„65% aller Senatoren und Kongressteilnehmer und 75% von Fortune 500 CEO sind Mitglieder einer Collegeverbindung!“ – „Und warum ist das Land dann in so großen Schwierigkeiten?“ – „Weil du ein Hippie warst und selbst nichts erreicht hast!“
US-Regisseur Paul Ziller („Bloodfist IV - Deadly Dragon“) debütierte im Jahre 1990 mit dem im Studenten-Milieu angesiedelten Slasher „Pledge Night“, einer Zeit also, in der die besten Slasher längst gedreht und die Nachzügler häufig eher durchschnittlicher Qualität waren – so auch dieser Trash-Streifen im Semi-Amateur-Look.
„Wir haben einen Schwarzen, wir haben einen Juden, Silvera ist Italiener – schließlich gibt es keine Diskriminierung!“
Um in eine Studentenverbindung aufgenommen zu werden, müssen die Anwärter in der sog. „Höllenwoche“ zahlreiche erniedrigende, bizarre Rituale über sich ergehen lassen: Sich permanent beschimpfen lassen, Regenwürmer verspeisen, Wettrennen mit Kirschen zwischen den Pobacken veranstalten (der Verlierer muss sie dann essen) etc. Dan (Arthur Lundquist, „The Regenerated Man“) ist diesmal an der Reihe, den Anwärtern einen besonderen Schrecken einzujagen, denn er mimt einen psychopathischen Killer. Was sie nicht wissen: Er tut nur so, als würde er am Esstisch jemanden erstechen. Doch irgendwann beginnt Dan, tatsächlich zu morden. Der Grund: Er ist besessen vom Geiste Sids, der bei einem der Ekelrituale vor 20 Jahren ums Leben kam…
„Was immer es war, es war kein Mensch!“
Zunächst verarscht dieser Streifen den Irrsinn um ach so elitäre Studentensekten ganz kräftig, wenn er die Verbindung in einem mit Graffiti vollgeschmierten Loch „tagen“ und die nicht minder bekloppten Anwärter zahlreiche idiotische Rituale durchlaufen lässt, die die Frischlinge auch noch bereitwillig über sich ergehen lassen. So ist locker die erste Hälfte des bisweilen an Trash-Produktionen der Troma-Schmiede erinnernden Films bestimmt von all diesem Unfug inkl. des vermeintlichen Mords durch den irre lachenden Dan, aufgelockert durch etwas Sleaze wie eine Striptease-Show auf einer Party sowie Titten und Fummeleien im „Boom Room“. Die Mutter (Barbara Summerville, „Prime Evil - Im Namen des Satans“) des Anwärters Larry (Todd Eastland) bittet diesen schließlich, inkognito ein paar Dinge herauszufinden, was als Überleitung zu einer Rückblende in ihre Studentenzeit dient. Diese zeigt das unfreiwillige Säurebad Sids, der in dieser Sequenz von niemand Geringerem als Joey Belladonna, dem Sänger der Thrash-Metal-Formation Anthrax, gespielt wird.
„Ich verklage den ganzen gottverdammten Staat!“
Bald darauf beginnt dann auch endlich der Horroranteil und so wird Tom (Tony Barbieri) von einer Hand aus dem Klo (!) getötet; Dan ersticht den Entdecker der Leiche und lacht irre und laut, bevor er einer Studentin in der Badewanne den Garaus macht und einer anderen mit zweckentfremdeten Rührstäben zu Leibe rückt. Diese Morde geschehen vornehmlich im Off, doch nach ca. einer Stunde holt Ziller doch noch die Splatter- und Gore-Keule hervor: Zombie-Sid (Will Kempe, „Last Days of Disco“) kriecht aus Dan heraus und zündet eine Kirschbombe (!), holt schließlich seine Gedärme heraus und stranguliert einen der nichtsnutzigen Studenten damit. Blut spritzt aus der Wand, der Bauch eines Studenten bläht sich auf und Ungeziefer platzt heraus. Und da die Polizei durchaus Kenntnis von der „Höllenwoche“ hat und dem sie alarmierenden Richard (David Neal Evans) daher kein Wort glaubt, bewahrt Sid einige weitere der auf sich allein gestellt herumschleichenden Studenten vor dem Schicksal des arbeitslosen Akademikers. Mittels Feuerlöscher und Schwert kann er kurzzeitig ruhiggestellt werden, kehrt jedoch noch einmal wieder und erzählt Larry, dass er nur zurückgekommen sei, um ihn zu beschützen – na klar, Sid, und Rache oder so spielte natürlich so gar keine Rolle, gelle? Bei genauerer Betrachtung ergibt eigentlich beides keinen Sinn, denn um Larry zu beschützen, muss er sicherlich keine anderen Studentenanwärter brutal ermorden und um sich an den damaligen Missetätern zu rächen, sind sie ebenfalls die falschen Adressaten. Aber was soll man von einem Zottelzombie aus dem Klo schon groß an Logik erwarten?
„Wieso will er uns ohne Grund umbringen? Ich werde ihm das nicht gestatten!“
Im Epilog darf er noch einmal empfindlich ein Pärchen beim Ficken stören, indem er mit einem Schwert unterm Hochbett auftaucht. „Das war’s dann“, sagt er, und das war es wirklich, denn es folgt der Abspann. Selbstverständlich ist „Pledge Class“ schlecht geschauspielert, strotzt nur so vor dümmlichen Dialogen von debilen, vollkommen austauschbaren Jugendlichen und geschmacklosem Humor sowie ebensolchem Herumgemantsche. Das ist durchaus spaßig anzusehen, wenngleich nicht immer deutlich wird, was unter freiwilliger und was unter eher unbeabsichtigter Komik zu verbuchen. Ist. Die Intention dürfte jedenfalls von vornherein nicht gewesen sein, dass irgendetwas ernstzunehmen wäre. Dafür wiederum ist „Pledge Class“ als Slasher-Verschnitt nun nicht sonderlich originell und als Satire auf elitäres Studentengehabe zu sehr Holzhammerhumor. Vor den Kopf gestoßen dürfte man denjenigen Teil des Publikums haben, der mit der Erwartung eines soliden Genrefilms an „Pledge Class“ herantrat und ob dieses Discount-Abklatsches enttäuscht wurde. Neben Trash-Fans sollte aber manch Headbanger oder Mosher seinen Spaß gehabt haben, denn neben einem Kurzauftritt ihres Sängers steuerten Anthrax auch quasi den gesamten Soundtrack mit diversen Stücken ihres Repertoires bei!