Review

Wer die TV-Serie "Geschichten aus der Gruft" kennt (Nein, wir sprechen hier nicht von Zeichentrick...), der wird sich sofort vorstellen können, was hier läuft.

Ein Schock gleich zu Beginn: Nach dem billigst aufgemachten Titel (violettblau auf neongrün, das ganze total verpixelt und in miesestem PC-Font) geht es genauso trashig weiter. Eine üppige Dame in weitaus weniger üppiger Unterwäsche räkelt sich auf einem blutverschmierten Bett und säuselt ihrem Liebhaber ins Telefon, wie geil sie jetzt vom Mord an ihrem Mann sei. Der hat mittlerweile im Keller ein Bad genommen - in hochprozentiger Säure, versteht sich. Er scheint sehr entspannt zu sein, jedenfalls liegt er kopfüber in der blubbernden Brühe und regt sich nicht. Naja, fast nicht: Irgendwann scheint er genug zu haben und schlurft unter dem Verlust diverser Körperteile nach oben, um zu sehen, was seine treue Gattin so ohne ihn anfängt. Die hat sich inzwischen selbst ein Bad angelassen (allerdings ohne Säure, dafür mit Schaum) und der Kameramann hat sichtlich Freude an ihrer nun gar nicht mehr vorhandenen Bekleidung, nur der gammelnde Gatte (schon die zweite Alliteration! Okay, ich höre auf...) freut sich nicht so sehr. Er wird nämlich in demselben Moment, wo er seine liebevolle Gattin zum Dank für das Säurebad herzlichst umarmen will, vom Cryptkeeper zurechtgewiesen. Der führt nämlich bei diesem Trashhorrorvergnügen Regie; alles Fake! Den richtigen Film stellt er erst nach seiner Schimpftirade und diversen Wortspielen der üblichen (also gänzlich abwesenden) Qualität vor...

Dieser Beginn ist originell, ein äußerst gelungener Start in den richtigen Film (jetzt ganz ohne das grausige grellgrünblaue Titelbild). Im Folgenden dann wird (ohne jetzt auf Einzelheiten einzugehen) alles aufgefahren, was man von einer überlangen und höher budgetierten "Tales from the Crypt"-Folge erwarten kann: Rechtschaffene Menschen, böse Menschen, die ihre Bestrafung verdienen, Dämonen, die sie ausführen werden, noch etwas nackte Haut und ein gutes Stück Gewalt. Eigentlich alle Zutaten, um jeden Horrorfan glücklich zu machen; auf viele trifft es auch tatsächlich zu. Ich hingegen habe mich gewundert. "Ritter der Dämonen" hat doch alles, was ich von ihm erwarten würde - und trotzdem fehlt da was. Wo liegt das Problem?
Das Hauptmanko ist eindeutig die Überlänge. Wir haben ein Skript, das perfekt für 30 Minuten ausreichen würde, ja sogar 60 Minuten wären damit noch gut zu füllen. Aber bei anderthalb Stunden geht dem Plot schlichtweg die Luft aus. Also wird nach Copy&Paste-Manier verfahren: Wir nehmen einfach statt wenigen Personen noch ein paar mehr. Was der einen Person zustößt, widerfährt der anderen dann in leicht veränderter Manier. Nur: Das Grundgerüst hinter dem Ganzen bleibt gleich, es verändert sich nicht einen Deut. Eine Gruppe von Menschen ist in einer ehemaligen Kirche eingeschlossen, wird von Dämonen belagert und jeder darf seine Begegnung mit mindestens einem der Monster haben.
Auf Beziehungen zwischen den Personen wird nicht so viel Wert gelegt, wie möglich gewesen wäre, besser gesagt: Die zwischenmenschliche Beziehung geht nicht weiter als bei einer dreißigminütigen "Geschichten aus der Gruft"-Folge. Dabei haben die verschiedenen Charaktere alle ihre Eigenheiten, die im Verlauf des Films auch zum Tragen kommen. Mehr wäre für einen Horrorfilm auch nicht erforderlich, wenn nicht der Hauptcharakter, der Held des Films, so schrecklich plump daherkäme. Ich weiß nicht, ob es am Script liegt, aber William Sadler spielt den gebrochenen Antihelden mit der Begeisterung und Ausdrucksstärke eines bemoosten Feldsteins. Mit seiner permanenten grimmig-paranoiden Grimasse geht er dem Zuschauer schon nach einer Viertelstunde gehörig auf den Senkel, Besserung stellt sich leider nicht ein.
Da springt Billy Zane in die Bresche und rettet den Tag (besser gesagt, die Nacht). Was er hier vom Leder reißt, ist grandios: Ohne lächerlich zu wirken, spielt er mit lockerleichter Coolness den galanten Oberdämonen, der aber auch gehörig die Fetzen fliegen lassen kann. Wo wir bei Fetzen sind: Auch und gerade die Effekte tragen ihren Teil zur Rettung des Films bei. Einfallsreich und gelegentlich sehr blutig geht es hier zur Sache. Dass die Dämonen zum Beispiel nur durch Zerstörung der Augen zu besiegen sind, wird weidlich ausgenutzt, und auch auf Menschenseite geht der Bodycount auf nicht gerade unspektakuläre Weise in die Höhe.

Der wenig überzeugend in die Länge gezogene Mittelteil und ein völlig apathisch wirkender Hauptcharakter kosten den Film die Wertung, die er sich eigentlich verdient hätte. Gelungen ist er aber allemal!

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