Dies ist ein Beitrag aus dem Quartett der südkoreanischen Reihe, die inhaltlich nicht miteinander verknüpft ist, thematisch aber die Facetten des zeitgenössischen Geister-Horrors durchleuchtet.
In diesem Fall treten die Gruselanteile stark in den Hintergrund und weichen einer überspitzten Gesellschaftskritik, die weitaus besser sitzt, als einige der wohlbekannten Schockeinlagen.
Im Brennpunkt steht ein Mädcheninternat, das die jungen Schülerinnen mit strenger Disziplinierung auf ein Studium vorbereiten soll. Dabei wirken die Folgen eines verheerenden Brandes vor drei Jahren deutlich nach, denn zwei der Schülerinnen machen starke psychische Veränderungen durch und nehmen Geistererscheinungen wahr.
Lange Zeit dient die eiskalte Tutorin der Anstalt als einziges Gruselelement, denn die knallharten Methoden werden primär nichtasiatischen Zusehern förmlich um die Ohren gepeitscht. Im stets verriegelten Gebäude werden sämtliche Wertsachen abgelegt, eine graue Einheitskleidung getragen, während keinerlei Make-up erlaubt ist. Der tägliche Ablauf erlaubt nahezu keine Freizeitaktivitäten, wer innerhalb einer Schulstunde austreten muss, kann mit Stockhieben auf die Hände rechnen, wer nicht pünktlich zum morgendlichen Appell erscheint, sollte sich auf eine erzwungene kalte Dusche einstellen und wer ausfallend oder hysterisch wird, darf sich nicht über eine Beruhigungsspritze wundern. Ansatzweise fühlt man sich an ein Frauengefängnis erinnert.
Die Einführung ins Geschehen einschließlich der vier Schülerinnen, die sich ein Zimmer teilen, gelingt hervorragend, doch mit den ersten Düsterszenen macht sich enttäuschende Ernüchterung breit.
Die reinen Gruselmomente versagen in ihrer Wirkung weitgehend, - dunkle Flecken an der Decke, Blut tropft auf ein Schulheft und ein Geistermädchen huscht durch einen düsteren Korridor – all das hat man bereits etliche Male gesehen und bewirkt, trotz gelungener Sounduntermalung, nur allzu selten Suspense.
Die vielen, oft zu schwach ausgeleuchteten Szenen mit eingesperrten Mädchen in einer Kammer oder dem Schwenk zu einem Gesicht mit blutunterlaufenen Augen ziehen im Verlauf immer weniger. Die verborgenen Geheimnisse in halbdunkler Kulisse ermüden gegen Ende nahezu, da bringt der Fund einer Erhängten oder die Gruppe, die im Flur mit gesenktem Haupt Spalier steht nur leidlich Abwechslung.
Zudem findet sich keine Identifikationsfigur, da jede der Schülerinnen abwechselnd im Vordergrund steht und eine jeweilige Veränderung durchmacht, von der Selbstverstümmelung über die Sorge um den entlaufenen Hamster bis zur Apathie wird zwar alles in eine beklemmende Grundstimmung eingebettet, gibt sich jedoch zu distanziert für eine emotionale Anteilnahme.
Diese ist zu Beginn, mit Betonung auf das pädagogische System weitaus effizienter und lässt im letzten Drittel stark zu wünschen übrig.
Am Ende scheinen einige Beleuchter vorzeitig das Set verlassen zu haben, auch wenn noch einmal Bezug auf die Brandereignisse genommen wird und ein wenig Blut fließt, steht man teilweise echt im Dunkeln, zumal einige Gegebenheiten lediglich eine oberflächliche Erklärung erfahren und auch nicht durch kleine Phrasen im Off verdeutlicht werden können.
Nur gut, dass die Kritik am asiatischen Lernsystem so anschaulich auf den Punkt gebracht wird und die Darstellerinnen diese Szenen mit ordentlicher Performance unterstützen, - die Horrorelemente an sich können nämlich kaum das wackelige Skript zusammen halten.
5,5 von 10