Review

Gesamtbesprechung

Was haben die Meisten US- Sitcoms gemein? Richtig, es wimmelt von lauter cleveren, smarten Typen, die alle tolle Jobs haben und überhaupt nur superinteressante Dinge tun. Alles was sie von sich geben ist super-smart und pfiffig. Was Millionen allabendlich vor die Glotze lockt, ist für mich einfach nur laaaaangweilig. Es gibt nichts uninteressanteres, nichts banaleres, als TV-Serien wie Friends, Sex and the City usw. So hege ich dann auch eine von mir seit Jahrzehnten kultivierte tiefe Abneigung gegen TV-Serien aller Art. Ausnahmen bestätigen natürlich immer wieder die Regel.   Eine solche Ausnahme ist „King of Queens“. Hier steht ein fetter Paketzusteller namens Doug Heffernan im Mittelpunkt. Im New Yorker Arbeiterviertel Queens lebt er zusammen mit seiner Frau Carrie und deren Vater Arthur in einem Reihenhaus. Nein Doug Heffernan ist kein intelligenter Mann, jedoch ist er mit einer satten Portion Bauernschläue, einem großen Stück kindlicher Naivität und einem riesigen Appetit ausgestattet. Doug ist jemand, der nie erwachsen wurde. Seine Hobbys sind Fast Food, TV, Football, Baseball (natürlich nur vorm TV) und mit seinen Kumpels rumhängen. Einfach ein unkomplizierter Kerl mit den man gerne abhängt. Größere Ziele hat er nicht. Seinen bescheidenen Wohlstand, den er erreicht hat, sieht er als das Optimum an – er ist auf der obersten Sprosse der Karriereleiter angelangt. Wunschlos glücklich sogar ist er. Ein Haus hat er, seinen Traumjob hat er – sogar seine Traumfrau. Fast wäre sein Leben ein wahrhaftiger Traum, wäre da im Keller nicht ein verrückter alter Mann namens Arthur Spooner. Zu dem gleich mehr.   Dougs Frau Carrie ist da das krasse Gegenteil. Schon rein äußerlich ergeben die Beiden ein völlig gegensätzliches Bild. Er fett, salopp gekleidet – am liebsten Jeans, Turnschuhe, Sie gut aussehend, schlank, schicke Klamotten, immer gestylt. Auch verfügt Carrie über ein gewisses Maß an planerischer Vernunft. Ohne sie würde wahrscheinlich keine Rechnung bezahlt werden, sie hält alles am laufen. Sie hatte eigentlich auch ganz andere Vorstellungen von ihrem Leben gehabt. Ein Apartment in Manhattan war ihr Traum.  Einen tollen Typen mit einer Menge Zaster wollte sie mal heiraten. Nun - Manhattan, das hat sie erreicht, als Bürogehilfin in einer Anwaltskanzlei. Was aber hindert sie daran, ihre Träume zu verwirklichen? Ist es ihre einfache Herkunft, ihr loses Mundwerk, ihr teilweise arroganter Sarkasmus? An Ehrgeiz mangelt es ihr nicht. Sie strampelt sich wahrlich ab, um eventuell auch nur ein kleines Stückchen weiter nach oben zu kommen. Vielleicht ist es nur die Liebe zu einem fetten Paketboten, der aus Carrie das macht, was Carrie nun mal ist.  Ein ganzes Buch könnte ich nun über Carries Vater Arthur schreiben. Der cholerische alte Mann wohnt nach dem Ableben seiner Frau und nach dem Abfackeln seines Hauses im Keller des Heffernan’schen Reihenhauses. Er hat die Gabe, sich in Kleinigkeiten hineinzusteigern und daraus eine Riesenaffäre, ja einen Skandal zu machen. Dabei verliert er völlig den Bezug zur Realität und steigert sich in einer wahren Rage, um wenig später nicht einmal mehr zu wissen, um was es überhaupt ging.  Dabei scheint es sich nicht mal um Altersstarrsinn zu handeln. Vielmehr ist es ein Charakterzug von ihm, mit dem er sich sein ganzes Leben versaut hat und der ihn nun, völlig mittellos und ohne Rente, im Keller seiner Tochter und seines Schwiegersohns wohnen lässt. Mit „Keller-Arthur“, wie er gern genannt wird, steht und fällt die ganze Serie. Als Arthur-Darsteller Jerry Stiller (Vater von Ben Stiller) in den späteren Folgen aus Altersgründen immer weniger Auftritte bei „King of Queens“ hatte, machte sich das negativ auf die Serie bemerkbar. Sie verlor an guter Situationskomik.   