle Hintergrundgestalten drei Kinder aus der TKKG-Stadt. Doch schon bald sind Tim, Karl, Klößchen und Gaby den Entführern auf der Spur.

Um ein Hörspiel einigermaßen adäquat umsetzen zu können, sollte man zumindest die Hauptfiguren sowie deren Eigenheiten kennen und die Typen entsprechend besetzen.
Schließlich kann man ja nicht „Drei Fragezeichen“ verfilmen und Justus Jonas, sorry, Jupiter Jones, durch einem langen dünnen Kerl darstellen lassen.
Ähnlich verhält es sich hier mit der schwachen Besetzung und den oberflächlich zugeschriebenen Charaktereigenschaften.

So ist Tim, früher Tarzan, eigentlich ein ziemlich aufbrausender Kerl, der schnell mal die Fäuste und die Moralkeule schwingen lässt, wovon hier kaum etwas zu spüren ist. Dieser Tim ist ein blasser dünner Typ, der überhaupt nicht auffällt. Schlimmer aber noch die Fehlbesetzung von Karl. Den stellt man sich ja eher groß und dünn mit Brille vor (ähnlich wie in der angesprochenen TV-Serie). Doch hier ist er der Kleinste und trägt hellblonde Scheitelhaare, - auch wenn er durch seine Intelligenz hervorsticht – das ist doch nicht Karl!
Annehmbar besetzt sind letztlich Klößchen, weil dick und Gaby, weil blond, doch mehr Eigenschaften als Schokolade essen und Kontakt zu Papa Kommissar Glockner zu halten, werden auch ihnen nicht zugesprochen.

Mit diesen Typen muss man es dann viel zu lange 117 Minuten aushalten.
Dabei hat die Geschichte als solche auch nicht mehr viel mit Wolfs typischen TKKG-Storys gemein. Normalerweise finden sich da ja rasch die Übeltäter, die vorzugsweise Kowalski heißen, Bier trinken, rauchen und Motorrad fahren. Hier handeln die Bösewichte die meiste Zeit im Hintergrund und sind nicht zu sehen. Insofern hat man es auch nicht wirklich mit einem greifbaren Gegner zu tun, da Erfinder Kevin eher das Opfer der Drahtzieher ist und man im Verlauf Mitleid mit ihm hat.

So laufen dann lange Zeit zwei Handlungsebenen nebeneinander her.
Die eine besteht aus Laborszenen, in denen die Entführten verkabelt und verdrahtet im Behandlungsstuhl sitzen, während Kevin ab und an mit ihnen spricht. Auf der anderen haben wir unsere vier gleichberechtigten Helden, die zunächst einen Reitausflug unternehmen, dann in Kevins verlassenes Heim eindringen (DAS ist zumindest typische Stefan-Wolf-Moral) und den neuen Prototypen einer Mind-Machine vorfinden. Spannend wird das aber erst, als die Gruppe von zwei Motorradfahrern durch den Wald gehetzt wird, oder später im Finale, eine temporeiche Verfolgung in einer Tiefgarage vonstatten geht.

Doch insgesamt hapert es an der Dramaturgie und nur allzu selten finden sich witzige Stellen, die durch die Eigenheiten TKKGs entstehen.
Eigentlich ist ausschließlich Klößchen für die Kalauer verantwortlich, denn da bleiben nur die Szenen bäuchlings auf einem durchgehenden Gaul und die schnelle Fertigstellung des Zauberwürfels nach unfreiwilliger Erprobung der Mind-Machine hängen.

Nun gestaltet sich das zweite Fulltime-Leinwandabenteuer der Vier nicht gänzlich oberflächlich, zumindest nicht für die Zielgruppe der 8 bis 12jährigen.
Denn die Mind Machine soll nicht nur eine Steigerung der Intelligenz bewirken, sondern auch die Psyche eines Kindes heilen, sofern Eltern oder ein Elternteil verstorben sind.
Immerhin geht man noch etwas oberflächlich auf den Umgang mit Verlusten ein und lässt Tim in diesem Zusammenhang über seinen verstorbenen Vater sinnieren.
Ferner fallen noch drei Animationen ins Auge, die zum einen die neurologische Wirkung der Maschine veranschaulichen sollen und zum anderen einen Hackerangriff durch Karl auf einen Verdächtigen ausschmücken. Letzteres ist zumindest phantasievoll ausgefallen, wenn sich ein lebendig gewordener Trojaner gegen ein Antivirenprogramm durchzusetzen versucht.

So lebendig hätte ich mir den kompletten Streifen gewünscht, doch leider bewirken auch die Darsteller keine positive Beeinträchtigung.
Den Jungdarstellern will ich da gar nicht so viel vorwerfen, die können ja noch dazu lernen und bei einer überdeutlichen Aussprache demnächst auf Begriffe wie „niedlig“ statt niedlich verzichten und lockerer werden.
Doch Jürgen Vogel schießt hier meines Erachtens selbigen ab, denn so hölzern hat man den eigentlich begabten Typen selten erlebt. Zudem ist er als Kommissar Glockner absolut fehlbesetzt, viel zu jung, viel zu launisch. In der Serie gab den Edgar Bessen, was der Hörspielfigur schon verdammt nahe kommt und eher den Erwartungen entspricht.
Besser und glaubwürdiger agiert da Ulrich Noethen als dubioser Vertrauenslehrer, dem man seine Figur voll und ganz abnimmt.

Letztlich muss auch zum Score noch ein Wort gesagt werden. Der instrumentale Anteil geht zwar absolut in Ordnung, passt sich dem Geschehen an und klingt für sich variabel und wohlklingend arrangiert.
Doch diese saudämlich aufdringlichen Hip-Hop Songs inmitten des Geschehens sollen wohl trendy sein, doch einerseits versteht man kaum ein Wort vom Text und andererseits crasht das so richtig mit dem biederen Geschehen. Bezeichnend für den kompletten Streifen: Hier passt nichts so richtig zusammen, kaum etwas erscheint rund.

Ganz am Ende bin ich jedoch nur mäßig enttäuscht, woran liegt das?
Nun, wer mit vielen Hörspielen aufgewachsen ist, macht sich die Titelfiguren zu Eigen. Man weiß, wie die sein müssen und dichtet ihnen, wenn in der Verfilmung nicht vorhanden, eine gewisse persönliche Vertrautheit an. Je mehr prägende Erinnerungen man damit verbindet, umso leichter fällt das. Das würde wahrscheinlich auch auf Verfilmungen von Larry Brent, Macabros oder die heiß ersehnte Umsetzung von „Drei Fragezeichen und das Geheimnis der Geisterinsel“ zutreffen

Insofern schwingen da immer ein paar persönliche Bonuspunkte mit, denn zugegeben, dieser Film ist eine Gurke und nur für Freunde alteingefleischter Hörspielfreunde einen kleinen Blick wert, um Vergleiche anzustellen.
Von daher noch
4 von 10

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