Mit „Uhrwerk Orange“ schuf Meisterregisseur Stanley Kubrick einen Film, der auch noch nach 30 Jahren nichts von seiner Faszination verloren hat und aktueller denn je ist.
Alex (Malcolm McDowell) ist der Chef der berüchtigten Teddy-Gang. In weißen Anzügen und einer Melone auf dem Kopf machen sie das, was ihnen Spaß macht. Rauben, überfallen, vergewaltigen. Eine Grenze kennt Alex nicht, ganz im Gegenteil. Da wird an einer x-beliebigen Haustür geklingelt, nur um die Familie dann mit einer erfundenen Geschichte zu beklauen und zu schänden.
Weiterhin duldet Alex den völligen Gehorsam seiner Leute. Wenn diese sich auflehnen wollen, wird dieses brutal unterdrückt. Doch einmal lässt sich Alex auf einem Vorschlag seiner Gang ein, als man die „Catlady“ überfallen will. Doch Alex wird von seinen Freunden gelinkt und landet wegen Mord für 14 Jahre hinter Gittern. Doch Alex hat Glück im Unglück. Er darf an einer Therapie mitmachen, die ihn binnen zwei Wochen von aller Gewalt befreit, er wäre danach ein freier Mann. Die Therapie gelingt, Alex kommt zurück in die Freiheit. Doch wie soll ein Mann in einer Welt überleben, die von Gewalt geprägt ist, man aber nicht mehr in der Lage ist, sich auf irgendeine Art und Weise zu wehren? Alex trifft auf seine Opfer, ehemaligen Freunde und ist diesen hoffnungslos ausgeliefert...
„Uhrwerk Orange“ ist ein knallharter Film von Stanley Kubrick. Für die damalige Zeit geht Kubrick in seinem Film sehr weit bei der Mischung von Sex, Gewalt und dem totalen Regime.
Alex’ Taten sind brutal, beschönigen nichts und Kubrick hält immer voll drauf. Steppend und „Singing in the rain“ singend wird ein Mann zusammengetreten und dessen Frau mal eben vergewaltigt. Auch bei anderen Menschen kennt Alex keine Gnade.
Doch Alex wird uns nicht nur als vollkommener kranker Psychopath dargestellt, nein, Alex ist auch ein Musikliebhaber, insbesondere von Ludvig van Beethoven. Dessen Musik ist eh allgegenwärtig im ganzen Film. Hinzu kommt aber auch eine recht verstörende Musik, vor allem zu Begin, wenn Kubrick mit seiner ersten Kameraeinstellung direkt Alex Gesicht auffängt, dabei diese Musik läuft und langsam die Kamera zurückführt, bis bald alle Mitglieder der Gang vollkommen zu sehen sind.
Doch ist wirklich nur die Person des Alex schlecht? Nein, es gibt hier kaum eine Figur, die nur irgendwie sympathisch sein könnte. Dies beginnt bei Alex’ Eltern, die irgendwie überhaupt keine Beziehung zu ihrem Sohn haben, schon nach zwei Jahren hat man dessen Zimmer vermietet und kann den jetzigen Bewohner doch nicht rausschmeißen, der schon die Stellung des Sohnes eingenommen hat.
Da gibt es einen Gefängnisaufseher, der mich doch ein wenig in seiner Art an einen gewissen Führer der dt. Geschichte erinnert. Die Optik, der militärische Ton, sicherlich alles kein Zufall. Auch die Politik spielt hier eine Rolle. Es geht nicht wirklich darum, einer Person wie Alex zu helfen (kann man ihr überhaupt helfen?), sondern es geht nur darum, im Amt zu bleiben und mit dieser „Zerstörung“ des Menschen weiter im Amt zu bleiben. Nur einzig allein der Pfarrer im Gefängnis erscheint sympathisch, er ist auch der Einzige, der die erfolgreiche Therapie von Alex anzweifelt. Selbst ein Blinder erkennt hier, dass Alex alles ist, nur nicht bereit, alleine in einer Welt zu leben, in der er sich nicht mehr wehren kann.
Das Ende kann man mit gemischten Gefühlen betrachten. Auf der einen Seite setzt es dem ganzen noch die kröne auf, auf der anderen Seite ist man nicht ganz zufrieden, man wüsste schon gerne, wie es mit Alex weitergeht. Aber dies hat Kubrick wohl bewusst offen gelassen, ich kann damit leben.
Nur noch kurz ein Wort zu den Darstellern. An Malcolm McDowell kommt man hier natürlich nicht vorbei. Er spielt grandios, fast beängstigend echt den vielleicht wahnsinnigen Alex. Auch die Sprache die Alex benutzt, ist ein wenig befremdlich, fast künstlich. Es gibt keinen Vater und keine Mutter, es gibt nur P und M. Doch auch die Nebendarsteller sind klasse, sei es die Hitler-Kopie Michael Bates und viele andere. Wer ganz genau aufpasst erkennt in den Bodyguard David Prowse, der niemand geringeren als Darth Vader in „Star Wars“ verkörpert hat.
Fazit: „Uhrwerk Orange“ ist ein großer Film, verstörend, gewalttätig, erschreckend aber nicht minder aktuell. Kubrick prangert an, aber nicht nur Menschen wie Alex, sondern auch insbesondere Politiker und deren Regime. „Uhrwerk Orange“ ist ein Film, den man gesehen haben muss. Was man davon hält, ist dann jedem seine Sache, doch man wird darüber reden, so oder so.