Eigentlich sollte man annehmen, dass eher die frühen Achtziger als das Zeitalter der 'Seifenoper' und dort als Köder für das empathiebegeisterte Publikum galten; besonders die High-class Dramen wie Dallas, Denver-Clan oder etwaige Ableger à la Die Colbys – Das Imperium und Falcon Crest wurden in der Ära produziert und um die ganze Welt als Zuschauermagnet ausgelegt. Dennoch gab es (im Kino) gut ein Jahrzehnt später erst die entsprechenden Komödien über diese Zeiten und die spezielle Gattung, die großteils als nicht besonders angesehen, als eher nieder und bieder und nur Untermalung für die zwischengeschaltete Werbung und als allerharmloseste Unterhaltung gilt. Des Wahnsinns fette Beute [Alternativtitel] geht dabei von außen und von ursprünglich hinter der Kamera gelegen und von der Prämisse her wie (der furchtbare) Stay Tuned - Höllische Spiele mitten in das Geschehen hinein, während der unwesentlich frühere Lieblingsfeinde - Eine Seifenoper den Blick aus dem Zentrum hinaus auf das bunte Treiben und dies auch intellektueller und mit einer vergleichbaren Starbesetzung auswirft.
Dabei ist das Geschehen schon recht aus der einfachen zotenreichen Warte heraus aufgezogen und atmet spürbar den Geist der keimfreien und dafür unterhaltsamen Früh-Neunziger-Zeit. Die Jahre als im Nachhinein simpler geltend, die Bilder eher wie der große Fernsehfilm installiert, die Luft noch klar und rein und Prince als der Intonator des Titelliedes vom “Delirious“, dass den Originaltitel und gleichzeitig die Handlung schon darstellen:
Jack Gable [ John Candy ] ist verantwortlicher Autor für die seit mehreren Jahren erfolgreich laufende Soap "Beyond Our Dreams", und identifiziert sich so sehr mit dem Geschehen, dass er heimlich bis über beide Ohren in die Hauptdarstellerin Laura Claybourne [ Emma Samms ] verliebt und ihrer Rolle als Rachel Hedison verbunden ist. Als er erfährt, dass das Produzentenpaar Lou und Arlene Sherwood [ Jerry Orbach und Renée Taylor ] aufgrund von gesteigerten Gagenforderungen und unmöglichen Benehmen am Set die Rolle hinausgeschrieben haben wollen und einen zweiten Autor dafür engagieren, daraufhin agitiert reagiert und sich kurz darauf auch noch am Kopf stößt, erwacht er urplötzlich in der Serie am Schauplatz des idyllischen Kleinstädtchens Ashford Falls selber. Erst wehrt sich Gable heftig gegen diese neue Erfahrung, lernt aber bald, dass er mithilfe seiner Schreibmaschine gottgleich die Umstände vor Ort und ihre Menschen wie eben die Rachel Hedison, ihren schwerreichen Vater Carter Hedison [ Raymond Burr ], ihre Brüder Blake [ Dylan Baker ] und Ty [ Charles Rocket ] sowie ihren Lover, den Arzt Dr. Paul Kirkwood [ David Rasche ] beeinflussen und die Geschicke nach seinem Gutdünken lenken kann. Während er sich so in das Herz von Rachel hinschreibt, läuft ihm immer wieder die einzig normal scheinende Janet Dubois [ Mariel Hemingway ] über den Weg.
Produziert von Richard Donner, vom soliden Tom Mankiewicz gedreht, eröffnet sich der Reigen der Turbulenzen gleich mit mehreren lebenswichtigen Problemen. Der Fernseher geht nicht, zwei Sender haben ein schlechtes Bild, was am Konnektor liegt und wozu der Cable Guy als Rettung in der Not gerufen wird. Nummer zwei in der Krise ist der Streit um die Drehbücher, die “Bibel“ des Autors, in denen die Produzenten reinreden und wo auch teils eine andere Besetzung, nicht nur die Wendung anders, sondern das Rausschreiben von Charakteren, am besten mit Hirntumor als Diagnose oder dem Rückwärtsfallen vom Pferd gewünscht wird. Nummer Drei und damit wie die Vorgänger auch das Leben und die Phantasie schneidend und das Sein mit dem Schein konkurrierend und manipulierend ist das Gefühl von Jack für seine Hauptdarstellerin, welches nicht bemerkt und schon gar nicht erwidert wird.
Die Ankunft in der Medienwelt selber erfolgt nur anfangs auch am (vermeintlichen) Set, wird dann anders als bei einer Daily Soap gewohnt und schon aufgrund des Budgets üblich nicht im Inneren der Räumlichkeiten geblieben, sondern sich ganz unbeschwert in das Äußere (Marktplatz, Pferderanch, Felsschlucht) bewegt. Die Kleinstadt als Örtlichkeit, der erst sich unwillig dort aufhaltende Fremde und sein Bleiben nur aufgrund einer ihm in das Auge stechenden Frau sowie natürlich der Fantasyaspekt mit dem Verändern können der 'Realität' erinnern dabei tatsächlich an den späteren Und täglich grüßt das Murmeltier [ 1993 ], in der der schnelllebige und davon verbitterte Medienmensch dort auch erst langsam, dann aber innig das Dorfleben liebt. Verwundern tut hierbei nur, wieso Jack denn aus dieser Enklave unter der Sonne Kaliforniens überhaupt weg will – die Meisten schauen sich die Serials wegen dem Eskapismus und dem Wunsch nach einem anderen Leben an einem Sehnsuchtsort an, und es ist schließlich sein Baby, seine Bibel, seine Fantasie – und wie die ganzen halsbrecherischen Aktions-, Stunts- und Thrillszenen in die Szenerie hinein kommen, denn die Hausfrau beim Bügeln vormittags und dem Anschmachten des Haupthelden und Hineinversetzen in die Hauptheldin kennt derlei kinetische Aufwendungen sicherlich nicht.
Sowieso dient die gemeine Seifenoper, die zum Herstellungszeitpunkt vor allem durch die Quotenrenner und Dauerbrenner Schatten der Leidenschaft, Liebe, Lügen, Leidenschaft, General Hospital, und das recht junge Reich und Schön [ ab 1987 ] dominiert wurde, hier allerhöchstens als Umfeld für das slapstickreiche Geschehen und nicht als tatsächliche Blaupause für Schauspielführung und Dramaturgie. Materiell sind die diversen Wendungen gerade zum großen Finale hin durchaus passend, und hat man tatsächlich einige humoristische Pointen und treffsichere Lacher formuliert, aber zu aufgesetzt vor allem die Darstellungen der imaginären Charaktere, die mit übertriebener Mimik, Gestik und Vokabular die Quelle all des Ganzen aufs Korn nehmen sollen und dabei (ausgenommen David Rasche) regelmäßig, eigentlich andauernd gar überziehen. Geistreich ist jedenfalls etwas anderes, und Liebe zum Subjekt, oft auch die Prämisse für eine parodistische Herangehensweise steckt da scheinbar auch nicht dahinter; was angesichts des erfahrenen Autorengespanns Lawrence J. Cohen & Fred Freeman [ u.a. verantwortlich für die 70er Jahre Komödien Die haarsträubende Reise in einem verrückten Bus, Das Chaos-Duo und Die französische Revolution fand nicht statt ] und des hier vorhandenen blanken Figurentheaters voll mit Verzerrung, Entstellung und Banalität schon leicht verwunderlich ist.