"Dies ist die Geschichte von einem der sympathischsten Draufgänger Amerikas. Jeder hat ihn schon mal in irgendeinem Film gesehen aber niemand kennt sein Gesicht. Er wird bejubelt, das Publikum weint um ihn und einmal wollten sogar zwei Frauen für ihn ins Wasser gehen. Aber hat er Ruhm, Geld und Mädchen wie ein großer Star? Nein! Er ist ja auch nur der Stuntman! Der Grund weshalb ich überhaupt darüber spreche ist ganz einfach. Es handelt sich dabei um mich: Colt Seavers. Leider garantiert die Arbeit beim Film keine Dauerbeschäftigung und da muss man sehen wie man sich über Wasser hält. Man kann natürlich am Telefon sitzen und warten. Das kann ich mir nicht leisten! Ich arbeite zwischen zwei Jobs für die Justiz der Vereinigten Staaten von Amerika. In den USA gilt jeder Beschuldigte solange als unschuldig bis seine Schuld bewiesen ist und da kommt es immer vor, dass Menschen bis zur Gerichtsverhandlung gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt werden. Ein Teil von ihnen macht sich aus dem Staub. Da komme ich dann ins Spiel. Mein Job ist es, diese Menschen aufzuspüren und wieder in die Arme der Gerechtigkeit zurück zu führen..."
Markige Worte von einer markigen Stimme zu Beginn vieler Folgen von ein Colt für alle Fälle. Als Kind der 80er war die Serie rund um den Macho Stuntman, der in seiner Freizeit Kautionsflüchtlinge jagt und wieder einfängt, ein Pflichtprogramm. Genau genommen unterscheidet sich die Serie kaum von den übrigen Kollegen der Dekade wie A-Team, Magnum oder Knight Rider. Alle Shows präsentieren einen Bösewicht der am Ende der Folge eingekastelt wird, garniert mit einer gesunden Portion Humor und Protagonisten mit denen man sich vor allem als Jugendlicher gerne inspirieren läßt. Im Gegensatz zu den anderen Serien sieht man Colt Seavers aber schon seit einigen Jahren im deutschen TV, was eigentlich schade ist, denn auch wenn die Folgen in die Jahre gekommen sind, bieten sie doch immer noch locker flockige Unterhaltung mit einfachem Prinzip.
Produziert wurde das ganze von Glen A. Larson, der wohl zusammen mit Stephen J. Cannell für so ziemlich alle erfolgreichen Serien damls zuständig war. Hauptdarsteller Lee Majors hatte mit dem 6 Millionen Dollar Mann bereits reichlich Serienerfahrung und er verkörpert den Cowboy, der dem weiblichen Geschlecht ebenso wenig abgeneigt was wie einer dicken Zigarre in seiner Badewanne. Den bekannten Ohrwurm-Titelsong "Unknown Stuntman" sang er sogar selbst ein und selbst nach langen Jahren könnte ich ihn locker textsicher mitsingen.
Abgerundet wird das Programm durch seinen leicht trottelig naiven Cousin Howie, den Seavers nur salopp "Kleiner" ruft, sowie Jodie Banks (wenn Heather Thomas im Vorspann nur mit knappen Bikini bekleidet durch die Schwingtür tritt, schlugen einige Jungenherzen höher). Fester Bestandteil ist auch der Pick-Up-Truck, der ebenso wie Colt, dem in seine vielen Fällen seine Stuntausbildung oft genug den Hals aus der Schlinge rettete, häufig für Autojagden, wilde Sprünge und Kugelfang mißbraucht wurde. General Motors hatte jedenfalls gut zu tun immerwieder identische Autos bereitzustellen, wenn mal wieder ein Auto beim Dreh das letze Benzin aushauchte.
Die Show schaffte es von 1981 bis 1986 insegsamt 110 Folgen und sah dabei oft teurer aus als sie wohl eigentlich war. Besonders die kräftigen Explosionen ab und an sorgen für optische Schauwerte. Dazu kommen noch die lässigen Sprüche Seavers, besonders wenn Howie mal wieder Mist gebaut hatte, für lockere Unterhaltung. Großartige Drehbücher braucht niemand zu erwarten, hier geht es einfach nur um simples Entertainment ohne Tiefgang, aber das erfüllt der Colt für alle Fälle. Könnte gerne mal wieder in der Glotze laufen.
7/10