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Bill Cosby ist der Vater aller Sitcoms. Mit seiner "Cosby Show" etablierte er das Format, eine Mischung aus Familienserie und Komödie garniert mit einem unsichtbaren Publikum, im amerikanischen Fernsehen und eröffnete damit etlichen weiteren Sitcoms, die heute als Evergreens gelten, den Weg zum Ruhm.

Der Inhalt eines relativ neuen TV-Formats muß natürlich für den Zuschauer zunächst einmal leicht verdaulich sein. Man stelle sich die Bundys als Pioniere vor... das Format wäre unweigerlich abgesoffen.

So stellt uns Bill Cosby seine sympathische Großfamilie vor, die Huxtables. Heathcliff (Bill Cosby) ist der Kopf der Familie. Von Beruf ist er Gynäkologe. Seiner Arbeit geht er mit Erfolg nach. Da seine Praxis direkt am Haus liegt, hat er auch viel Zeit für seine Kinder und seine Frau. Die braucht er auch, denn er ist sehr behäbig und holt gerne sehr lange aus, um seine mit Moral angereicherten Geschichten zum Besten zu bringen.
Heathcliff trägt bevorzugt bunte Wollpullover und Faltenhosen und versprüht mit seinem müden Blick und schleichenden Gang eine humorige Atmosphäre. Ganz besonders steht er auf Jazz. Darum kann er nicht verstehen, dass seine Kinder dieses "Gehippe und Gehoppe" so toll finden. Zwar kommt er mit der Jugend gut klar, doch wundert er sich immer wieder, wo die alten Werte geblieben sind.
Seine zweite Leidenschaft ist eine verbotene: er liebt Sandwiches. Leider aber hat er einen zu hohen Cholesterinwert und wird deshalb von seiner Frau auf Diät gesetzt. Das hindert ihn aber nicht daran, in der Nacht zum Kühlschrank zu schleichen.

Seit Jahren glücklich verheiratet ist Heathcliff mit seiner bezaubernden Frau Claire (Phylicia Rashad). Sie ist eine wahre Powerfrau. Das muss sie auch sein, denn sie hat ihre Kinder und ihren Mann zu versorgen und arbeitet zudem erfolgreich als Anwältin. Im trauten Heim muss sie schon mal streng durchgreifen, wenn mal wieder jemand Unsinn gemacht hat. Und das kommt nicht selten vor.

Der einzige Sohn ist Theo (Malcolm-Jamal Warner), manchmal ein echtes Problemkind. Theo macht die typischen Probleme eines Pubertierenden durch, zeigt dabei aber immer wieder, dass er sich ernsthaft Gedanken über Gott und die Welt macht. Besonderes Interesse zeigt er bei Frauen und Autos. Wenn Theo mit seinem Kumpel Cockroach loszieht, kann er schonmal in Ärger verwickelt werden. Zu seinem Dad hat er aber ein besonderes Verhältnis, so dass am Ende immer alles wieder gut ist.

Außer Theo haben die Huxtables noch sage und schreibe vier Töchter. Die Älteste ist Sandra (Sabrina LeBeauf). Auch von ihrer Persönlichkeit her ist sie die Erwachsenste, obwohl sie ihre Familie irgendwann mit ihrem Mann Alvin (Geoffrey Owens) überraschte. Da Sandra aber ein eigenes Heim hat, taucht sie bevorzugt bei Familienfeierlichkeiten auf.
Denise (Lisa Bonet) ist die Zweitälteste und Intelligenteste. So nimmt sie schon bald ihr Studium auf. Obwohl ihre Eltern sie lieben wie jedes andere Kind, ist sie ihnen modetechnisch manchmal ein Dorn im Auge. Ansonsten kümmert sie sich fürsorglich für ihre Geschwister.
Vanessa (Tempestt Bledsoe) vertritt die Pubertät des weiblichen Geschlechts. Stets hat sie Liebeskummer oder andere Probleme rund um Jungs. Ihre kleinste Schwester missbraucht sie hin und wieder zur Spionage oder sonstigen Hilfsmitteln.
Bei dieser kleinen Schwester handelt es sich um Nesthäkchen Rudy (Keshia Knight-Pulliam). Wie die Olsen-Schwestern in "Full House" ist sie der Blickfang. Mit ihrer naiven Sichtweise von der Welt entzückt sie das Publikum.

Dies ist die Kernfamilie. Im Normalfall wird diese durch etliche Großväter und Großmütter aufgestockt, die alle unheimlich gerne Geschenke an die Huxtable-Kinder verteilen (was Claire und Cliff gar nicht passt) und mit den Erwachsenen über alte Zeiten und vor allem über Jazz plaudern.

Die Geschichten sind durchgehend sehr kindgerecht und meist mit einer Moral versehen. Alles dreht sich um harmlose, aber amüsante Alltäglichkeiten wie etwa Kochrezepte, Geburtstage, Liebesgeschichten oder Familientreffen. Wirklich ausfallend wird dabei keiner der Akteure, obwohl die Eltern bei diversen Lapsussen der Kinder schon mal sauer werden oder gar trickreich mit ihnen spielen. Als etwa Vanessa betrunken von einer Party heimkommt, schimpfen ihre Eltern nicht, sondern spielen mit ihr ein Trinkspiel, bis ihr kotzübel geworden ist. Okay, Mum & Dad, ich habe die Lektion gelernt. Darf ich jetzt bitte meine Strafe haben?

Heutzutage dürfte die moralische Botschaft der Serie nicht mehr überall unterstützt werden, dafür haben sich die Zeiten einfach zu sehr geändert. Aufgrund des massiven Familienwohlstandes der Huxtables (der Vater ist ein Arzt, die Mutter eine Rechtsanwältin) wird eine sehr konventionelle Sichtweise vertreten. Wie gesagt, wird oft auf die Nachlässigkeit der alten Werte hingewiesen. Auch werden die älteren Menschen (Großeltern) in der Serie von den jüngeren mit höchstem Respekt behandelt.
Vom sozialen Aspekt her entwarf man später mit "Roseanne" ein absolutes Kontrastprogramm; hier standen ernsthafte Probleme im Vordergrund. Bei der Bill Cosby-Show hingegen wird es zu keiner Zeit ernsthaft traurig. Hier werden eher die schönen kleinen Dinge des Lebens zelebriert.

Wenn diese Darstellung auch etwas lebensfremd erscheint, weil ja eben auch Schicksalsschläge ins Leben gehören, so ist doch gerade das die Stärke der Serie. Als Zuschauer fühlt man sich in der Wärme des Huxtable-Kreises wohlgeborgen. Man fühlt sich des weiteren als Teil der Familie. Dieses Gefühl wird gerade durch die zahlreichen "Weißt du noch?"-Gespräche hervorgerufen, und indem immer wieder neue Familienmitglieder aufgenommen werden (etwa Sandras Mann Alvin oder die kleine Olivia), wird die Herzlichkeit und Güte demonstriert.

Die Bill Cosby Show hat dem Sitcom-Format einen Bärendienst erwiesen. In der freundlichen Gemeinschaft der Huxtables konnte man die Probleme des eigenen Alltags vergessen und sich bei Unterhaltungen über Belanglosigkeiten entspannen. Im Zeichen der heutigen Shows, die zu Lasten der Qualität um jeden Preis auffallen wollen, bietet die Cosby Show eine Insel der Konstanz, auf der man zu ausgewogener Ruhe kommen kann. Mit Berücksichtigung des aus heutiger Sicht kritisierbaren moralischen Standpunktes:
7/10

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