Ich kann es noch immer nicht fassen. Ich habe soeben die wohl schlechteste Literaturverfilmung meines Lebens gesehen. Wie ist es überhaupt möglich, dass man aus diesem großartigen Buch von John Irving einen so grauenhaften Film macht? Da weiß man gar nicht, wo man mit der Kritik anfangen soll.
Zuerst einmal wäre da unser Ich-Erzähler John, grandios fehlbesetzt mit der tauben Nuss Rob Lowe. Aber ist Lowe nicht prinzipiell fehlbesetzt? Nach der Romanvorlage soll sein Charakter ein liebenswerter, zurückhaltender und einfältiger junger Mann sein, der heimlich in seine Schwester Franny verliebt ist. Lowe schafft es allerdings, John als leicht arroganten, selbstsicheren und selbstverliebten Blödsack darzustellen. Rob Lowe spielt Rob Lowe.
Ansonsten ist an den Darstellern eigentlich nicht viel herumzumeckern. Jodie Foster als Franny und die Lilly-Darstellerin haben mir sogar ziemlich gut gefallen. Nur konnten sie an Skript, Regie und dem ganzen Rest leider nicht viel ändern. Ich möchte hier zum Beispiel die Musik hervorheben, die entweder zu sehr oder zu wenig theatralisch aber auf jeden Fall immer perfekt daneben, nervtötend und völlig fehl am Platze ist. Wenn jetzt irgend jemand behauptet, das würde die Stimmung des Buches wiederspiegeln, dann behaupte ich, dass er das Buch nicht verstanden hat.
Es gibt im Film immer wieder Zeitraffer-Sequenzen, die völlig überdreht sind. Dies passt wenigstens zur Musik, macht das Gesamtbild aber nicht besser. Vielleicht sehe ich mir zu wenig französische Kunstfilme an, um so etwas lustig oder auch nur unterhaltsam zu finden, aber ich unterstelle nicht einmal dem französischen Kunstfilm einen solch deplatzierten Nonsens. Und ich unterstelle dem französischen Film sonst eine Menge!
Die Story wird, wie bei Literaturfilmen üblich, ordentlich zerhackstückt und zurechtgestutzt. So etwas wie hier habe ich allerdings noch nie erlebt. Man hat wohl versucht, so viele Szenen wie möglich in den Film zu retten, so das diese teilweise fast willkürlich aneinandergereiht wirken. Zack zack zack. So, jetzt kann niemand behaupten, wir hätten was ausgelassen.
Fazit: Man hätte an diesem Film so vieles anders machen müssen, dass ich jetzt nicht alles aufzählen kann, aber ich möchte 3 Punkte nennen, mit denen man vielleicht schon das Schlimmste vermieden hätte:
- anderer Regisseur (jemand, der sein Handwerk auch beherrscht)
- mehr Zeit (bei einem Buch, das über einen so langen Zeitraum so viel berichtet, hätte der Film schon seine 130 Minuten haben müssen. Beispiel: Garp)
- Hauptdarsteller (Es gibt kaum eine schlechtere Wahl als Lowe. Höchstens Keanu Reeves)