Review

Manchmal können auch knapp 30 Jahre nichts ausrichten.

Ungefähr so lange ist es her, seit ich mit etwa 20 Jahren erstmals „Craze – Dämon des Grauens“ im TV gesehen habe. Mein Urteil war: stinklangweilig von vorne bis hinten.

Natürlich habe ich seitdem sehr viel an Wissen hinzu gewonnen, kenne das Werk von Jack Palance, weiß mehr über Trevor Howard (und seinen Hang zur Flasche), mir sagt Edith Evans inzwischen als Grand Dame britischer Kinounterhaltung etwas und zu meinen Kenntnissen bezüglich der Qualitäten von Diana Dors ist auch etwas hinzu gekommen. Oh, und Julie Ege ist mir jetzt auch gegenwärtig, wenn es um sexy Deko und mögliche Opfer in englischen Gruselfilmen geht.

Aber der Film von Altmeister Freddie Francis ist das geblieben, was er damals schon war: ein stinklangweiliger alter Furz von einem Plot, der Mühe gehabt hätte, in einer beliebigen Gruselanthologie eine 25-Minuten-Folge abzustauben.

Palance spielt hier – entgegen seiner sonstigen szenenklauenden Qualitäten – sehr zurückhaltend einen recht kultivierten und etwas manierierten Antiquitätenhändler, der aber langsam in Zahlungsschwierigkeiten gerät. Nebenbei ist er gemeinsam mit Bekannten auch noch Satanist und ruft in nach Feierabend im Zirkel einen Dämon an. Sehr schön soweit, auch wenn die höchst groteske und alberne Dämonenskulptur wirkt, als hätte ein Cartoonist einen Schwächeanfall erlitten.

Irgendwann gibt es dann mal Streit in der Hütte, ein ehemaliges Kultmitglied will den großen „Chuku“ klauen und im anschließenden Handgemenge landet die Betreffende in Chukus Dreizack. Ein echtes Blutopfer endlich mal und weil Neil am nächsten Tag in einem Geheimfach jede Menge Goldmünzen findet, nimmt er an, das sei eine Art Belohnung. Woraufhin sich britische Gentlemen natürlich sofort daran machen, diese Geldquelle weiter auszuschöpfen.

Also müssen noch mehr daran glauben und dabei fällt auch eine dicke Erbschaft ab, aber da Neil geschickt, aber nicht genial ist, ist Scotland Yard ihm bald schon auf den Fersen, genau wie sein Geschäftspartner.

Ein Großteil dieser dialoglastigen Laberproduktion findet in dem geräumigen Keller des Geschäfts statt (überdeutlich ein Studioset und doppelt so groß wie der Laden) und begründet damit das lendenlahme Gefühl, dramaturgisch lebendig begraben zu sein. Einen gewissen Reiz hat es noch, Palance mal als süßlichen Kleiderständer zu sehen und hier und da sind die On-Location-Szenen auf den Straßen Londons ganz reizvoll, atmen sie doch das Grau und den muffigen Dreck der frühen 70er.

Aber effektiv bietet der Film zu wenig über 90 langweilige Minuten, da nie so ganz klar wird, ob die Kohle, die Neil einstreicht wirklich eine dämonisch Belohnung ist oder auf einem einmaligen Zufall basiert, den er dann zu seinen Gunsten weiter kopiert.

Die Dämonenanbetung zu Beginn – inszeniert wie ein albernes Clubtreffen – kitzelt schon das Zwerchfell, aber wirklich besser wird es danach nicht und gewisse Sequenzen, inclusive des auf hundert Meilen vorauszusehenden Finales, wirken endlos und bieder.

Ein ganz klein wenig kann man in der Story herum analysieren, wenn man annimmt, das Palance‘ Antiquitätenhändler ggf. homosexuell sein soll, aber das ist jetzt auch nicht wirklich abendfüllend (immerhin spricht seine Attitüde dafür, aber das ist maximal veschlüsselt). Aber generell gehört dieser Film zu den Beiträgen im Filmschaffen von Freddie Francis, die man nicht zwingend kennen muss. (3/10)







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