Review

Es ist das letzte Aufgebot: 300 loyale Elite-Kämpfer stehen König Leonidas von Sparta bei, als er 480 vor Christus in den Krieg zieht. Geradezu
lebensmüde mutet sein Versuch an, sich dem in die Hunderttausende
gehenden Heer von Perserkönig Xerxes 
entgegenzustellen, der in Griechenland eingefallen ist und das Land
unterjocht. Leonidas beabsichtigt das Abendland in der Enge der
Thermopylen verteidigen zu können. Zunächst stellen sich tatsächlich
Erfolge ein - bis Verrat und Neid den Plan torpedieren.

Soviel zum Thema und jetzt zum Film. Und
der ist einfach grandios. Das Schlachtengetümmel ist mit einer
derart präzisen Vollkommenheit und - trotz allen Blutes - Schönheit
choreografiert, dass einem der Anblick schier den Atem nimmt. Da
fliegen die abgeschlagenen Arme weg, da schießt das Blut aus
den Rümpfen der abgehauenen Köpfe, da stürzen persische
Kämpfer über ihre abgetrennten Beinen zu Boden. Die albtraumhaften
Monster des Xerxes reißen eine Todesschneise in die Reihen
der Spartaner, nur um dann doch unter den punktgenauen Angriffen
zu fallen. Da stürzen die Kriegselefanten hilflos trompetend über
die Klippen ins Meer, werden die auf dem schmalen Pfad angreifenden
Reiter wie Getreide umgemäht, und auch Xerxes "Unsterbliche" erweisen
sich als sehr sterblich. Ohne den Verrat hätten es die kriegsgestählten
Spartaner vielleicht sogar geschafft, die gigantische Armee des Xerxes
zu besiegen."300" ist ein wahrer Augenschmaus für
Fans von blutigen und perfekten Kampfszenen. Die Massenszenen sind
einfach großartig, egal ob es sich um das anrückende Heer
der Perser oder die Streitmacht zu Wasser handelt. Die Farbgebung
ist genial und künstlich spektakulär.

Was indes wirklich negativ ins Gewicht fallen kann, sind die sehr
einseitigen Dialoge, die in hochgestochenem Vokabular einzig um
die hier zelebrierten Tugenden Ehre, Mut, Treue, Freiheitsdrang
und Opferbereitschaft kreisen. Das ist zum einen schon ein wenig
eintönig, wenn in zwei Stunden quasi null Variation in die
Schlacht-Parolen kommt, und verlangt zum anderen vom Publikum, dass
es sich (zumindest für 117 Minuten) vollkommen auf das hier
zelebrierte, pathetische Gebrüll einlässt - allzu kritischen
Geistern wird es sehr nahe liegen, das Kriegsgeschrei moralphilosophisch
ausdiskutieren zu wollen, und in dem Moment wird "300"
seinen gesamten Reiz verlieren. Oder man überinterpretiert
das Ganze gleich zu einer politischen Aussage, was die iranische
Regierung unter Präsident Ahmadinedschad bereits dazu veranlasste,
den Film als agitatorische amerikanische Propaganda zu verurteilen......Muuuhhhhhhh!

Aber was hier
gelingt ist die perfekte Verschmelzung von
Comic und Film, die nahtlose Zusammenfügung von zwei Medien,
die in ihren Grundprinzipien ohnehin viel mehr gemeinsam haben,
als es bisherige Comic-Verfilmungen erahnen ließen. "300"
ist pures visuelles Spektakel, ein cineastisches Großereignis
von einzigartiger Durchschlagskraft!!!
Die Schlacht ist hier wirklich eine Schlacht, und zwar volles Programm.
Fast schon absurd gestählte Manneskörper prallen hier
in Massen aufeinander, werden von Speeren durchbohrt und von Schwertern
ihrer Gliedmaßen beraubt, das Blut spritzt pausenlos und in
rauen Mengen.


Fazit:  "300" ist ein hervorragend verfilmter
Comic-Roman. Bildgewaltig, blutig, spannend (auch wenn man das Ende
bekannt ist), ein visueller Leckerbissen - jedoch garantiert nichts
für zart besaitete Gemüter und Kinder.

10 Points

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