Lange Zeit hat es mir widerstrebt, französische Filme älteren Jahrgangs anzuschauen. Doch mit der Zeit öffnet sich selbst der größte Frankophobe, besinnt sich eines Besseren und schaut sich dann zunächst mit Widerwillen, dann jedoch mit allmählicher Freude einen Film aus dem koteletteförmigen Nachbarland an.
„Pin Pon“ verliebt sich in die neu zugezogene Dorfschönheit Iliane. Nach einiger Zeit der Annäherung heiraten die beiden. Doch Iliane’s Beweggrund für die Beziehung zu „Pin Pon“ ist nicht nur die Liebe. Tief im Innersten hegt sie Rachegedanken für eine Tat, die lange Zeit zurückliegt…
Ob die Story auch ohne die wunderschöne Isabelle Adjani funktioniert hätte? Sicherlich… doch eines ist gewiss: Der Film hätte nicht eine so faszinierende Art, wie er sie in jeder Minute der Leinwandpräsenz durch seine Hauptdarstellerin bezieht. Als Zuschauer (zumindest als männlicher) kommt man nicht darum herum, sich ein wenig in Iliane zu verlieben, auch wenn sie in einigen Momenten alles andere als sympathisch erscheint. Verwundert es da, dass man die restlichen Darsteller ein wenig aus den Augen verliert? Ist es unerklärlich, dass man beim ersten Hinsehen die eine oder andere Schwachstelle im Plot übersieht? Keineswegs. Die Fokussierung auf Isabelle Adjani wirkt teilweise aus filmischer Sicht etwas hilflos… ist eine hübsche Hauptdarstellerin wirklich das einzige, was diesen Film ausmacht? Betrachtet man „L’été meurtrier“ nur oberflächlich, so muss man zu diesem harten Schluss kommen. Kratzt man jedoch an der optisch ansprechenden Oberfläche dieses Films, so entdeckt man eine mitunter sehr gelungene dramatische Geschichte, die geschickt durch Rückblenden peu á peu ihr gesamtes Ausmaß offen legt und dadurch den Spannungsaufbau kontinuierlich auf seinen Höhepunkt treibt. Längen? Fallen nicht auf. Denn immer, wenn „Ein mörderischer Sommer“ in ein Handlungsloch fällt, stimmt der Anblick der Protagonistin versöhnlich; ja, so einfach ist es, seinen Anspruch leicht nach unten zu schrauben, wenn man eine hübsche Französin über die Leinwand stolzieren sieht…
„Ein mörderischer Sommer“ ist insgesamt ein nicht nur optisch ansprechender Film aus unserem kulturell so hochtrabenden Nachbarland; nein, er ist zudem ein spannendes Drama um eine junge Frau, die auf Rache sinnt und es dabei in keinem Augenblick verlernt, sinnlich zu erscheinen. 7,5 von 10 Punkten.