Die Winslows – ach, wie unsäglich abgrundtief ich die gehasst hab’…
…und allen voran natürlich (dreimal dürft ihr raten…) – Steve Urkel – dieser Fleisch gewordene Zahnarztbesuch…, diese Definition des Wortes „Arschlochkind“…, dieser sabbernde, Hosenträger tragende Streberbolzen…, dieser Harakiri-Grund…, - er allein ist verantwortlich dafür, dass auf der Welt Leid und Elend herrschen…, seine dämliche, dumm-dreiste Lache ist Schuld am Schmelzen der Pole und am
11. September… und allein dieser Ausgeburt der Hölle haben wir den Tsunami in Südostasien und Lady Di’s frühen Tod zu verdanken...
Okayokayokay… es tut mir leid, ich hab’ mir grad ein bisschen Frust von der Seele geschrieben. Aber nur der kleinste Gedanke an diese scheiß Brillenschlage… ARGH!!!...löst bei mir heute noch spontane Amok-Gelüste aus…
Aber ich muss zugeben, ich hab’ die Winslows doch ein ganzes Stück auf ihrem Weg durch diese „Sitcom-Hölle“ begleitet:
Ich hab die zarte Romanze von Steve und Laura, der ältesten Tochter der Winslows, sozusagen von der Krippe an verfolgt: Ich hab Steve sich jeden Tag einen Korb abholen sehen. Ich hab miterlebt, wie Steve, das alte Hobby-Genie, dann eines Tages einen Apparat entwickelt hat, der ihn in einen heißen Typen verwandelt. Ich hab’ Steve zu „Stephan“ werden sehen. Und schließlich und endlich hab’ ich sogar noch mitbekommen, dass Laura auf den Ladykiller Stephan verzichtet, weil ihr der echte Steve viel lieber ist… Ahhh! Ohhh! Uuui! Happy End und alle sind glücklich…
…wo wir gleich beim Thema wären: Diese von Herzen hassenswerte Familie schlägt sich in jeder Folge mit Problemen rum, die sowas von unsäglich banal, oberflächlich, unrealistisch und hirnrissig sind, dass man es kaum in Worte fassen kann:
„Darf ich heut Abend auf die Party gehen, Dad?“, „Darf ich mir ein Ohrloch stechen lassen, Dad?“ oder „In der Schule hat jemand gesagt, ich wär’ doof!“, „Die da hat mir den Haargummi geklaut!“ etc…
GOTT, LEUTE!!! Was habt’n ihr für Probleme!?!?
Drogen, Waffen, Geschlechtkrankheiten, Todesfälle...- so was gibt’s bei den Winslows, der typischsten und authentischsten aller amerikanischen Familien, natürlich nicht! Sowas gehört sich auch nicht!
Nein, alles ist schön auf familiengerecht gehalten, sprich die Wirklichkeit wird bis an den Rande der Unkenntlichkeit verblümt und realistische Probleme, welche den Zuschauer an die eigenen erinnern könnten, werden schön ausgeklammert.
So etwas will man aber halt auch nicht sehen, wenn man nach der Arbeit nach Hause kommt und fix und foxi ist. Da will man sehen, wie einfach es ist bzw. sein könnte Probleme mittels Reden aus dem Weg zu schaffen oder eine harmonische Familie zu führen.
Sorry…, aber blauäugiger geht’s echt nimmer! Meine Meinung…
Im Großen und Ganzen ist „Alle unter einem Dach“ aber auch nichts anderes als ein fürchterlich dreister Abklatsch der „Bill Cosby Show“.
Der älteste Sprössling Eddie entspricht haargenau dem Theo der Huxtables, der kleine ach so süße Richie entspricht der kessen Rudy… Allerdings wurde die Familienpackung mittels einer notgeilen, ebenfalls tot unwitzigen Großmutter etwas aufgepeppt.
Steve Urkel…, Carl, der fette Bulle, dem in „Stirb langsam“ der Tote aufs Auto fällt… Oma Winslow…, die eine Tochter, die im Laufe der Zeit einfach ohne Erklärung wegfiel…, Waldo Geraldo Faldo… - „Alle unter einem Dach“ bietet einfach eine riesige Bandbreite an lockerflockigen Charakteren, denen man am liebsten non Stop das blöde Grinsen aus der Visage prügeln will.
Doch trotz des Ekels und trotz der Magengeschwüre, welche mich meist pünktlich zum Versöhnungs-Finale Blut spucken ließen, musste ich mir früher (ich betone: „früher“! Heute bin ich clean…), als diese Serie täglich im Vorabendprogramm von Pro 7 lief, fast jede Folge reinziehen. Ich konnte meinen Blick einfach nicht abwenden…
Das ist wahrscheinlich so ähnlich wie bei Verkehrsunfällen mit Schulkindern, wie bei „Deutschland sucht den Superstar“ oder wie beim allgemeinen Niedergang der westlichen Wert- und Normvorstellungen, welche man ebenfalls mit erschrockener Faszination verfolgt bzw. beobachtet und von denen man seinen Blick nicht abwenden kann.
Wie dem auch sei…
„Alle unter einem Dach“ aka „Family Matters“ ist in meinen Augen jedenfalls neben „Bill Cosby“, „Full House“ und ganz neu: „Eine himmlische Familie“ auf dem Gipfel der hohlen Gehirnwäsche-Sitcoms aus Amiland anzusiedeln.
Ganz, ganz übler und mörderisch unwitziger „Heile Welt“- und „Friede-Freude-Eierkuchen“-Scheiß!!! Schlimmer geht’s echt kaum!!! Da werd’ ich echt aggro bei dem Mist!!!
Dennoch muss ich zugeben, dass der Stuss schon irgendwie Unterhaltungspotential besitzt, was aber wohl daran festgemacht werden kann, dass sich beim Kucken dieses „Happy Family“- Holocausts das Gehirn verflüssigt. Nostalgiewert muss ich dem Unding auch irgendwie zusagen…
Aber egal: Mist bleibt Mist! Hough, ich habe gesprochen.