Lasse Braun ist eine Kultfigur der Pornobranche und ist neben Gerard Damiano und Radley Metzger der wohl wichtigste Genre-Regisseur der 70er Jahre. Seine Werke hatten einen beachtlichen Anteil an der sexuellen Revolution dieser Zeit. Die Dokumentation „Ich, der King of Porn“ ist vor allem für Einsteiger sehr empfehlenswert denn allzu viele Informationsquellen gibt es nicht, noch dazu in deutscher Sprache. Nach einem viel versprechenden Anfang driftet das Portrait aber sehr in die Bedeutungslosigkeit ab. Unwissenden sei gesagt das Brauns Filme dreckiger Hardcore sind und auch mal mit Gay- oder Natursekt-Einlagen schocken.
Mit zahlreichen Anekdoten gespickt vermitteln die Interviews mit Brigitte Maier, Lavelle Roby und natürlich mit Lasse Braun selber vermitteln ein gutes Bild der damaligen Pornoindustrie und deren Stellung in der Gesellschaft. Ergänzt wird das hervorragend durch zahlreiche (teilweise sehr explizite) Ausschnitte aus Brauns Werken und einigen alten Interviews. Doch neben viel überschwänglichem Lob wird der Regisseur auch manchmal kritisiert und so entsteht ein recht objektives Bild.
Ein großer Kritikpunkt ist die zu kurze Laufzeit denn das abenteuerliche Leben des Lasse Braun hätte schon gut 30 Minuten mehr Laufzeit vertragen können um detailliert beleuchtet zu werden. So werden Skandale um rechtlichen Betrug und die späten Jahre Brauns ziemlich ausgespart, beziehungsweise nur am Rande erwähnt. Zwar wird der Anfang von Brauns Karriere recht gut dargestellt, nach seinen Jahren als Porno-Schmuggler und seinen Anfängen als Regisseur verliert die Dokumentation allerdings leider den Faden.
Des Öfteren kommen einem die 60 Minuten zu lieblos vor und letztendlich einfach zu kurz. Langweilig wird’s zwar dementsprechend nicht, über TV-Niveau kann das Portrait allerdings nicht gelangen. Für Interessierte an der Geschichte des Pornofilms aber sehr empfehlenswert. Wer neugierig geworden ist sollte sich die Filme "Sensations" und "Sex Maniacs" sowie "American Desire" zulegen. In ihrer Unterschiedlichkeit zeigen sie das breite Spektrum des Regisseurs und mit vielen ungewöhnlichen Ideen die sexuelle Aufgeschlossenheit der Macher.
Fazit: Nur halbwegs gelungene aber dennoch sehr gut anschaubare Dokumentation über eine der schillernsten Figuren des Porno-Business.
05 / 10