Körperfresser, die dritte: Nach Don Siegel in den 1950ern und Philip Kaufman in den 1970ern machte sich Abel Ferrara in seinem mainstreamigsten Film 1993 an eine neue Verfilmung des Stoffes.
In Sachen Setting beschreitet der Film ansatzweise neue Wege, indem er das Geschehen auf eine Militärbasis verlagert. Hier soll Steve Malone (Terry Kinney), Beamter der Umweltschutzbehörde, die Giftstofflagerung untersuchen. Mit dabei ist seine Familie: Ehefrau Carol (Meg Tilly), Tochter Marti (Gabrielle Anwar) und Sohnemann Andy (Reilly Murphy). Marti ist ob des berufsbedingten Road Trips reichlich knatschig, nicht zuletzt, da Carol nur ihre Stiefmutter ist, aber als Rebellin und Außenseiterin nach den Genreregeln geradezu prädestiniert dafür hinter die Kulissen blicken zu können.
Es häufen sich schnell die ersten Anzeichen, dass etwas faul ist, darunter ein paranoid erscheinender Soldat, der Marti auf einer Rastplatztoilette warnt. Trotzdem bezieht die Familie ihr Quartier auf der Basis, was dem Film eine interessante Prämisse gibt: Gerade durch die uniforme Kleidung, Standardprozeduren und Einschränkung von Individualität im Dienst bietet sich die Militärbasis geradezu als Einfallsort für die Körperfresser an, da die vorgenommenen Veränderungen weniger auffallen.
Tatsächlich ist es nur einzelne, denen das Verhalten mancher Soldaten spanisch vorkommt, darunter eben auch Marti. Als ihr Bruder behauptet, dass Carol nicht seine Mutter sei, sondern ersetzt worden, ahnt sie, dass die Bedrohung schon bis zur ihr nach Hause vorgedrungen zu sein scheint…
Die erste Hälfte des Films nutzt Ferrara zur Etablierung der Bedrohung, auch wenn der Zuschauer durch den Titel und das Wissen um die beiden Vorgänger genau darauf vorbereitet ist, was Marti und ihre Sippe nun erwartet. Der Film macht es sich dabei stellenweise auch sehr einfach, etwa wenn Marti mit der Tochter des Kommandeurs etwas trinken geht, diese ihre Freund in der Bar trifft und der genau jenen Kumpel dabei hat, der das ideale Boy Toy für die Heldin darstellt, den Helikopterpiloten Tim Young (Billy Wirth). Der Rest des Personals füllt bekannte Klischees aus, vom zweifelnden Offizier Major Collins (Forest Whitaker) bis hin zum eisenharten Kommandanten General Platt (R. Lee Ermey). Doch obwohl Ferrara enttäuschend wenig aus der Prämisse herauskitzelt, so hat er findet er immer wieder durchaus beeindruckende Bilder, etwa wenn die ausgetauschten Kinder in der Tagesstätte alle das gleiche Bild malen, nur Andys Zeichnung dagegen aus dem Rahmen fällt.
Ungefähr zur Halbzeitmarke drückt Ferrara dann auf die Tube und das Versteckspiel der Aliens ist aus: So fallen dann verschiedene Figuren den Körperfressern zum Opfer, allerdings brav gestaffelt nach ihrer Wichtigkeit für die Heldin und immer nach demselben Muster – wann immer jemand verschwunden war und seine Abwesenheit nicht bebildert wurde, stellt er sich natürlich prompt als ausgetauschte Pod-Person heraus. Das ist schon sehr nach Schema F und zum Abschluss wird es dann noch richtig dämlich, wenn die Körperfresser die Überlebenden in einem Kampfhubschrauber türmen lassen, nach dem Motto: Die können uns schon nicht gefährlich werden. Natürlich schießen diese mit dem Gerät dann einen für die Ausbreitung der wichtigen Convoy zusammen, später noch die ganze befallene Basis, ohne Gegenwehr, trotz all des dort gelagerten Kriegsgeräts. Aber, hui hui hui, am Ende wird natürlich angedeutet, dass die Körperfresser sich schon weiter verbreitet haben.
Doch während das von fünf Autoren, darunter immerhin Larry Cohen und Stuart Gordon, verfasste Drehbuch wenig Dolles oder Originelles abliefert, da stimmt immerhin die Inszenierung: Genug schleimige, handgemachte Effekte, viele Verfolgungsjagden und stimmige Bilder, etwa die Bergung von Alien-Pods aus dem Sumpf sorgen für Oberflächenreize, welche das Script und seine Vorhersehbarkeiten immer wieder recht effektiv übertünchen können. Zudem bleibt Ferraras Fuß in der zweiten Hälfte auf dem Gaspedal und das Tempo konstant hoch, wodurch „Body Snatchers“ ebenfalls einen oberflächlichen Unterhaltungswert gewinnt.
In Sachen Besetzung ist das Ganze okay, aber lässt auch keine Beifallsstürme aus. Gabrielle Anwar ist als Teenieheldin eine gute, aber nicht beeindruckende Wahl, Meg Tilly punktet vor allem dann, wenn sie als Alienaustauschmutter für unheimliche Stimmung sorgt. Blass dagegen die beiden Hauptrollenmänner, weder Terry Kinney noch Grinsebacke Billy Wirth hinterlassen einen Eindruck. Forest Whitaker ist in seiner Nebenrolle etwas unterfordert und der Auftritt von R. Lee Ermey ist typisches Typecasting, aber immerhin hat der Mann seine Standardrolle drauf, obwohl auch er nur ein paar Szenen bekommt.
So ist „Body Snatchers“ ein in der zweiten Hälfte tempo- und effektreicher Invasionsfilm, stimmungsvoll düster in Szene gesetzt, aber auch einer, der reichlich Potential verschenkt: Die Paranoiasituation wird in der ersten Hälfte kaum ausgespielt, das Militärbasisszenario enttäuschend wenig genutzt und in seinen Routinen bleibt der Film teilweise arg vorhersehbar. Für den kleinen Alieninvasionshunger zwischendurch aber brauchbares Futter.