Das Dreiergespann Doug, Carrie und Arthur würde ausreichen, die mit komischen Alltagssituationen gespickte Serie, mit all ihren Gegensätzen am laufen zu halten.„King of Queens“ lebt aber auch von der Komik seiner Nebendarsteller. Ja, sogar gelegentlich auftretende Figuren, wie die Chefs von Doug und Carrie, Dougs Eltern etc. passen perfekt ins Bild und funktionieren nach dem gleichen Schema der gegensätzlichen Charaktere und des Heraushebens typisch menschlicher  Schwächen zu einer teilweise absurden Situationskomik.In den fast 10 Jahren von „King of Queens“ gab es viele witzige Charaktere die kamen und wieder gingen. Unkomisch war niemand von ihnen.Natürlich muss man einige von ihnen hervorheben. Deacon Palmer z.B.. Deacon ist Dougs Arbeitskollege und sein bester Kumpel. Zusammen hängen sie rum, trinken Bier und glotzen in der Garage Football oder Baseball. Auch hier das immer gängige Prinzip der komischen Gegensätzlichkeit: Doug ist klein, dick, weiß, Deacon groß, sportlich, schwarz. Im Gegensatz zu Doug scheint Deacon der Vernünftige zu sein. Das jedoch scheint wirklich nur so – zusammen stellen sie eine Menge Unsinn an.   Dann sind da die Looser: Spence Olchin, der bis in die Dreißiger bei seiner Mutter lebte, ist ein alter Schulfreund von Doug. Er ist ein kleiner pummeliger Mann mit einem Kindergesicht. Dabei ist er nicht mal Dumm. Durchaus gebildet und belesen ist er, doch scheint sich seine äußerlich komische Erscheinung als nachteilig für ihn ausgewirkt zu haben. Auch wenn er Selbstbewusstsein heuchelt, hohlen ihn seine Ängste und Komplexe immer wieder ein und lassen ihn zuweilen peinlich auf bestimmte Situationen reagieren. So ist der U-Bahn Fahrkartenverkäufer Spence auch im Erwachsenenalter, dass was er als Kind auch schon war: Der, der die Klassenkeile kriegt. Im Verlauf der Serie entwickelte er eine immer tiefer gehende Beziehung  zu Dougs Cousin Danny. Zuletzt lebten sie sogar zusammen und oft hält man sie für ein schwules Paar. Tatsächlich wirken die beiden wie ein altes Ehepaar, die weder miteinander, noch ohneeinander können. Danny ist ein schlichtweg peinlicher Kerl. Alles was er tut ist geschmacklos und unpassend (seine Liebe für Karaoke – entsetzlich!). Danny und Spence, zwei Einzelgänger – zwei Freaks, die zusammengefunden haben. Eine Zweckgemeinschaft mit Allergien gegen Erdnüsse und Tierhaaren, die sich nicht nur das Asthmaspray teilt – köstlich!  Mit den Jahren veränderte sich „King of Queens“ immer weiter, so dass sich das Konzept irgendwann abgenutzt hat. Nichts ist für die Ewigkeit, schon gar keine TV-Serie mit lebenden Schauspielern. Neue Gags gibt es sicher immer, aber die Veränderungen in so einer Serie, die zwangsläufig kommen müssen, machen das Ganze irgendwann unglaubwürdig. So wurden dann Apartments und Häuser von den Haffernans gekauft, von Scheidung war dann die Rede usw. Zum Schluss zu viele Veränderungen für eine Serie, die der Zuschauer nie anders haben wollte. Trotzdem muss man sagen, dass „King of Queens“ sich in der bewährten Form weit länger gehalten hat, als fast alle anderen Serien. Doug-Darsteller Kevin James fand den Weg genauso wie Patton Oswalt, der Spence spielt, durch „King of Queens“ in die Kinos. Abschließend kann ich sagen, dass ich mir eine komischere und unterhaltsamere TV-Serie als „King of Queens“ gar nicht vorstellen kann. Das alles funktionierte fast zehn Jahre ohne Fäkalhumor, ohne rumgepoppe und ganz wichtig: Ohne diese aalglatten, smarten, stereotypen Hollywood-Zombies, die mich nur zum einschlafen bringen. „King of Queens“ das sind Typen, die es so wirklich überall gibt und die hier überzeichnet dargestellt werden. Eine Parodie des Alltags.

Details
Ähnliche Filme