Dieser sechsminütige Kurzfilm (zieht man die Credits am Anfang und am Ende ab, bleiben etwa viereinhalb Minuten reine Laufzeit) bildet die Grundlage für Paul Solets Spielfilm Grace aus dem Jahre 2009. Der auf 35mm gedrehte Kurzfilm lockte nicht nur wichtige Geldgeber an, er sorgte auch für viel Publicity und gewann mit dem "Best Short Award" beim Rhode Island International Horror Film Festival sowie dem "Peer Choice Award" beim Dragon*Con Short Film Festival immerhin zwei Preise. Grace erzählt keine Geschichte, sondern präsentiert einige wenige Fragmente, gespickt mit vielen teils drastischen Schockmomenten. Die hochschwangere Madeline (Liza Weil) und ihr Mann (Brian Austin Green im Arschloch-Modus) verunglücken des Nachts mit ihrem Auto, wobei sowohl Madelines Mann als auch das ungeborene Baby ums Leben kommen. Madeline trägt das Kind trotzdem aus, und als sie es nach der Geburt in ihren Armen hält, erwacht es zum Leben und beginnt an ihrer Brust zu saugen. "It's Grace. Her name is Grace", sagt sie zu der entsetzten Geburtshelferin. Ende. Im Gegensatz zum Spielfilm bleiben die Figuren (obwohl gut gespielt) natürlich blaß und oberflächlich, und eine Charakterentwicklung findet aufgrund des Zeitmangels auch nicht statt. Allerdings deutet Paul Solet mit Grace sein Talent für effektvolle Horrormomente ebenso an wie sein Gespür für eine dichte und unangenehm intensive Atmosphäre. Besonders die Geburtsszene beeindruckt mit ihrer extrem wirkungsvollen Bildermontage, einer Abfolge von sekundenkurzen (Schock-)Bildern, unterlegt mit einer unter die Haut gehenden Geräuschkulisse. Grace funktioniert am besten als Aperitif: er schmeckt gut und macht Lust auf mehr. Und dieses "mehr" wird einem dann auch mit dem drei Jahre später entstandenen Spielfilm serviert.