Bereits 2002 erschien eine Kurzfilm-Fassung von „Sam´s Lake“, die Autor und Regisseur Andrew C. Erin mit einigen Mitwirkenden der jetzigen Crew verwirklichte.
Ganz offenbar ließ ihn die Idee nicht los, daraus einen abendfüllenden Film zu basteln, was sich durchaus positiv auf die Charakterzeichnung der Figuren auswirkt. Schließlich umgibt man sich einige Jahre mit ihnen, und entwickelt dadurch eine stärkere Vertrautheit, als würde gerade mal jemand einen klischeelastigen Genrevertreter mit den üblichen Kiffern, Säufern und Sexgeilen auf Zelluloid schmöddern.
So verbringt man die erste Hälfte mit der Einführung der Figuren, was dem Genrefreund bei einem Anteil von etwa 40 Minuten zwar endlos lang erscheinen mag, aber dennoch seinen eigenen Charme entwickelt und sich keinesfalls oberflächlich gestaltet.
Hauptfigur Sam (Fay Masterson) hat ein paar Freunde, typische Stadtmenschen, zu einem Ausflug in die Natur eingeladen, wo sie den Großteil ihrer Kindheit verbracht hat und ein Jahr nach dem Unfalltod ihres Vaters ein wenig Entspannung zu finden hofft.
Am Lagerfeuer erzählt man sich die Geschichte eines einheimischen Jungen, der seine Eltern umgebracht hat, in eine Art Anstalt gesteckt wurde, doch fliehen konnte und bis heute immer mal wieder durch den Wald geistert und Leute umbringt.
Nachdem man sich im Zuge einer Mutprobe im Elternhaus des Jungen aufhält, kann man dort ein Tagebuch entdecken, das eine ganz andere Wahrheit beinhaltet…
Bis es jedoch zu diesem Plot Twist kommt, vergehen gut 50 Minuten, in denen man sich eher selten mit der typischen Materie des Slashers beschäftigt.
Bevor man am Zielort ankommt, hält man zwar noch an der obligatorischen Tankstelle der Rednecks und auch huschen ab und an Schatten durchs Bild, doch vielmehr legt Regisseur Erin Wert auf seine Figuren, was ihm hoch anzurechnen ist.
Keine Partytypen, sondern einfach nur junge Stadtmenschen. Keine austauschbaren Schablonen, sondern größtenteils markante Leute, die auch etwas zu sagen haben. Vom Schwulen, dessen Eltern ihn verstießen, über die Frau, die ihre heftige Beziehung mit Einsatz eines Baseball-Schlägers beendete, bis zu Sam, die mit der Rückkehr in ihre alte Heimat neue Energie tankt. Auch untereinander bekommt man den Eindruck glaubhafter Beziehungen vermittelt.
Zumal da auch immer ein wenig die Frage der Stadtmenschen mitschwingt, inwieweit man sich ein Leben in der abgeschiedenen Natur vorstellen könnte.
Eingebettet wird das zunächst ruhige Geschehen in wunderbare Landschaftsaufnahmen, die durch eine versierte Kameraarbeit eine Idylle zum Wohlfühlen erzeugen. Gäbe es nicht leichte Anzeichen, dass sich das Ganze im Verlauf zur düsteren Seite hin entwickeln würde, hätte daraus auch locker ein Beziehungsdrama werden können, - wozu der wenig hinweisgebende Titel ebenfalls gut gepasst hätte.
Doch dann erfolgt der erwähnte Plot Twist, und Stimmung sowie Tempo werden blitzartig ins Muster eines handelsüblichen Slashers gekickt. Plötzlich sterben Menschen, die man eben noch lieb gewonnen hatte, es finden Verfolgungen durch den Wald, Verstecken im Ferienhaus und final eine Klopperei statt. Man weiß bei der Konstellation der letzten vier Übriggebliebenen genau, in welcher Reihenfolge es wen erwischen wird und wer als Letztes noch auf den Beinen stehen dürfte.
Das gestaltet sich im Ablauf zwar wenig überraschend, doch phasenweise spannend, obgleich die Morde fast durchweg im Off stattfinden oder kaum blutreich in Szene gesetzt wurden.
Nur mit dem Plot Twist als solchen bin ich ein wenig unzufrieden, da er vorangegangene Szenen teilweise komplett unglaubwürdig erscheinen lässt.
Auch gewinnt man den Eindruck, dass hier nicht mehr ganz so sorgfältig inszeniert wurde. Da findet eine Verfolgung durch den Wald statt, die in der Dämmerung einsetzt und nach wenigen Sekunden unter Einwirkung deutlicher Sonnenstrahlen fortgesetzt wird, - glaube kaum, dass dies ein symbolisches Stilmittel darstellen sollte.
In den letzten Minuten wandelt man schlicht zu deutlich, aber auch zu oberflächlich auf gängigen Slasher-Spuren, die den Genrefreund sicher nicht sonderlich beeindrucken dürften.
Dennoch stellt „Sam´s Lake“ alles andere als einen austauschbaren Beitrag mit verfolgten Teens im Wald dar. Dafür arbeitet man die Figuren zu sorgfältig heraus und bringt ein paar wirklich schöne Naturaufnahmen mit Liebe zum Detail.
Nur im Gesamtbild stößt der Twist ein wenig auf und nachfolgendes Geschehen stellt leider keine Überraschung mehr dar.
Dank der durchweg glaubhaften Darsteller und der größtenteils sorgfältigen Inszenierung bleibt am Ende trotzdem ein Film mit eigener Note, - nicht durchweg überzeugend, aber gewiss markanter als zahlreiche Genrevertreter.
Knapp
7 von 10