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"It's the cozy little Boston bar where everybody knows your name ... welcome to Cheers". Elf Jahre und elf Staffeln erzählte eine der erfolgreichsten US-Sitcoms aller Zeiten die Geschehnisse der kleinen Kellerbar "Cheers" in Boston. Es begann alles in den frühen 1980ern, als Sam "Mayday" Malone (Ted Danson) seine Footballkarriere wegen Alkoholproblemen aufgeben musste. Nachdem er seine Sucht in den Griff bekommt, eröffnet er ironischerweise eine Bar in Boston. Zusammen mit seinem alten Coach Ernie (Nicholas Colasanto) und der zynischen Kellnerin Carla Tortelli (Rhea Perlman) schmeißt er den Laden mit großem Erfolg. Als die gebildete Diane Chambers (Shelley Long) von ihrem zukünftigen Mann vor der Heirat sitzengelassen wird, entschließt sie sich ebenfalls als Kellnerin im Cheers zu arbeiten. Später beginnt sie sogar eine Romanze mit Sam. Regelmäßige Stammgäste sind der Briefträger Cliff (John Ratzenberger) und der bierliebende Liebling aller Gäste: Norm Peterson (George Wendt). Im Laufe der beinahe 400 Folgen muss der Zuschauer von Coach und Diane Abschied nehmen, diese werden aber ersetzt durch weitere erfolgreiche Charaktere. Da wäre zum einen der etwas geistig beschränkte Woody (Woody Harrelson), die furiose Rebecca Howe (Kirstie Alley) und Seelenklemptner Frasier Crane (Kelsey Grammer), dessen Figur es später zur eigenen Spinoff-Serie "Frasier" geschafft hat.
Nun, was ist an "Cheers" so hitverdächtig? Was ist der Grund für die starke Laufzeit von elf Staffeln und die zahlreichen Emmy-Auszeichnungen? Nun das ist schnell erklärt. "Cheers" hat mit seinem einmaligen Konzept zu Beginn der 80er bis in die frühen 90er den Zahn der Zeit und den Geist der Zuschauer getroffen. Wo findet man heute noch eine Sitcom, die in einer Bar spielt, in der pausenlos Alkohol über den Tresen geht und die Besitzer, sowie die Gäste allesamt schräge Vögel sind und jeder seine ganz eigenen Binsenweisheiten von sich gibt. Scharfzüngig fallen Witzchen, Sticheleien und Beleidigungen am laufenden Band – so was vermisst man in der Zeit der aalglatten Comedyserien, die sich so sehr bemühen mit ihrer künstlichen Atmosphäre lustig rüberzukommen, aber meistens kläglich versagen. Bei "Cheers" wirkt alles natürlich, denn es wird einfach kein Blatt vor den Mund genommen. Die Gags sind zwar aus heutiger Sicht nicht immer die frischesten, aber einfach immer noch spitze. Der ausgewogene Mix aus brachialem Holzhammerklamauk, genialer Situationskomik, ironischen Seitenhieben und zahlreichen kleinen Anekdoten bleibt unerreicht.
Die Charaktere sind hervorragend geschrieben und wachsen sofort ans Herz. An der Identifikation mit ihnen kommt man nicht vorbei, denn es handelt sich hier um Menschen wie du und ich. Arbeiter, Saufnasen, Kumpels die nach Feierabend noch schnell einen trinken gehen...eben Freunde. Jeder von ihnen hat lustige und unverwechselbare Eigenschaften, die den Charakter der Serie indirekt geprägt haben. Norm ist zum Beispiel der dicke, faule und komische Bierkopf, der immer einen coolen Spruch drauf hat. Sam ist der Frauen verschlingende, etwas benebelte Macho, Diane die immerzu philosophierende Büchernudel und Cliff der allwissende und sympathische Loser von der Post. Die Serie spiegelt somit beinahe schaurig echt die Gesellschaft seiner Zeit nieder - natürlich immer mit der richtigen Portion Gagfeuerwerk.
Die Geschichten rum und unsere Barnüsse sind originell und abwechslungsreich - so findet zum Beispiel ein Miss Boston Contest in der Bar statt, Diane und Sam bekommen sich mal wieder in die Haare wegen nichts, Cliff bringt mit seinen falschen Weisheiten alle zum Brüllen, es steht ein Basketballspiel gegen die Nachbarsbar an, die schräge Verwandtschaft von Carla schaut vorbei und sorgt für Unheil, und und und. Zum Teil ist das Ganze so köstlich übertrieben, dass einem nichts anderes bleibt, als sich seinen Lachmuskeln zu ergeben und vor Lachen auf dem Boden zu kugeln. Die ungenierte Erzählweise trägt dazu bei.
Negative Ansätze lassen sich für mich nicht finden. Es bleibt nur eine Warnung auszusprechen, denn bei "Cheers" besteht äußerste Suchtgefahr. Nur zu schnell kann die Bar zur zweiten Heimat werden, die man nie wieder missen will. Bei mir kommen da schon richtig Nostalgiegefühle auf...als wäre man selber eine dieser komischen Saufnasen, die jeden Tag in einer heimischen Bar verbringen, in der jeder deinen Namen kennt...
"Cheers" ist und bleibt eine der besten, wenn nicht sogar die beste Sitcom aller Zeiten. Dank der heimischen Atmosphäre, der individuellen Charaktere, der guten Witze und den absolut genialen Geschichten verdient die Serie einen Platz in der zeitlosen Hall of Fame der Fernsehunterhaltung. Wer einmal "Cheers" verfallen ist, kommt so schnell nicht mehr davon los. Das Konzept ist einfach bombig...eigentlich schade, dass nach 387 Folgen schon Schluss war. Eine äußerste Sauerei bleibt, dass kein Sender in Deutschland mehr die Serie ausstrahlt. Zum Glück ist Paramount gerade dabei alle Folgen auf DVD zu veröffentlichen, auch wenn momentan kein deutsches Release geplant ist.

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