Review

Ein fesselndes Plädoyer für Fremdenfeindlichkeit, - natürlich ausschließlich bezogen auf außerirdische Lebensformen.
Denn die hier skizzierten Aliens werden mindestens so bösartig dargestellt wie in „Independence Day“ und allen 50er – Invasorenfilmen zusammen.
Entführungen, schmerzhafte Experimente, GPS-Implantationen, telepathische Mächte, - da finden sich alle negativen Eigenschaften über „Die Dämonischen“ bishin zu „Taken“.

Was die Materie rund um Aliens und ihre bösen Absichten dennoch erfrischend anders präsentiert, denn nicht eine amerikanische Kleinstadt oder gar die ganze Welt stehen einer unerforschten Macht gegenüber, sondern lediglich vier Freunde, die vor fünfzehn Jahren von diesen verschleppt und zahlreichen Experimenten unterzogen wurden.

Das erfährt man jedoch erst während des Verlaufs, denn der Zuschauer wird unmittelbar ins Geschehen geworfen, wenn sich die drei Rednecks Cody, Duke und Otis bewaffnet im nächtlichen Wald herumtreiben und nach kurzer Jagd erfolgreich zuschlagen.
Doch mit der Gefangennahme des außerirdischen Angreifers gehen die Probleme erst los, denn die drei wenden sich an den vierten im Bunde, Wyatt, der sich seit der Entführung verändert und sein Haus alien-sicher umgestaltet hat.
Fortan schwankt man zwischen blutigen Rachegelüsten und der Gefahr, durch impulsive Aktionen weitere Außerirdische auf den Plan zu rufen.

Ein geschickter Aufbau, sogleich mit der Tür ins Haus zu fallen und diese groteske Situation als gegeben hinnehmen zu müssen. Keine Hintergrundinformationen, sondern lediglich Aktionen stehen vorerst im Mittelpunkt und lassen nach und nach einige Fragen beantworten.
Die dafür ausreichenden Charakterzeichnungen ergeben sich innerhalb des Umgangs mit der Situation. Denn während Cody am liebsten sofort auf den Außerirdischen losspringen und ihn auslöschen möchte, bleibt die stille Hauptfigur Wyatt stets gelassen und versucht der Situation rational entgegen zu wirken. Hinzu kommen Wyatts Freundin, die über die Vorgeschichte ihres Freundes gar nichts wusste und nun von der Tatsache ein auf den Tisch gekettetes Alien in ihrem Haus zu haben, völlig überrumpelt wird und ein lokaler Sheriff, der den Alien-Geschichten bislang nur ein müdes Lächeln schenkte und nun eines Besseren belehrt wird.

Mit einfachen Mitteln kann die Spannung erstaunlicherweise größtenteils aufrecht gehalten werden, auch wenn die Ausgangslage – fünf Personen mit einem entführten Alien im Haus – kaum interessant erscheint.
Dabei gerät die Gefahr durch die außerirdische Lebensform zeitweise in den Hintergrund, da es Reibereien untereinander gibt, jemand vom Alien gebissen wird und sich daraufhin körperlich verändert, Wyatts Freundin per Augenkontakt mit dem Außerirdischen einer bösartigen Fremdsteuerung unterzogen wird und – das ist im Verlauf absehbar – sich das Vieh aus der Bredouille befreit und auch mal ordentlich blutig (Darmschlinge) zuschlägt.
Kurze Actionmomente und Elemente eines Psycho-Dramas halten sich dabei gekonnt die Waage, so dass es zu keiner Zeit langweilig wird, wobei einige inszenatorische Mittel durchaus wirksam rüberkommen.

Neben den unbekannten, aber glaubhaft agierenden Darstellern ist da primär die gelungene Sounduntermalung zu erwähnen, die mit einigen markerschütternden, schrägen Sounds recht wirkungsvoll zu Werke geht, während der Score generell mit sphärischen Klängen passend untermalt. Ein besonderes Lob geht ferner an die Make-Up-Artists, die hier ganze Arbeit geleistet haben. Man kommt völlig ohne Computereffekte aus und setzt auf altmodische Maske, die vor allem beim körperlichen Verfall des Gebissenen ausgezeichnet eingesetzt wurde, aber auch die Alien-Gesichter wirken recht…na ja, authentisch kann man schwer behaupten, aber eben für sich nachvollziehbar lebendig.

Doch ja, die simple Prämisse wurde anständig umgesetzt, wobei einige Hintergrundinformationen sicherlich bewusst ausbleiben, um dem Ganzen eventuell noch etwas Mystisches zu verleihen, was letztlich der Fantasie des Zuschauers überlassen wird.
Wyatt erscheint insofern als vages Bindeglied zwischen Mensch und Außerirdischen, da mag man durchaus noch die eine oder andere Schlussfolgerung hineindeuten und auch die konkreten Absichten und Pläne der Extraterrestrischen werden dem imaginärem Spielraum des Betrachters überlassen, - Hauptsache diese sind bösartig und lassen ein Mitfiebern gegenüber den wenigen Figuren aufkommen, - und das ist eben durchaus gegeben.

Das Ganze bildet letztlich eine seltsame Mischung, die dennoch anspricht und vor allem bei Laune hält. Trotz gewollter Auflockerungen erreicht man nie die fast fließende Grenze zum Trash und obgleich das Geschehen fast überwiegend in einem schnörkellosen Haus mit Garage spielt, hat man nie das Gefühl einer inhaltlichen Eintönigkeit.
Eine eigenwillige Mixtur aus „Alien“ und kammerspielmäßigen Psycho-Thriller, - welchem Genre-Freund man das auch immer empfehlen soll, mich hat´s unterhalten.
7 von 10

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