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S2E01: Die brasilianische Gräfin

„Ein Colt für alle Fälle“ war eine von mehreren familientauglichen US-Action-Serien, die in den 1980ern fürs sog. Vorabendprogramm konzipiert wurden und deren 45- bis 50-minütige Episoden sich dafür anboten, mittels Werbung auf ungefähr eine Stunde Sendedauer ausgedehnt zu werden. Die Serie brachte es auf 112 i.d.R. in sich abgeschlossene Episoden in fünf Staffeln.

Protagonist Colt Seavers (Lee Majors) hat gleich zwei Jobs: Zum einen arbeitet er als Stuntman für Spielfilmdrehs, zum anderen verdingt er sich als Kopfgeldjäger, indem er flüchtigen oder untergetauchten Kapitalverbrecher(inne)n nachspürt. Zusammen mit seinem Cousin, dem Schönling Howie Munson (Douglas Barr), und der attraktiven Jody Banks (Heather Thomas) gerät er dabei in ein aufregendes und lebensgefährliches Abenteuer nach dem anderen und muss immer wieder auf seine Fähigkeiten als Stunt-Profi zurückgreifen, um möglichst unversehrt zu bleiben.

Die zweite Staffel startete im Herbst 1982 in den USA und ca. eineinhalb Jahre später hierzulande im ZDF mit der Folge „Die brasilianische Gräfin“: Bei Dreharbeiten in Rio erhalten Colt und Howie von der neuen Kautionshelferin Terri (Markie Post) den Auftrag, Marnie Greer nach L.A. zu bringen – am besten zusammen mit den fünf Millionen von ihr veruntreuten Dollar…

Diese Folge ist die erste, die ich mir seit seligen Kindheitstagen angeschaut habe. Auf den collagenartig mit zahlreichen Actionszenen (auch aus anderen Filmen) gespickten Vorspann mit dem von Majors selbst gesungenen Evergreen und Ohrwurm folgt eine spektakuläre und zugleich natürlich hochgradig unrealistische Handlung, in der sich Colt & Howie mit der brasilianischen Exekutive auseinandersetzen und sich durch allerlei weitere Gefahren boxen müssen. Das bedeutet Action und Stunts, wie sie sich kleine und große Jungs (und manche Mädels) gern ansehen, es stirbt auch mal jemand, jedoch ohne dass es visuell oder emotional ausgeschlachtet werden würden, insgesamt bleibt die Folge weitestgehend harmlos. Damit dürfte sie dem Konzept dieser und ähnlicher Serien entsprechen, familientauglich zu bleiben und mitunter zwar technisch aufwändig gemachte, aber nie zu tiefschürfende Unterhaltung zu bieten. Dazu trägt auch der Humoranteil bei, der mir wesentlich stärker aufgefallen ist als damals und wiederum dazu beigetragen haben dürfte, dass ich bereits als Grundschüler Freude an der Serie hatte, ohne jede Handlung nun wirklich 100%ig nachvollzogen zu haben. Aus heutiger Sicht negativ aufgefallen ist mir hingegen: Viel zu wenig Heather Thomas!

Das Wiedersehen mit Colt Seavers weckte wohlige Erinnerungen an ‘80er-TV-Popkultur, wenngleich diese Episode narrativ und dramaturgisch sicherlich nicht mehr so zu fesseln vermag wie damals – weder ein junges noch ein reiferes Publikum.

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