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Eine ehemalige Lehrerin wohnt allein auf dem Lande, nur eine ihrer früheren Schülerinnen, nun ihre Pflegerin, hilft ihr, da die Arme an den Rollstuhl gefesselt ist. Da kommt ein Treffen mit ihrer alten Klasse nur ganz recht, um etwas Stimmung in die Tristesse zu mischen; doch natürlich lauert das Unheil hinter der trügerischen Idylle. Jeder, der in dem einsamen Landhaus wohnt und jeder, der dort ankommt, hat ein schreckliches Geheimnis und ein tiefsitzendes Trauma. Alles wurzelt in der Vergangenheit, als die Lehrerin die Klasse psychisch terrorisierte und ein Nervenwrack nach dem anderen verschuldete. Nun, wo sie schwach und hilflos ist, scheint die Zeit der Rache gekommen. Nur ist da noch ihr grässlich deformierter Sohn, hinter dessen niedlicher Hasenmaske ebenfalls der ein oder andere Schrecken lauert.

Ein Stoff, aus dem man einen durchweg bedrohlichen, stimmungsvollen Horrorfilm machen kann - oder To Sir, With Love. Dabei hat der Film viele spannungsreiche Momente, bietet durchaus subtiles Grauen und geizt nicht gerade mit pointiert eingesetzter Gewalt. Nein, das Problem liegt weniger in dem gedrehten Material, sondern vielmehr darin, wie unbeholfen es häufig zusammengesetzt, teilweise gar zusammengestückelt wurde. Da mischt sich in eine rührselige Szene des Wiedersehens, gehalten in ätherisch anmutender Weichzeichnung, eine völlig unpassende, auch für den weiteren Verlauf alles andere als notwendige Schnittmontage eines der Schüler - jetzt Marke harter Rocker - in hyperagressiver Überblendung; dessen Vorstellung gerät so klischeebeladen und geradezu billig (inklusive natürlich gar böser, lauter Rockmusik, Sonnenbrille und in Zeitraffer abbrennender Zigarette), dass man sich fragt, ob der Regisseur sich hier spontan überlegte, nicht doch eine schräge Parodie zu drehen.
Immer wieder scheint es, ein Azubi habe im Schnittraum gesessen, nicht jemand, der wisse, in welche stilistische Richtung der Film eigentlich steuern solle. So gibt es überlange, schale Momente von emotionalem Kitsch (das ist - zugestanden - im asiatischen Kino leider häufig üblich), plump gesetzte Rückblenden und nur halb gezeichnete Charaktere. Genreversatzstücke werden hier häufig ohne Rücksicht auf Verluste aneinander gereiht. Nur in einem Punkt stimmt die Inszenierung durchweg - beim Terror. Wenn die Ex-Schüler in bedrohlichen Momenten der Zweisamkeit ihre alte Lehrerin unterschwellig bedrohen und ihre mühsam unterdrückten Worte schließlich in psychischer Einschüchterung oder sogar versuchtem Mord gipfeln lassen, kommt echte Spannung auf. Die Krönung stellen aber die Aktivitäten des psychopathischen Killers dar. Das beginnt mit den genreüblichen Szenen des geheimen Verfolgens, Heranschleichens und notwendigerweise Erwischens, die routiniert inszeniert sind, die dann aber in einer doch sehr blutigen und recht einfallsreichen Mordszene gipfeln. Da wird einem Opfer schon mal mit Cutterklingen und heißem Wasser der Rachen durchspült und einem anderen mit dem Tacker die Augenlider verziert. Dazu die wirklich beunruhigend wirkende Hasenmaske - und man merkt, wofür das Herz des Regisseurs bei diesem Film schlug.
Doch nicht nur der Rest des Films, auch die Morde werden zunehmend abstruser und nach dem unvermeidlichen Storytwist ist man nicht so recht befriedigt - bis der endgültige Schlusstwist einsetzt und diesen Film für einen Moment aus der Masse der plumpen Horrorfilme heraushebt und grübeln lässt.

MASSIVER SPOILER
Plötzlich kommt nämlich heraus, dass die ganze bisher gesehene Geschichte (die überlebende Pflegerin erzählte sie einem Polizisten) frei erfunden war. In Wirklichkeit hat sie selbst alle Opfer umgebracht und erst nachträglich so hergerichtet, wie man sie später gefunden hat. Plötzlich erklären sich die abstrusen Morde, die tatsächlich nur Rachefantasien des Mädchens waren - auch die unbeholfen und klischeehaft erzählte Story erscheint in einem neuen Licht, schließlich hat sie sich das Mädchen nur schnell ausgedacht. Man könnte also sagen, alles musste so mangelhaft erzählt werden wie bisher, um dann von der endgültigen Aufklärung nicht nur rechtfertigt zu werden, sondern gar plötzlich geschickt in Szene gesetzt zu scheinen. Ein bestenfalls mittelmäßiger Schinlen, der durch die letzten Minuten gut wird? Halt, halt, zuerst werfen wir einen Blick auf den Film, der hier wohl Pate stand: Die üblichen Verdächtigen. Auch hier ein Schlusstwist, der plötzlich alles bisher Gesehene in einem neuen Licht erscheinen lässt. Aber fühlte man sich vorher schlecht unterhalten? Einer schwachen Inszenierung ausgesetzt? Nein. Obwohl also der doch unerwartete Twist in To Sir, With Love ob des sonstigen Endprodukts Respekt abnötigt, kann er doch nicht die Mängel dieses Films entschuldigen, wenn auch teilweise rechtfertigen.
SPOILERENDE

So bleibt eine grundsätzlich interessante, allerdings über Strecken viel zu plump umgesetzte Geschichte. Ein unangenehmer, recht origineller Killer, böse Morde und ein überraschender Schlusstwist, der für sich genommen gut unterhält und den Film, wenn er ihn auch nicht im Nachhinein emporhebt, doch in ein etwas besseres Licht rücken kann, retten den Horrorfilm mit dem wohl unpassendsten Titel des FFF '07 auf das Mittelmaß.

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