"Vielleicht ist das Glück etwas nach dem wir wirklich nur streben können und das wir nie erreichen, so sehr wir uns auch bemühen."
Der Film "Das Streben nach Glück" beruht auf Chris Gardners Lebensweg Anfang der 80er Jahre, seinem sozialen Fall und beruflichen Aufstieg in die obere Schicht.
Im Jahre 1981 schlägt sich Chris Gardner (Will Smith) nur wenig erfolgreich mit dem Verkauf von Knochendichtemessgeräten, die nur eine geringfügig bessere Auflösung als übliche Geräte ermöglichen, durchs leben. Mit der Zeit haben sich unbezahlte Rechnungen gestapelt, auch die Miete ist längst überfällig. Darunter leidet auch seine Frau Linda (Thandie Newton) die trotz Doppelschichten keinen Beitrag dazu leisten kann und durch die Situation immer mehr verzweifelt, bis sie schließlich Chris verlässt. Da Chris sehr an seinem 5-jährigen Sohn Christopher (Jaden Christopher Syre Smith) hängt, beansprucht er das Sorgerecht und versucht alleinig sein Berufs- und Privatleben unter einen Hut zu bringen. Dazu nimmt er die Gelegenheit wahr, sich für ein sechsmonatiges Praktikum bei einer Investmentbank zu bewerben, das zwar unbezahlt ist, allerdings die Möglichkeit einer lukrativen Festanstellung beinhaltet. Als er tatsächlich unter vielen Mitbewerbern eine Praktikumsstelle erlangt, beginnt ein chaotisches Leben für ihn. Denn neben dem unentgeltlichen Praktikum muss er noch durch den weiteren Verkauf der Knochendichtemessgeräte für finanzielle Mittel sorgen und sich um seinen Sohn kümmern. Chris nimmt alles auf sich obwohl aus den 20 weiteren Praktikumskollegen nur einer für die Festanstellung übernommen wird.
Gemeinsam mit Gabriele Muccino ("Ein letzter Kuss") produzierte Will Smith dieses Drama um die Geschichte eines wahr gewordenen amerikanischen Traumes. Für die Leinwandversion wurden die realen Ereignisse etwas geschönt und aufbereitet um den Kontext einem massentauglichen Publikum zugänglicher zu machen. So war Gardners Sohn zu diesem Zeitpunkt noch ein Säugling und wesentlich flexibler unterzubringen als der 5-jährige Leinwandversion Sohn. Zudem verhielt es sich um die Vergütung und den Ablauf des Praktikums etwas anders.
Nichtsdestotrotz wirken sich die Änderungen nicht negativ aus, im Gegenteil. Die Handlung wird dadurch tatsächlich zugänglicher und sicherlich interessanter, auch durch die vielen temporeichen Ereignisse, die den Film-Gardner immer weiter in den Strudel der Armut ziehen. Nebenwirkungen ist bei diesen allerdings der Verlust der Logik und Glaubwürdigkeit. Bei so vielen Tätigkeiten geht sicher jeder Mensch einmal in die Knie, bei Gardner ist aber kaum ein abnutzender Effekt zu sehen. Auch seine Kleidung scheint sich nicht abzunutzen, so glänzt er beständig mit einem sauberen und faltenlosen Hemd, obwohl er in Obdachlosenheimen nächtigt. Wann und wo wäscht denn der gute Mann???
Anlass zur Kritik bietet auch die emotionale Darstellung. Die tragischen Ereignisse, die Gardner erfährt, dürften jeden Menschen verzweifeln lassen. Tatsächlich ist die Verzweiflung aber nur ein einziges mal visualisiert, nämlich dann, wenn er mit seinem Sohn auf einer U-Bahn Toilette nächtigt. Ansonsten scheint ihn der Mut und die Ausdauer nie zu verlassen, nein, stattdessen liegt ihm noch ein lockerer Spruch auf den Lippen. Diese Floskeln sind nicht sonderlich zahlreich, tragen aber zu der durchgängig verwirrend heiteren Grundstimmung zu. Sicher sind es keine für Will Smith gewohnten Macho Sprüche, aber so ganz ohne sein lockeres Mundwerk wollte man den Publikumsliebling wohl nicht davon kommen lassen.
Hierbei schmiegt sich der Soundtrack an, der mit heiteren und motivierenden Stücken eine lockere Atmosphäre schafft und nur selten versucht auf die Tränendrüse zu drücken.
Das Charakterdesign erweist sich bei den Hauptcharakteren als sehr gelungen, vielleicht ein wenig überladen, da Chris Gardner stets im Mittelpunkt steht und in allen Lebenslagen beleuchtet wird. Etwas blass geraten sind dagegen Nebencharaktere, die nur zu den jeweiligen Situationen herangezogen werden, ansonsten aber völlig ausscheiden.
Obwohl die Handlung sehr abwechlungsreich gestaltet ist, ist sie sehr Kleinlaut geraten. Mehr als das berufliche Alltagsleben und die Beziehung zwischen Vater und Sohn gibt es nicht zu sehen. So weitet sich die Handlung nie auf das Umfeld der Hauptfiguren aus. Freunde oder Freizeitgestaltung scheint es nicht zu geben oder werden vernachlässigt.
Der Weltenretter Will Smith ist bei einem Drama anfangs gewöhnungsbedürftig anzusehen. Lässt man es jedoch zu, ergeben sich neue Perspektiven. Denn seine Rolle als Durchschnittsbürger mit einer besonderen Verbindung zu seinem Sohn spielt er ausgesprochen gekonnt und sehr emotinal. Die Idee Will Smiths leiblichen Sohn direkt zu integrieren erweist sich als hervorragend im Charakterdesign, denn dieser wirkt sehr natürlich und hat allen Grund dazu. Da eben diese beiden den Plot halten geht die Wahl vollends auf.
Sehr knapp ausgefallen sind die Rollen von Thandie Newton und diversen anderen Schauspielern die nur als blasse Randfiguren agieren.
"Das Streben nach Glück" kämpft mit ein paar Ecken und Kanten und lässt sich nur schwerlich als pures Drama bezeichnen, schon gar nicht als schwer verdauliche Kost. Großstadtmärchen wäre hier sicher angemessen, denn die Stimmung ist einfach zu heiter und lässt eine trostlose sowie tragische Stimmung nur selten zu. Mehr Dramatik, eine größere Weitsicht sowie mehr visuell ersichtliche Tragik hätten dem Werk gut getan. Ganz, ganz knappe...
7 / 10