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"Und bevor wir uns umsehen sind wir von einem totalitären System eingekreist."

Der Jugendliche Alex (Malcolm McDowell) verübt mit seiner Bande aus drei Freunden abends immer wieder Verbrechen. Diebstahl, Körperverletzung und selbst Vergewaltigung gehören zur Tagesordnung. Am Morgen schwänzt er dafür die Schule.
Als Kopf der Bande behauptet sich Alex immer wieder auch mittels Gewalt gegen seine Freunde. Eines Tages treibt er es jedoch zu weit und wird von seinen Freunden verletzt vor einem eingebrochenen Haus zurück gelassen. Im Gefängnis entschließt er sich an einem Experiment mitzuwirken, dass ihn heilen soll. Tatsächlich wird seine gewalttätige Ader unterdrückt. Als er aber in die Gesellschaft zurückgeführt wird rächen sich nun die Opfer an dem wehrlosen Täter.

"Uhrwerk Orange" gilt als ein Film-Klassiker von Regisseur Stanley Kubrick ("Spartacus", "Shining") und ist trotz seines enorm kontroversen Inhaltes überaus angesehen. Tatsächlich enthält das Gesellschaftsdrama einige überaus anspruchsvolle Themen und könnte diese auch wirkungsvoll ausspielen, wäre da nicht die extrem sperrige Inszenierung, die an den direkten Vorgänger "2001: Odyssee im Weltraum" erinnert.

Die Parabel über eine kriminell veranlagte Person, deren Festnahme und Heilung sowie Rückgliederung in die Gesellschaft ist in genau diese drei Abschnitte unterteilt. Zunächst stehen die Verbrechen von Alex und seiner Bande im Fokus. In überästhetisierter Form und mit klassischer Musik untermalt visualisiert "Uhrwerk Orange" überaus drastische Bilder der Gewalt. Zwar überwiegend unblutig und manche Greueltaten im Off, aber dennoch beklemmend und demütigend. Die abstoßende Darstellung lässt keine Sympathiefiguren entstehen, wodurch das Publikum nur schwer einen Bezug herstellen kann. Selbst der stets präsente Off-Kommentar des Protagonisten hilft hier nicht weiter.

Im zweiten Abschnitt erlebt die Hauptfigur eine Umwandlung. Die Gefängnisstrafe wird durch die mehr oder weniger freiwillige Teilnahme an einem Experiment verkürzt. Die Gehirnwäsche und Manipulation eines Individuums geben Anlass zur Kritik an charakterlicher Umstruktur und einem erzwungenen Verhaltenskodex im positiven Sinne für die Gesellschaft. Der mühselige Spannungsaufbau lässt diesen Teil sehr schwerfällig werden.

Abschnitt drei verdreht den ersten. Die Täter und Opfer Rolle wandeln sich. Plötzlich heißt es Auge um Auge, Zahn um Zahn und der Zuschauer fragt sich, ob dies gerechtfertigt ist oder nicht. Zumindest hier regt "Uhrwerk Orange" ernsthaft zum Nachdenken an, obwohl die Erzählung extrem linear ist und das Ende merkwürdig offen.

Es ist offensichtlich, dass die Gewaltoper zum gesellschaftlichen und persönlichen Drama wird. Medizin und Politik stehen subtil in der Kritik, genauso wie Recht und Gerechtigkeit. Eine angenehme Wendung, die den Anspruch hebt.
Ein paar altmodische Effekte, in Form abgefilmten Filmen auf Leinwänden im Hintergrund, lassen "Uhrwerk Orange" ordentlich angestaubt wirken. Dafür sehen die komplett durchchoreographierten, beinahe schon grazilen, Prügeleien sehr gut aus. Diese Art der Inszenierung ist jedoch Geschmackssache.

Auf eine beängstigende Art hält Malcolm McDowell ("Star Trek: Treffen der Generationen", "Doomsday - Tag der Rache") den Film. Seine sehr eindrucksvollen Gesichtszüge und die kalten Augen machen seine sich wandelnde Rolle überaus variantenreich. Die restlichen Darsteller können dem nichts entgegen stellen.

Das beängstigende Abbild von "Uhrwerk Orange" wird durch das realitätsferne Setting, abstrakte, futuristische Kulissen und Kostüme und eine unzugängliche Figurenzeichnung eingeengt. Viel nackte Haut, ein offener Umgang mit der Sexualität und gewaltbereite Charaktere machen den Film provokant. Gerade das erste Drittel wirkt dadurch sehr wenig greifbar, worauf ein gestrecktes folgt. Erst das letzte Drittel zeigt eine Richtung und löst die verschlungenen Handlungsstränge. Ein unglaublich markanter Hauptdarsteller stellt sich der Aufgabe, die anspruchsvollen Themen zu vermitteln. Dies gelingt ihm nur bedingt, da das Gesellschaftsdrama mit einigen Interpretationsmöglichkeiten arbeitet.

4 / 10

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