Review

…das sind annähernd sechs Minuten, also die Zeit, die laut Filmemacher Christian Jegl ein Raucher durchschnittlich für seine Zigarette benötigt, wenn er sie denn in Ruhe vertilgt…bei dieser Kritik werden wohl ein oder zwei mehr durchgehen, schon allein, um bei der zweiten Sichtung auf Details zu achten, die allerdings, nach der nunmehr dritten Zigarette, ausgeblieben sind.

Die hübsche Frau hinterm Steuer ihres silberfarbenen Autos, befindlich in einem weitläufigen Waldgebiet raucht auch, wirkt hinter ihrer Sonnenbrille gut gelaunt, pfeift (wenn auch in schiefen Tönen) den Gitarrensong mit und hält kurz darauf an einer Hütte. Zwei geknebelte Männer befinden sich in ihrem Kofferraum und man hat den Eindruck, dass die Dame nichts Fröhliches mit den beiden plant…

491 Sekunden benötigt der Hauptfilm, der gut gemachte Vorspann und der Abspann kommen dann auf eine Länge von knapp elfeinhalb Minuten, - nicht allzu viel Zeit, um in Kürze zu veranschaulichen, warum die junge Lady zwei Typen etwas unsanft behandelt, indem sie ein Messer und ein Radkreuz anwendet.
Kurzum: Die Fahrt dauert im Vergleich zum Nachfolgenden zu lange an, da hätte man gerne noch ein paar Minuten dran hängen können, zumal die Pointe zu abrupt einsetzt und ein wenig zu rasch abgehandelt wird.

Dabei pendelt sich das Amateurniveau auf einer soliden Ebene ein: Während die Kamera vom Auto nach draußen gehalten wird, mangelt es an Kontrasten und die Natur erscheint folgerichtig zu hell, - in solchen Situationen sollte man auf dunkleres Wetter warten, was im Übrigen auch besser zum Thema gepasst hätte.
Abgesehen von diesem Detail sind die weiteren Perspektiven hingegen clever gewählt, der Schnitt wurde sauber gesetzt und die FX, die ein wenig Splatter beinhaltet, geht absolut in Ordnung. Darstellerisch gibt es bei den drei Protagonisten nicht viel zu bemessen, - Glaubwürdigkeit ist zumindest bei allen drei gegeben.

Mal abgesehen vom kleinen Regiefehler (als sich die Frau von der Hütte weg bewegt, sind an jener keinerlei Spuren zu erkennen), ist mit Öffnen des Kofferraums Spannung im Spiel, denn die Szenerie impliziert eine nicht alltägliche Situation, die nicht nur neugierig macht, sondern zusätzlich auf eine Pointe drängt, da der Chronologie das vorangegangene Ereignis am Ende noch schuldig bleibt.

Mit einem etwas zu unsanft gesetzten Schnitt (entweder ausfaden oder einen Soundeffekt wie einen Reverse-Crash benutzen…) kommt letztlich die trockene Auflösung, die mit nur wenigen Einstellungen auf den Punkt bringt, weshalb die Hauptfigur etwas über die Maßen raucht und auch sonst eher wie die Ruhe vor dem Sturm wirkt.
Was alles in allem eventuell moralische Bedenken aufwerfen könnte, hat Christian Jegl insofern geschickt gelöst, als dass er seinen Kurzfilm auf die Simplizität von „Aktion und Reaktion“ minimiert und weder etwas befürwortet, noch anprangert und schon gar nicht Stellung nimmt.

Und das ist eventuell auch die Stärke innerhalb dieses minimalen Kosmos, denn 353,9 Sekunden sind nicht allzu viel Zeit, um über eine von Impulsivität gelenkte Aktion nachzudenken.
Handwerklich mit leichten Defiziten behaftet, dafür inhaltlich sauber durchstrukturiert, kann man sich diesen Kurzfilm durchaus zweimal reinziehen, - nicht um vermeintliche Einzelheiten oder gar symbolträchtige Metaphern zu entdecken, sondern um den Antrieb und den Kern der Geschichte auf sich wirken zu lassen…
6,5 von 10

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