Review

Inhalt:

Irgendwo in China während der Zwanziger oder Dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts.
Miss Shih (Polly Shang Kuan) ist auf der Suche nach ihrer Schwester (ebenfalls Polly Shang Kuan)..., diese wird von dem Gangster Chao Kun (Yasuaki Kurata) festgehalten.

Shih ist eine resolute Dame, die sich nichts gefallen lässt, während ihre Schwester eher naiv-harmlos ist, und alles so über sich ergehen lässt.
Alsbald wird Shih in den Straßen der Stadt belästigt..., doch ihr KungFu reicht, um die Schläger in die Flucht zu schlagen.
Unterstützt wird Shih von einem Mann (Kam Kong), der ihr Kumpel wird, und ein undercover agierender Polizist ist.

Chao Kun befindet sich in Konkurrenz zu einem anderen Gangster-Boss -Lei (Chiu Keung)- in dieser Stadt, dessen Schergen (Blacky Ko, Shan Mao) sind gefährliche Fighter.

Nachdem Shih ihre Schwester gefunden hat..., kommt ihr eine Idee...: Beide tauschen ihre Rollen..., damit Shih die Bande und Chao Kun bekämpfen kann.
Doch Chao Kun ist clever, merkt den Betrug..., und misshandelt Shih´s Schwester schwer.

Es kommt zu heftigen Kämpfen..., zunächst mit dem Kumpel Shih´s gegen die Gangster..., dann zum finalen Duell zwischen Shih und Chao Kun.......


Fazit:

Im Jahre 1973 drehte Regisseur Wang Hong-Chang diesen doch sehr einfachen und bis zur Hälfte der Laufzeit den geneigten Eastern-Fan doch eher auf bescheidenem Niveau unterhaltenden KungFu-Film für das Studio "First Films" in Taiwan.

Es ist immer noch eine relativ frühe Rolle für Polly Shang Kuan, die hier ein zwar ein gewisses darstellerisches Talent in einer unterschiedlichen Doppel-Rolle zeigt, aber auch, dass sie kungfu-technisch noch Luft nach oben hatte..., wenige Jahre vor ihrem Durchbruch zum weiblichen KungFu-Superstar im legendären Actioner "18 bronzemen" (siehe mein Review auf dieser website).

Die Atmosphäre dieses Streifens ist doch ziemlich nüchtern, einfache Kulissen..., vieles spielt sich in einem großzügigen Wohnzimmer mit Treppenaufgang ab. Auch vieles Outdoor..., aber der Show-Down in einer Bergwerksmine über Tage, also auch Freiluft, wirkt zwar auch kostengünstig hinsichtlich der Location, hat aber einen gewissen Charme.
Kostengünstig auch, dass die Musik geklaut ist. In der etwas kitschigen Sterbeszene von Polly´s Schwester -von ihr selbst dargestellt- muss der Score "Cera una volta il west" von Morricone herhalten.

Was man "A girl called tigress" ankreiden muss..., ist die doch schablonenhaft-einfache und hingeschustert wirkende Story..., die nur langsam Fahrt aufnimmt.
Hinzukommt, dass die Fights bis zur Minute 40 keine besondere Klasse besitzen..., Polly hier doch überraschend ungelenk wirkt, und das Dubbing (Geräuschkulisse) wenig hergibt, um es mal gelinde auszudrücken. 
Da war ich doch etwas enttäuscht...., die Erwartungshaltung war bei einem Cast mit Polly, Shan Mao, Blacky Ko, Kam Kong und Yasuaki Kurata doch ziemlich hoch.

Doch wo ich den Darsteller Kurata gerade erwähne. ER ist derjenige, der nach 40 Minuten die Sache hochreißt! SEIN so dynamischer wie eleganter Kampfstil ist es, der das Niveau der Fights massiv nach oben treibt!
Jetzt erst werden die Kämpfe richtig kernig, dynamisch und intensiv...., das Dubbing zieht richtig an, wird brachialer und untermalt die knackigeren Aktionen entsprechend. 
Und auch Polly Shang Kuan wird von Kurata mitgezogen hinsichtlich ihrer Skills..., die dann erst an die Polly späterer Jahre, als ihr Stil richtig gereift war, heranreichen!

Yasuaki Kurata war ja in den Jahren bevor Polly Shang Kuan bevorzugt mit Carter Wong drehte, ihr Standard-Partner..., mehrheitlich als Widersacher. Und so ist das auch hier..., Kurata spielt den skrupellosen Gangster und Gegenspieler Shang Kuan´s, der ihre Schwester -im Film, und das ist Polly selbst- festhält und misshandelt.
Er macht das entsprechend böse wirkend..., und bringt erst den Drive in die Action. Arigato Kurata-san!

Mit den besseren Fights ab der 40. Minute bekommt auch die dünne Story mehr Fahrt..., aber auf diese achtet man dann eh nicht mehr so. Denn die KungFu-Action bestimmt dann das Geschehen. Die Story selbst vermochte mich nicht richtig zu packen..., hätte von der Regie zackiger umgesetzt werden müssen..., dafür stimmt in der 2. Hälfte wenigstens die Action.

Polly Shang Kuan agiert in einer Doppel-Rolle..., 2 sehr unterschiedliche Schwestern. Das verlangte von der Actrice ein gewisses mimisches Talent. Und Polly konnte das für ihre Verhältnisse (eine KungFu-Darstellerin, muss man ja dazu sagen) noch gut umsetzen.
Ihre Skills sind zunächst fast ungelenk wirkend..., da ist man von Polly etwas anderes gewöhnt und schon negativ überrascht..., und dieses biedere Auftreten mit Zöpfen..., heijeh.
Aber dann legt die Taiwanesin einen Zahn zu, lässt sich von Kurata mitziehen..., und das ähnelt schon mehr der Polly, die ab den "Bronzemänner"-Streifen zu den weiblichen Top-Stars in Hongkong zählte.
Polly hatte optisch später ja auch mehr Rasse als hier, als Zöpfe-Girl. Polly Shang Kuan... zu echten Glanzzeiten...., hätte ich die von der Bettkante geschubst? Nur wenn ich mit Nadja Bernhard verheirate wäre.... ;-) .

Neben Kurata und Shang Kuan ist der Cast drumrumgebaut..., bekannte Gesichter sind Shan Mao, Blacky Ko... und Kam Kong, der der Hauptdarstellerin zum Kumpel wird..., auch sein KungFu wird in der 2. Hälfte besser..., ein dynamisches Duell mit Kurata inklusive.

In der zweiten Hälfte, so ab der 40. Minute... -der Streifen hat aber in der vorliegenden Fassung nur 75 Minuten Laufzeit- zieht die bis dahin niveauarme KungFu-Action deutlich an. Kurata bringt Drive und Härte in die Sache..., und auch mehr ausgefeilte Technik.
Polly lässt sich dadurch animieren mitzuhalten..., und die Intensität und Dynamik der KungFu-Fights nimmt endlich zu, so wie deren Quantität, dann ist die Story nur noch marginal wichtig.

Das rettet dann diesen KungFu-Streifen...., ein Eastern für "zwischendurch" und insbesondere für Fans von Polly Shang Kuan, die ihre Darstellerin in einer frühen Doppel-Hauptrolle mal erleben wollen, noch vor ihrem Durchbruch in "Die 18 Kämpfer aus Bronze".

Ab der 2. Hälfte kann sich "A girl called tigress" noch sehr, sehr knappe, etwas wohlwollende aber auch passable 6/10 Punkte -inklusive Yasuaki&Polly-Bonus- in meiner Bewertung erfighten.

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