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"Spartiaten, bereitet euer Frühstück und esst tüchtig, denn heute Nacht speisen wir in der Hölle."

480 vor Christus erobert der persische Gott-König Xerxes (Rodrigo Santoro) mit seiner gewaltigen Armee die bis dato bekannte Welt. In Griechenland bietet er dem spartanischen König Leonidas (Gerard Butler) durch einen Boten eine kampflose Eingliederung in das persische Reich, soweit Leonidas willens ist sich diesem zu beugen. Der Stolz Spartas ist allerdings ungebrochen, so lässt er den Boten samt Begleitung richten und sucht das Einverständnis in den Krieg zu ziehen. Das neuntägige Karneiafest verbietet den Griechen allerdings jede Kampfhandlung während dieser Tage. So scharrt der König eine 300 Mann starke Gefolgschaft um sich, die er zu seiner persönlichen Leibwache deklariert und zieht gen Norden, den zahlenmäßig weit überlegenen Persern entgegen. An den Thermopylen, einem schmalen Pass, will Leonidas mit seinen Kämpfern die Perser so lange zurück halten bis sich der Rat durch die Königin Gorgo (Lena Headey) zu Kriegshandlungen umstimmen lässt.

Frank Miller (Sin City) griff 1999 den erbitterten Kampf der Spartaner in seiner preisgekrönten Comic-Reihe namens "300" auf. In dieser orientiert er sich weit weniger an realen historischen Ereignissen, sondern legt die geschichtliche Schlacht bei den Thermopylen auf ein zielgerichtetes Actionniveau, passend für ein Graphic Novel. So wird aus der geschätzten 200.000 Mann starken persischen Armee ein fünffaches und auch vor deformierten Kreaturen kennt Miller keine Scheu. Im gleichnamigen Film setzt Zack Snyder ("Dawn of the Dead (2004)") bereits zum zweiten Mal eine Comicvorlage des renommierten Comic-Autors um.

Die abgöttisch verehrte Comicvorlage, die auf puren Heroismus setzende Grundgeschichte sowie die Reduzierung der Filmhandlung auf das pure archaische Aufeinandertreffen zweier Kriegsmaschinerien verspricht auf dem Papier für Fans testosteron- und adrenalingeschwängerter filmischer Vorschlaghämmer Unterhaltung vom Feinsten. "300" ist genau dies und kaum mehr. Nebst einem gnadenlos überzeichneten Stolz- und Ehrgefühl beider Kriegsparteien bietet der Actionfilm einen massiven Aufmarsch gestählter Körper die sich in einer Vielzahl kämpferischer Sequenzen gegenüber stehen. Und dies zu einer wahrhaft opulenten Optik.

Vor allem von seiner berauschenden Optik zusammengehalten erlebt man bei diesem Film was die Technik heute zu bieten hat. Gedreht im Back-Lot Verfahren agierten die Darsteller vor riesigen Blue- und Greenscreens, wo später Hintergründe und Menschenheere digital eingeflochten wurden. Das Ergebnis ist zu jedem Zeitpunkt atemberaubend geraten und dank Farbfilter, Farbreduzierungen und Überzeichnungen geographischer Gegebenheiten ein gelungenes Abbild der Graphic Novel Vorlage. Dies gilt ebenso für die Kreaturen die jedweder Form körperlicher Physiognomie widersprechen. So ist beispielsweise die Größe des Gott-Königs Xerxes gerade im Vergleich zu den ohnehin schon hünenhaften Spartanern verblüffend.
Die Highlights im Film setzen in optischer Hinsicht natürlich die Schlachtenszenen. Insbesondere die Szenen, in denen die Spartaner Kostproben ihrer durch Rundschilde geschlossen gehaltenen Phalanx bieten dürfen, sind absolut erstaunlich. Doch auch die Ausbrüche aus dieser Phalanx machen einiges her und sind ansehlich choreographiert. Im Wechsel zwischen Zeitlupe und Zeitraffer beeindrucken besonders zwei Actionsequenzen, die durch rabiate Zooms und schnelle Schwenks immer wieder den Eindruck entstehen lassen, hier könne gar nicht ohne Schnitte gearbeitet worden sein.

