Review

Den Trashbegriff auf ein handfestes Sozialdrama anwenden zu müssen schmerzt, vor allem, wenn es sich um einen Film mit eigentlich wichtiger Botschaft handelt: dem Aufschrei gegen Ewiggestrige. Leider hämmert "Hass im Kopf" von Uwe Frießner stellenweise so hart mit dem Kopf gegen die Trashpforte und bettelt um Einlass, dass es auch durch die tauben Ohren des falschen Publikums dringt und dessen Neugier erweckt.

Fredy, Sohn eines arbeitslosen Alkoholikers und einer ebensolchen Mutter, hat außer einer Position als Vaters Prügelknabe keine Funktion in seiner Familie. Seine einzige gesellschaftliche Funktion, einen Aushilfsjob in seiner ehemaligen Stammdisco hat der 17 - Jährige längst gegen einen Platz in der Gang des rechten Schlägers Wolf eingetauscht, wo zwischen Bier, Fremdenhass und Machogehabe die Welt noch in Ordnung ist. In der toughen Marina findet Fredy endlich Liebe und emotionale Stabilität, die seinen Irrweg aber nur hinauszögert.

Ein Filmdrittel später dann die üblichen Übergriffe: Grabschändung, Brandstiftung, Volksverhetzung. Fredys Weg führt im Stechschritt Richtung Sackgasse. In letzter Konsequenz flüchtet sich die Gruppe nach ihrem Privatpogrom und ersten Polizeiuntersuchungen in den Alkohol. Die zunehmende Paranoia lässt das marode Gruppengefüge endgültig auseinanderbröseln und die Situation eskalieren.

Man kann Regisseur Frießner kaum vorwerfen, keine Ahnung von der Materie zu haben. So klischeehaft Fredys Weg anmutet ist er mit genau der Perspektivlosigkeit und Wut gepflastert, die vielen Millieuanhängern die Tür öffnete.Interessant ist hier die Rolle des Vaters, der vom verrohten Taugenichts zur verzerrten Vaterfigur für Wolf und seine Schlägertruppe wird, ist er doch selbst politisch rechtsstehend und verarbeitet sein eigenes frühkindliches Kriegstrauma mit Suff, Gewalt und Hitlerverehrung. So entpuppt sich der vermeidliche Ausweg Fredys aus der Gewaltspirale als Teufelskreis, der zurück nach Hause führt und damit zurück in das armselige Scheißleben, dem er mit seiner Bandenzugehörigkeit zu entfliehen erhoffte. Ein hochinteressanter Aspekt, den der Film auch großartig ausspielt.

Vieles scheitert aber dann doch an der Inszenierung, die teilweise sehr an Daily Talkshows der 90er erinnert, die sich auch ernster Probleme annahmen, um möglichst viele verkappte Voyeure vor die Fernsehschirme zu locken. Kulissen, Musik, Kameraarbeit, Kostüme, alles wirkt wie eine beliebige Reality TV - Episode. Dementsprechend ziehen sich Momente durch den Film, die durchhängen und den Ernst der Lage zur Bagatelle verwässern. Leider gilt das auch für das mitunter lustlose oder zwischendurch aber stark überzogene Schauspiel, Charaktere sind in einem Moment leere Hüllen, im nächsten comicartiger Bürgerschreck. Das trifft besonders auf Fredys Vater zu, der in den Kommentarspalten diverser Videoplattformen, auf denen der VHS - RIP des Filmes kursiert, ironisch als Assiikone abgefeiert wird.

Und damit muss man dann auch leider auf das Hauptproblem des Filmes eingehen: seine Inszenierung hat ihm leider das vollkommen falsche Publikum eingebracht, wie durch die bisher einzige "offizielle" Heimkinoveröffentlichung einer ominösen "Deutschland GmbH" nur allzu deutlich bestätigt wird: die Böcke ernennen sich selbst zu Gärtnern. Weiß der Teufel, was Rechte an diesem Film anziehend finden, aber scheinbar hat er sein Publikum an der falschen Adresse gefunden. Scheinbar haben sich viele rechte Hohlbirnen in diesem Film wiedergefunden und die kritischen ANteile im Kopf ausgeblendet. Wie bei so vielen Dingen im Leben...
















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