Review

Größtenteils ist man dem lateinamerikanischen Horrorfilm eher negativ eingestellt, was auch an den nicht gerade überragenden Filmen des Brasilianers Ivan Cardoso liegt. Jose Mojica Marins aka der Zé do Caixao ist da die große Ausnahme. Umso verwunderlicher, dass in den späten 50ern und 60er Jahren der mexikanische Horrorfilm einige Perlen ans licht brachte, die lange vergessen waren aber nun wieder das licht der Welt erblicken. Dank modernster Technik, als seien sie erst vor wenigen Jahren gedreht.


Mit Hilfe eines magischen Spiegels kann die Haushälterin Sara, welche ebenfalls eine mächtige Hexe ist, den Tod von Elena voraussehen. Kein geringerer als ihr Mann Eduardo wird Elena umbringen, um mit seiner neuen Liebe Deborah ungestört leben zu können. Sara fleht die teuflischen Götter an, Elena zu retten, doch diese verneinen ihre Bitte, da dies bereits beschlossene Sache ist. So kommt es wie es der magische Spiegel vorausgesagt hat und Eduardo vergiftet Elena und heiratet kurze Zeit später Deborah. Doch Sara will Rache für Elena, die sie wie eine Tochter liebt. Mit Hilfe ihrer Hexenkunst holt sie Elena aus dem Grab und sorgt dafür, dass Deborah entsetzlich entstellt wird. Doch Eduardo ist Arzt und will Deborah ihr schönes Gesicht und Hände wiedergeben. Dafür stiehlt er Nachts Leichen von jungen Frauen um aus deren Haut Deborahs neues Gesicht zu formen. Die Operationen gelingen, doch Sara holt zum finalen Schlag gegen Eduardo und Deborah aus...


Wer sich ein wenig im Bereich der früheren Horror- und Gruselfilme auskennt, wird einige Ähnlichkeiten zu anderen, früher gedrehten Filme erkennen können. Insbesondere der zweite Teil erinnert doch stark an Georges Franjus „Les Yeux sans visage“, indem ebenfalls ein leicht verrückter Arzt um das Gesicht seiner Tochter kämpfte und dabei ebenfalls über Leichen ging.
Im Gegensatz zu diversen anderen Ländern, die rücksichtslos alles kopieren (man erinnere sich nur an den pakistanischen Dracula „Zinda Laash“, der nicht nur ganze Handlungsstränge 1:1 kopierte, sondern auch noch die Musik und Soundeffekte aus Fishers „Dracula“ klaute), geht der mexikanische Horrorfilm seinen eigenen Weg.

„El Espejo de la Bruja“ kann man grob in zwei Parts unterteilen, von denen beide mehr als gefallen. Der erste Part ist mehr eine Horror- und Gruselgeschichte, in denen die Hexenkräfte und Auferstehung von toten im Vordergrund stehen. Dabei ist es umso bemerkenswerter, die das Tabu der Reinkarnation gebrochen wird, im stark katholisch geprägten Mexiko sicherlich mehr als nur ein Tabubruch.
Der zweite Part ist die oft gesehene Adaption des Mad Scientist, der langsam aber sicher in den Wahnsinn abdriftet und dabei über Leichen geht, um sein Ziel zu erreichen.

Obwohl der Farbfilm Anfang der 60er Jahre stark im kommen war, drehte Regisseur Chano Urueta seinen Film in schwarz-weiß, vielleicht war es zu dieser Zeit in Mexiko auch nicht anders möglich. Gerade bei schwarz-weiß Filmen spielt die Bildkomposition eine große Rolle und dies gelingt Urueta auf überzeugende Art und Weise. Die Trick besitzen einen naiven Charme, wenn der magische Spiegel immer wieder in Nebel getaucht wird oder Elena immer wieder plötzlich irgendwo auftaucht und dann wieder gleich verschwindet. Den Trick standen die Mexikaner jedenfalls in nichts nach und sie passen wunderbar zum Film, der das Flair der alten Hammer-Filme erreicht.

Auch die Schauspieler, für uns Zuschauer natürlich unbekannt, agieren überzeugend und verzichtend weitgehend auf overacting oder gar einen gewissen Humor. Elemente wie Singen und Tanzen finden zum Glück im mexikanischen Film ebenfalls nicht statt, so dass der Zuschauer hier einen wirklichen Gruselfilm bekommt, der sich darauf konzentriert und nicht in solche Nebenstränge abgleitet (auch hier sei wieder das Negativbeispiel „Zinda Laash“ genannt, in dem zwischen gruseligen Szenen plötzlich gesungen und getanzt wird).

Auch die Effekte sind für die damalige Zeit beachtlich, auch wenn man in einer Produktion der 60er Jahre nicht erwarten darf, dass hier das Blut in strömen fließt. Dennoch gibt es einige Szenen, die sicherlich damals nicht ganz so leicht zu verkraften waren, wie eben besagte Reinkarnation oder auch einige herumliegende Gliedmaßen, die der verrückte Arzt braucht.


Fazit: „El Espejo de la Bruja“ ist ein wunderbarer komponierter schwarz-weiß Film, der sich vor seinen englischen Pendants aus den Hammer-Studios nicht verstecken muss. Ein Gruselfilm par excellence, der insbesondere denen gefallen wird, die im Hammer-Sektor mittlerweile so gut wie alles abgegrast haben. Dank dem US-Label CasaNegra werden diverse mexikanische Horror- und Gruselklassiker in hervorragender Qualität aufgelegt, so dass nun auch endlich der Rest der Welt die Chance hat, sich diese Filme anzuschauen. Es lohnt sich bei „El Espejo del la Bruja“ auf jeden Fall.

Details
Ähnliche Filme