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Eine junge Frau (Allison O'Meilia) unter der Dusche. Sie denkt, sie ist alleine in ihrer Studentenwohnung, doch sie irrt sich. Ein brutaler Killer hat sich ins Haus geschlichen, um sie mit einem Fleischerbeil zu töten. Ein klassisches, altbekanntes Slasherszenario. Etwa sechs Minuten später ist der Unhold endlich in Schlagdistanz und macht dem Leben der Studentin ein Ende. Nein, bei dem Killer handelt es sich weder um eine Schnecke noch um eine Schildkröte, er ist einfach nur - wie der Film an sich - langsam. Seeeeeehhhhhhr langsam. Nach getaner Arbeit hackt er ihr eine Hand ab und nimmt sie mit, während er eine goldene Münze mit eingeprägter Hundefresse zurückläßt. Da es nicht bei diesem einen Mord bleibt, sorgt sich Direktor Bailey (Fred Graves) um seine Studentinnen (die übrigens alle nicht wirklich hübsch sind). Zurecht, denn selbst Sheriff Wilbois (Charles Ellis) kann nicht verhindern, daß ein weiteres Opfer zu beklagen ist. Wird es dem Sheriff und seiner Tochter Tina (Juli Andelman), einer detektivisch veranlagten Bibliothekarin, gelingen, den mysteriösen Killer zur Strecke zu bringen? Und viel wichtiger: Werden die Zuschauer das Ende des Filmes noch miterleben oder bereits tief und fest schlafen?

Ehre, wem Ehre gebührt. Christopher Lewis hat es mit Blood Cult geschafft, den vielleicht langweiligsten Slasherfilm aller Zeiten herunterzukurbeln. Und der 1944 geborene Kalifornier legte im selben Jahr noch einen drauf, indem er The Ripper auf die Menschheit losließ, den miserabelsten Film, der je über Jack the Ripper gedreht wurde. Da half es auch nichts, daß Jack von FX-Legende Tom Savini gespielt wurde. Aber zurück zu Blood Cult, dem angeblich ersten Shot-on-Video-Streifen der Horrorfilmgeschichte (das ist er, nebenbei bemerkt, nicht). Fähige Hände hätten aus Stuart Rosenthals Drehbuch durchaus etwas Brauchbares zimmern können, aber die Wörter "fähige Hände" und "Christopher Lewis" scheinen einander abzustoßen wie gleiche Magnetpole. Nein, Blood Cult ist der Bodensatz des Genres, ein grottenschlecht gemachter, phänomenal schnarchiger Okkultslasher, an dem überhaupt nichts stimmt. Unwichtige Szenen werden hier so dermaßen lange zerdehnt, daß man verzweifelt auf die Zeitanzeige guckt und fasziniert zu sinnieren beginnt, wie endlos lange doch fünf Minuten sein können. Wäre der Film ein Pferd, hätte man ihn längst eingeschläfert, weil er so furchtbar lahmt.

Der etwa US$ 27.000 teure Blood Cult wurde in neun Tagen in Oklahoma gedreht. Erstaunlicherweise hatte die Vertriebsfirma Vertrauen in das Machwerk (wohl eher in den Titel und ins Videocover-Artwork) und ließ sage und schreibe US$ 100.000 für die Werbekampagne springen. Die Rechnung ging sogar auf, denn soweit ich weiß war der Film dank des Covers und der großen Verleihhülle ein Renner. Wie viele der damaligen Kunden nach Filmende die Videokassette am liebsten wütend ins Eck gepfeffert hätten, ist mir jedoch leider nicht bekannt. Die schauspielerischen Darbietungen sind erbärmlich, die Dialoge zum Haare raufen, das Tempo ist einschläfernd, die Kamera statisch. Die Make-Up-Effekte sind billig und leicht zu durchschauen, wobei diese sich meist auf an die Wand spritzendes Blut und abgetrennte Körperteile beschränken. Sowas in der Art hatte Lewis' Namensvetter Herschell Gordon schon 1963 drauf, nur wesentlich besser, blutiger und einfallsreicher. Die überraschende Auflösung wäre vielleicht schockierend gewesen, wenn man für die involvierten Figuren ein klein wenig empfunden hätte. So aber stolpert auch das intendierte Schockende ins Leere, was diese filmgewordene Ödnis somit gebührend abrundet. Kaum zu glauben, aber im Jahr darauf folgte mit Revenge ein Sequel.

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