Review

Wenn uns dieser dänische Horror-Thriller überhaupt etwas mitzuteilen hat, dann: Nachtschicht ist nichts für junge Frauen, weil der Heimweg lebensgefährliche Ausmaße annehmen kann.
Ansonsten lotet der Streifen sein Zwei-Personen-Stück kaum dramaturgisch aus und bleibt weit hinter seinen Möglichkeiten zurück.

Für Kellnerin Laura, die in einer nächtlichen Bar arbeitet, könnte die Schicht kaum schlimmer enden, als sie einem potentiellen Vergewaltiger im letzten Moment eins überbrät.
Doch die Katastrophe nimmt seinen Lauf, als sie kurz darauf das Taxi eines Psychopathen erwischt…

Offenkundig haben nur wenige Personen an dem Film gearbeitet, unter anderem Kim Sønderholm, der die Rolle des namenlosen Taxifahrers bekleidet und ein gewisser Emil Ishii, der mit diesem Werk sein Debüt als Autor und Regisseur feiert.
Dabei sind passable Ansätze deutlich erkennbar, doch an wesentlichen Aspekten mangelt es ebenso deutlich, vor allem am dramaturgischen Feingefühl und einem tiefer gehenden Kontext der Geschichte, welche viele Fakten komplett außen vor lässt.

So wissen wir nicht, warum der Namenlose mit dem eiskalten Blick ausgerechnet Laura im Taxi entführt und mit Metalldraht fesselt, warum er mitten in der Nacht in einem abgelegenen Strip-Club Halt macht und warum der rein gar nichts sagt.
Man erfährt weder etwas über seine Motive, noch sonstige Hintergründe, woraufhin man allenfalls einen Frauenhasser und unberechenbaren Sadisten attestieren kann.
Auch Laura bietet kaum Background: Nachtschichten, ein leicht genervter Freund am Telefon und Boxtraining vorm Frühstück sind die einzigen Fakten, die der jungen Frau mit auf den Weg gegeben werden, - keine gute Basis, um eine psychologische Komponente zu schaffen, die letztlich auch nahezu fehlt.

Stattdessen sind manche Einstellungen eindeutig zu ausladend ausgefallen. Immer wieder wird die oft unsichere Kamera auf die nächtliche Straße gelenkt, häufig bleibt sie in Nahaufnahme an den Gesichtern kleben und oft verharrt sie schlichtweg in einer Position, aus der sich nur wenig Bewegung ergibt, etwa, als der Psychopath seine Ex besucht und sie kurzum vergewaltigt.
Lediglich die Sounduntermalung, hauptsächlich bestehend aus E-Gitarre und Industrial-Sounds kann die Beklemmung ein wenig schüren, während die klaustrophobische Situation des Opfers aufgrund schlechten Timings zu wenig herausgekitzelt wird.

In den 67 Minuten (ohne Abspann) geschieht schlicht zu wenig. Man wartet stets auf den großen Knall, auf einen ausgefeilten Plan des Fremden, doch der tritt eigentlich nicht in Kraft, da der Mann zwar instinktiv handelt, aber alles andere als überlegt zur Sache geht.
Auf Dauer wirkt das Geschehen schwerfällig und nur mäßig spannend, da man final nur noch auf eine eventuelle Befreiung wartet oder auf Intervention einer dritten Person, zumal währenddessen fast kein Wort gesprochen wird und Außenstehende fast gänzlich ausgeklammert werden.

Darstellerisch geht die Chose in Ordnung, Camilla Metelmann performt als potentielles Opfer glaubhaft und auch Sønderholm mimt die Unberechenbarkeit seiner gestörten Persönlichkeit passabel, nur manchmal etwas zu offensichtlich.

Am Ende bleibt von dem Streifen nicht mehr, als ein unspektakuläres Finale, wenig Blutvergießen im Zuge vier Toter und im Positiven die nächtliche Einsamkeit, welche die beklemmende Situation ein wenig fördert, jedoch nie auf die Spitze zu treiben weiß.
Hinzu kommt eine schlecht ausgearbeitete Dramaturgie, schwaches Timing und eine durch und durch minimale Inszenierung.
Eher etwas für Lethargiker…
3,5 von 10

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