Tja, so kann’s kommen. Während die Ur-Serie „Outer Limits“ als Konkurrenzprodukt zu der damals hocherfolgreichen Serie „Twilight Zone“ Anfang der 60er Jahre nur 49 Folgen erleben durfte, gibt es von der Neuauflage insgesamt sieben Staffeln, wobei die sechste ursprünglich eigentlich schon die letzte gewesen sein sollte. Die Neuauflage der „Twilight Zone“ in den 80ern erreichte dagegen nur drei Staffeln, und Kritiker bemängelten stets, dass die Qualität der Ur-„Twilight Zone“, die damals auf fünf Staffeln kam, nie erreicht worden sei. Die neuen „Outer Limits“ jedenfalls gefallen mir gut.
Eine Episode „Outer Limits“ besitzt ein festes Schema: Vor dem Vorspann gibt es eine möglichst dramatische Einführungsszene, nach dem Vorspann (der im Deutschen unter einer geradezu peinlich entstellenden Übersetzung leiden muss) gibt es eine Einführungsfrage des Sprechers aus dem Off zu dem Thema der Folge. Am Ende der Folge meldet er sich wieder mit einem abschließenden Satz, der eine belehrende Schlussfolgerung zur Episode enthält.
Das Thema einer Folge kann fast alles Mögliche aus dem Bereich des Phantastischen sein. Da die Serie auf dem Höhepunkt (und wohl aufgrund) der „Akte X“-Manie gestartet wurde, gibt es in den ersten Staffeln viele Mystery-Stories um Alien-Invasionen und Regierungsverschwörungen. Viele Folgen handeln von Kriegen zwischen Aliens und Menschen sowie von anderen düsteren Zukunftsaussichten. Sehr oft ist das Thema vermeintlich fortschrittliche Technik oder ein angeblich progressiver Gesellschaftsentwurf, die bzw. der –natürlich– aus dem Ruder läuft und immensen Schaden anrichtet. Einige Folgen bieten blanken (freilich nicht allzu harten) Horror, und dann gibt es vereinzelte Folgen, die sich nicht ganz einordnen lassen, weil sie etwas ganz Besonderes bieten. Als herausragendes Beispiel und Empfehlung sei nur die auf einer von Stephen King geschriebenen Kurzgeschichte basierende Folge „Kugel im Kopf“ / „The Revelations of Becka Paulson“ (3. Staffel) genannt, die mit Sicherheit absurdeste Folge überhaupt. Übrigens beruhen einige Episoden auf Geschichten bekannter Science-Fiction-Autoren.
Diese Vielfalt ist Reiz und Manko der Serie in einem. Als Freund der gesamten phantastischen Palette kommt man auf seine Kosten. Wenn man in diesem Bereich nicht für alles offen ist, wird man allerdings oft enttäuscht sein.
Auch gibt es durch dieses Konzept wesentliche Qualitätsunterschiede zwischen einzelnen Folgen. Da (fast) jedes Mal eine komplett neue Geschichte aufgetischt wird, gibt es absolut geniale Folgen wie z.B. (meine persönliche Lieblingsfolge) „Die Feuerprobe“ / „Trial By Fire“ (2. Staffel), die klaustrophobisch spannend zeigt, wie der im Bunker sitzende US-Präsident die richtige Entscheidung zu einer unmittelbar bevorstehenden Alien-Ankunft auf der Erde fällen muss. Da kann ein B-Blockbuster wie "Independence Day" einpacken. Aber es gibt eben auch haarsträubende Gegenbeispiele wie (meine persönliche Anti-Folge) „Das Grabtuch“ / „The Shroud“ (5. Staffel), das unwürdig und langweilig demonstriert, wie man uralte Legenden bitte nicht für die Gegenwart aufbereiten soll.
Manchmal problematisch ist auch das feste Dreiviertelstunden-Schema der Serie. Es gibt einige Folgen, denen man ansieht, dass die überschaubare Story für das Schema gedehnt werden musste, bei anderen Folgen wünscht man sich dafür mehr Breite und Tiefe für die Geschichte oder Charaktere. Es gibt aber nur ganz wenige Zweiteiler oder Folgen, die in einer späteren Episode fortgeführt werden. Schön an dem Schema ist, dass das Ende immer mit einem Paukenschlag daherkommen will. Sicher erahnt man diesen sehr häufig, bisweilen gibt’s aber wirklich eine echte Überraschung. Und noch schöner: Es gibt nicht stets ein Happy End, sondern immer wieder ein richtig böses Finale.
Spaß an den „Outer Limits“ macht schließlich auch –wie bei „Twilight Zone“ oder „Geschichten aus der Gruft“–, dass in fast jeder Folge bekannte Gesichter zu sehen sind, öfter sogar richtige Hollywood-Stars.
Alles in allem eine gelungene Science-Fiction-/Mystery-Serie mit einigen wenigen Schwachpunkten: 7 von 10 Punkten.