Geht man nach den Horrorschockern der letzten paar Jahre, dann gehört der Rucksacktourist auf seinen Reisen in die Ferne wohl zu einer besonders gefährdeten Spezies.
Überall lauert der Tod, ob im australischen Outback ( „Wolf Creek“ ) , der osteuropäischen Provinz ( „Hostel 1 & 2“ ) oder der brasilianischen Küste ( „Turistas“ ) . Hilfe von Einheimischen kann man dabei in den seltensten Fällen erhoffen, oftmals stecken diese mit den Organhändlern/ Folterknechten/ irren Psychopathen und sonstigem üblen Pack sogar unter einer Decke.
In eine ähnliche Kerbe schlägt auch „Borderland“, den ich mir aufgrund der recht positiven Kritiken hier und anderswo dann doch mal ausgeliehen habe.
Die dünne Story um drei U.S. Boys, die vor dem Beginn ihres Studiums nochmal gemeinsam einen draufmachen wollen und dazu von Texas aus einen Abstecher in ein grenznahes mexikanisches Kleinstädtchen machen, wo sie auf einen satanischen Drogenhändlerring treffen, der seine Entführungsopfer auch schon mal stundenlang foltert, um seinen „Gott“ zu besänftigen, gibt natürlich nicht allzu viel her.
Doch kommt es darauf in der Regel auch nicht an, wir reden schließlich über einen preisgünstig produzierten Genrefilm, der sicher nicht antritt, einen Oscar für das beste Drehbuch zu bekommen.
So erwartet man also die dem Genre übliche solide Mischung aus Thrill und Splatter, was ja z.B. bei „Turistas“ auch ganz gut funktioniert hat.
Zu Beginn wird man erstmal darauf hingewiesen, dass die Story des Films auf wahren Begebenheiten beruhe, was hier sogar ausnahmsweise mal nicht ganz falsch ist, da es einen ähnlichen Kult in den 80er Jahren in der mexikanischen Provinz tatsächlich gegeben hat. Nach einem deftigen (Folter-)Beginn, lernen wir unsere drei Hauptdarsteller kennen, von denen lediglich Brian Presley ( „Home of the Brave“ ) als zurückhaltender Ed bei mir etwas Eindruck hinterlassen hat.
Dieser ist es dann auch, der sich bis zum Finale vom braven Gutmenschen zum rasenden Rächer verwandeln darf, der der bösen Sekte ordentlich was auf die Mütze gibt (man schlage hier z.B. mal bei „The Hills have Eyes“ nach). Ansonsten hätten wir da noch den jungfräulichen und schüchternen Phil (Rider Strong, „Cabin Fever“) und, um die Stereotypenkiste dichtzumachen, den draufgängerischen Henry (Jake Muxworthy), der dem Zuschauer von Anfang an als so unsympathisch präsentiert wird, dass man schon ahnt, wer das Ende des Films nicht mehr miterleben wird.
Auf der Gegenseite stehen dann ein Sektenführer, von allen nur liebevoll „Vater“ genannt, der ein wenig aussieht wie ein schmieriger Darsteller ganz billiger mexikanischer Pornofilme (und nach vollbrachter Opferzeremonie und Folterung auch schon mal ein ausgiebiges Bad in der Wanne nimmt, man muss ja schließlich immer auf die Hygiene achten!), sowie Sean Astin, der das Auenland anscheinend endgültig hinter sich gelassen hat, als frauenhassender Widerling Randall, der aus den Staaten nach Mexiko gegangen ist, weil er hier seiner Leidenschaft, Frauen abzuschlachten, besser nachgehen kann (Oh Weia!).
So weit, so schlecht.
Leider lässt Regisseur Zev Berman aber auch sonst kein Fettnäpfchen aus: Waffen werden grundsätzlich nicht ausreichend mit Munition gefüllt, bevor es ans planmäßige Abknallen geht, so dass man dann immer nur einen Schuss abgeben kann (der natürlich nicht tödlich ist). Die mexikanische Polizei ist von offizieller Seite aus natürlich völlig unfähig, etwas gegen die doch sehr offen agierende Sekte zu unternehmen. Deren Versteck ist für unseren Helden erstaunlich leicht einnehmbar (man sollte doch annehmen, dass ein Kult, vor dem die gesamte örtliche Bevölkerung mitsamt der Polizei in Angst und Schrecken lebt, einigermaßen gut bewacht wird). Mexikanische Frauen sind natürlich alle Schlampen und Drogen kriegt man an jeder Straßenecke.
In Sachen Klischees und Ungereimtheiten überzeugt „Borderland“ also auf ganzer Linie.
Bleibt immer noch die Hoffnung auf ein paar derbe Splatterszenen, aber auch hier herrscht leider eher Ebbe: Zwar gibt es ein paar harte Sequenzen (rausgerissene Augäpfel, abgehackte Hände), aber bevor es richtig zur Sache geht, wird dann doch weggeschnitten.
Mit zwei, dramaturgisch eigentlich überflüssigen, Folterszenen bemüht man sich obendrein wohl, auf der Welle der „Torture Porns“ mitzuschwimmen.
Im Grunde ist „Borderland“ ein simpler Thriller, bei dem höchstens der lächerlich konzipierte Sektenkult (unfreiwilliges) Grauen bietet.
Mich konnte der Film definitiv nicht überzeugen: Schlecht gespielt, maue Story und kaum Spannung. „Turistas“ hatte wenigstens noch den brasilianischen Dschungel, der für einigen Abenteuerthrill sorgen konnte.
Wer also einen spannenden und glaubwürdigen Film über mörderische Kulte in fernen Ländern sucht, greift lieber zu Wes Craven´s unterschätztem „Die Schlange im Regenbogen“ .
Und wenn man schon einen stinknormalen Thriller mit Folterszenen anreichern muss, um aufzufallen, dann besser mit einem Ergebnis wie „Captivity“, denn der hatte immerhin noch Elisha Cuthbert und war von Anfang bis Ende spannend.
(3/10)