Das die Kämpfe auch sonst nicht langweilig werden ist durch 2 Faktoren abgesichert. Zum einen scheint der Einfallsreichtum der Macher grenzenlos gewesen zu sein. Immer wieder schickt Snyder den Spartanern andere Gegner entgegen. Die Riege besteht aus einfachen bis zu speziell ausgebildeten Kämpfern, übergroßen Elefanten und gepanzerten Nashörnern bis hin zu den bereits genannten deformierten Kreaturen oder einem Pfeilhagel.
Um dem Zuschauer eine Pause zwischen dem blutigen Spektakel zu gönnen, verläuft nach einiger Zeit ein Subplot um die Bemühungen von Leonidas Frau, Königin Gorgo, den Rat zu einem Ausfall der Armee umzustimmen. Dieser politische Handlungsstrang wertet den Film jedoch leider etwas ab und nimmt dem Schlachtenepos sein sonst immens hohes Tempo. Auch sonst trägt die Nebenhandlung kaum Gewichtung, da wie auch schon zu Beginn des Films eine Charakterzeichnung nicht stattfindet und sich keinerlei Auswirkungen auf den eigentlichen Handlungsstrang finden lassen.

Die aufgebotenen Gewalttätigkeiten sind alles andere als ohne. Dass man "300" Gewaltverherrlichung vorwerfen kann, ist spätestens nach den ersten Gewaltszenen und den häufigen, zynischen Off-Kommentaren mit Durchhalteparolen ersichtlich. Doch gerade durch den comichaft überzeichneten Look werden gerade die Gewaltspitzen trefflich geschmählert und vor allem das in Unmengen umherspritzende Blut eröffnet ganz neue Formen der Gewaltästhetisierung.
Untermalt wird das Schlachtenepos durch einen grandiosen Score, der vor allem in den martialischen Kampfeinlagen ordentlich für Atmosphäre sorgt. Doch auch in den ruhigeren Momenten findet er immer wieder kleine Themen und lässt seinen enorm dominanten Score niemals in der Belanglosigkeit verschwinden.

Außerordentlich passend ist der Cast von "300" ausgewählt und kostümiert, wobei Gerard Butler ("Das Phantom der Oper", "Die Herrschaft des Feuers") eindeutig aus der Masse heraus sticht. Grimmige Gesichtszüge verleihen besonders dem am meisten sichtbaren Darsteller die Vorstellung eines stolzen und ungebrochenen Spartiaten, so wie er von Miller bereits vordefiniert ist. Zu seiner Seite stehen David Wenham ("Der Herr der Ringe"-Reihe, "Van Helsing") sowie Michael Fassbinder ("Band Of Brothers“, "Eden Lake") die wie alle anderen auch ihren digital nachbearbeiteten Waschbrettbauch ordentlich zur Show tragen.
Erstaunlich unpräsent und langweilig sind dagegen Dominic West ("Punisher: War Zone") sowie Lena Headay ("Terminator - Sarah Connor Chronicles"), sodass ihre gemeinsamen Passagen so garnicht zünden wollen.

Zack Snyder setzt nach "Sin City" die zweite Comicvorlage von Frank Miller mit visueller Bildgewalt um. Dass durch die actionlastige Umsetzung das darunter liegende Storykonstrukt sowie die Figurenzeichnungen zu leiden hat, ist durch das hohe Tempo und den massigen Einfallsreichtum der Schlachten zu verkraften. Einzig ein paar Längen zu Beginn und durch den Subplot schmälern den hohen Unterhaltungswert des testosteronhaltigen Schlachtengemäldes, das einen vorwiegend ansprechenden Cast aufweist und mit Glorrifizierungen nur so um sich schmeist. Nix für Analysten historischer Begebenheiten.

9 / 10

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